RV Ganderkesee Der Vorsitzende Ihno Goldenstein im Interview

Im Interview spricht der neue Vorsitzende des RV Ganderkesee, Ihno Goldenstein, über das nun endende Jahr im Zeichen der Corona-Krise, die Planungen für 2021 und darüber, welche Ziele er als Vorstand hat.
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Der Vorsitzende Ihno Goldenstein im Interview
Von Michael Kerzel
Herr Goldenstein, wie steht der RV Ganderkesee nach neun Monate mit dem Coronavirus da?

Ihno Goldenstein: Wir stehen insgesamt gut da. Wir hatten keinen Mitgliederschwund und keine vermehrten Kündigungen. Bei uns gibt es eine Jahresmitgliedschaft – vielleicht kommt also noch was, aber das glaube ich nicht. Sowohl die Schulreiter als auch die Vereinsmitglieder haben uns die Stange gehalten. Sie haben die Nerven behalten und dem Sport nicht den Rücken gekehrt. Wir stehen gut da, aber wir hatten natürlich Einbußen, beispielsweise, weil wir das Pfingstturnier nicht ausrichten konnten. Auch andere Veranstaltungen wie die Vereinsmeisterschaft oder das Ringstechen fielen aus. Dort werden Speisen und Getränke verkauft und damit Einnahmen generiert. Wir konnten im Oktober die im März ausgefallene Generalversammlung abhalten – in einer Reithalle mit Mindestabstand und Masken. Das war historisch.

Was haben Sie als Vorsitzender für Ziele?

Der Jahresabschluss für 2019 war gut. Es wurde super Arbeit gemacht, wir haben ein super Team. Daran wollen wir anknüpfen. Ziel ist es, den Jugendsport auszubauen und zu fördern. Das ist ein Steckenpferd von mir. Wir hatten zuletzt vermehrt Neuzugänge bei den Einstellern von Ponyreitern. Das ist ja der Nachwuchs. Wir sind stolz darauf, dass wir sowohl Freizeitreiter als auch Neulinge sowie Quer- und Wiedereinsteiger bei uns auf der Anlage haben. Wir bieten ein breites Spektrum an. Ganderkesee hat in der Vergangenheit schon herausragende Reiter hervorgebracht, das wollen wir auch künftig erreichen. Natürlich können wir jemanden wie Sandra Auffarth nicht mehr fördern, das wäre vermessen. Aber der Kontakt ist weiterhin da, Sandra reitet auch weiter für den RV Ganderkesee. Ziel ist es, Nachwuchsreiter bestmöglich zu fördern. Wir bieten Lehrgänge an, holen dafür externe, hochqualifizierte Trainer. Gleichzeitig bieten wir den Freizeitreitern, die nicht auf die große Turnierbühne, sich aber dennoch im Wettkampf messen wollen, etwas an. Beim traditionellen Ringstechen gibt es beispielsweise einen eigenen Bereich für die Freizeitreiter.

Haben Sie Hoffnung, kommendes Jahr Turniere ausrichten zu können?

Aktuell ist es noch ein Glaskugellesen für 2021. Wie entwickelt sich die Pandemie? Wann ist der Lockdown vorbei? Welche Möglichkeiten wird es geben? Aber wir haben das Ziel, alle Termine wie sonst – Vereinsmeisterschaft, Pfingstturnier und Ringstechen – anzubieten. Ich denke nicht, dass das in gewohnter Form, sondern in einer abgespeckten Variante passiert. Für das Pfingstturnier braucht es ein halbes Jahr Vorlauf. Die Ausschreibungen dafür sind bereits rausgeschickt. Wir wollen die Veranstaltungen bestmöglich hinbekommen. Die Reiter wollen Wettkämpfe und ihre Pferde auf Turnieren reiten. Das ist für jeden Reiter das Highlight. Wir wollen das ermöglichen, auch wenn die Geselligkeit natürlich fehlen wird. Das gemeinsame Sitzen, Trinken und Essen wird vermutlich nicht erlaubt sein. Auch die Siegerehrungen werden wohl erst mal wegfallen. Aber der Impfstoff ist jetzt da, es geht voran. Aber klar ist, dass sich das hinziehen wird. Jede Behörde muss mit Vernunft arbeiten und kann nicht alles direkt öffnen. Wir sind da immer im Austausch mit dem für uns zuständigen Gesundheitsamt Wildeshausen. Wir wurden von denen in diesem Jahr super betreut und beraten und hatten die Unterstützung. Auch jetzt holen wir die Behörden rechtzeitig ins Boot.

Der Reitsport ist nicht komplett verboten. Aktuell gibt es beispielsweise wöchentlich das Turnier Urban ClassX in Wüsting.

Da schauen wir natürlich drauf. So in der Art wie es dort geschieht, wird es auch für uns und unsere Veranstaltungen kommen. Aktuell ist Reiten unter Auflagen erlaubt. Reiten wurde im zweiten Lockdown als Individualsport wie Joggen eingestuft. Das ergibt auch Sinn, da es ja automatisch Abstand zwischen Reitern auf Pferden gibt. Für den RV Ganderkesee gilt, dass die Personenzahl in der Halle reduziert sein muss. Es gibt Desinfektionsspender, die Anwesenden tragen Masken. Was wir nicht anbieten dürfen, ist Reitunterricht in Gruppen. Individualunterricht ist erlaubt. Wir versuchen, diesen bestmöglich anzubieten. Im ersten Lockdown durfte jeder Reiter nur zwei Stunden zu seinem Pferd. Für Außenstehende hört sich das erst mal viel an. Zwei Stunden Fitnessstudio sind ja lang beispielsweise. Aber beim Pferd gehört da das Stallausmisten, das Pferd vorbereiten und aufwärmen und das Reiten selbst dazu. Zwei Stunden sind da eine große Herausforderung.

Wer leidet im Verein unter den Corona-Regeln besonders?

Die Voltigierer sind die großen Verlierer. Da blutet mir das Herz. Da haben wir Gruppen mit Kindern, die sich jetzt nicht treffen dürfen. Das ist sehr schade, gerade wenn man sieht, mit welcher Begeisterung die Kinder bei der Sache sind.

Wie geht es bei Ihnen persönlich mit dem Reitsport im kommenden Jahr weiter?

Ich habe vor der Übernahme der Vorstandsarbeit sicherlich mehr im Sattel gesessen als zuletzt. Mein Pferd ist hier beim RVG eingestellt. Auch wenn ich in diesem Jahr an keinem Turnier teilgenommen habe – coronabedingt, aber auch aus Zeitgründen –, bleibe ich aktiver Reiter.

Warum haben Sie die Aufgabe des Vorsitzenden übernommen?

Ich selber bin Quereinsteiger und habe erst mit Mitte 30 angefangen zu reiten und bin dann dem RV Ganderkesee beigetreten. Vereinsleben ist was Schönes. Die Gemeinschaft im Verein gefällt mir sehr gut. Reitsport ist für mich Faszination. Deswegen engagiere ich mich da. Das Ehrenamt stirbt aus, keiner möchte mehr etwas machen. Im stillen Kämmerlein zu sitzen und zu klagen, das liegt mir nicht. Also mache ich selber etwas, und einer muss der Vorturner sein. Ich möchte andere für diesen tollen Sport begeistern.

Das Interview führte Michael Kerzel.

Info

Zur Person

Ihno Goldenstein (47)

fing erst vor rund zehn Jahren mit dem Reiten an und trat direkt dem RV Ganderkesee bei. Mitglied des Vorstands ist der Gandekeseer seit Anfang 2019, zum Vorsitzenden wurde er auf der Generalversammlung im Oktober 2020 gewählt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+