Infozentrum Stedingsehre

Vom Propaganda-Ort zur Aufklärungsstätte

Das Informationszentrum Stedingsehre wird seit November des vergangenen Jahres saniert. Läuft alles nach Plan, soll das Museum schon im Herbst 2021 eröffnet werden.
24.03.2021, 19:25
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Von Lina Wentzlaff
Vom Propaganda-Ort zur Aufklärungsstätte

Bürgermeisterkandidat Henry Peukert (rechts) und die örtliche FDP-Fraktion informierten sich beim Fördervereins-Vorsitzenden Dietmar Mietrach über den aktuellen Stand der Sanierungsarbeiten des Infozentrums.

INGO MÖLLERS

Das Reetdach ist erneuert, die Fliesen verlegt und das Mauerwerk ausgebessert – die Umbau- und Sanierungsarbeiten für das seit Langem geplante Informations- und Dokumentationszentrum Stedingsehre (IDZ) gehen voran. Seit vielen Jahren setzen sich der Arbeitskreis „Stedingsehre“ und der Förderverein „Freilichtbühne Bookholzberg“ für den Erhalt des alten Nazi-Propaganda-Ortes ein, um dort ein zeitkritisches Informationszentrum zu entwickeln. Der parteilose Bürgermeisterkandidat Henry Peukert informierte sich an diesem Mittwoch über den aktuellen Stand des Umbauprojekts. Zusammen mit der FDP Ganderkesee, die ihn bei der Wahl unterstützt, ließ er sich den Umbau des Gebäudes zeigen.

„Es ist finanziell alles auf den Weg gebracht“, erklärte FDP-Fraktionsvorsitzende Marion Daniel zufrieden. Der Landkreis Oldenburg und die Gemeinde Ganderkesee hätten die geplanten Gelder zur Verfügung gestellt, und das Gebäude sei gekauft. Es handelt sich um das bekannte „Haus 21“ auf dem Gelände der Freilichtbühne in Bookholzberg. Ab Herbst dieses Jahres soll dort das IDZ eröffnet werden. „Aus dem Propagandaort der Nationalsozialisten wird nun ein zeitkritisches Informationszentrum“, betonte Daniel. So soll in Ganderkesee ein lokaler Geschichts- und Lernort entstehen.

Nach 15 Jahren Arbeit und Engagement laufen nun im über 80 Jahre alten Fachwerkbau viele verschiedene Arbeiten gleichzeitig. Drinnen musste vor allem die Elektronik komplett erneuert werden, erzählt Fördervereins-Vorsitzender Dietmar Mietrach. Zuletzt wurden im Zuge der Sanierung Malerarbeiten ausgeführt. Auch die Erneuerung der sanitären Einrichtungen sowie die Montage der neuen Inneneinrichtung stehen demnächst an.

Fraktionsübergreifende Unterstützung

Nach jahrelangen Standortdiskussionen hatte die Gemeinde Ganderkesee das Haus 21 im vergangenen Jahr angekauft. „Besonders froh sind wir natürlich über die fraktionsübergreifende Unterstützung, ohne die wäre der Umbau gar nicht möglich“, betonte Mietrach. Der Arbeitskreis sowie der Förderverein stehen seit vielen Jahren in den Startlöchern, um zahlreiche Dokumente öffentlich zu präsentieren. Bereits seit mehreren Jahren sind die Aktiven dabei, das entsprechende Material zu archivieren. Die Exponate stammen größtenteils von Privatspendern.

Die Freilichtbühne mit ihrer Geschichte macht laut dem Fördervereins-Vorsitzenden erkennbar, wie Menschen in der NS-Zeit verführt wurden. Angst vor der Erschaffung eines neuen Pilgerortes der rechten Szene habe er nicht. „Wir wollen schließlich über das NS-Regime aufklären“, betonte Mietrach. Der regionale Arbeitskreis und der Förderverein bemühen sich darum, den einstigen NS-Wallfahrtsort zu entmythologisieren und ihm zugleich ein Alleinstellungsmerkmal als Geschichtslernort zuzuweisen.

Rund 70.000 Euro Finanzbedarf

Der Kauf des Hauses sowie die Sanierung erfolgt aus Mitteln der Gemeinde Ganderkesee und des Landkreises Oldenburg. Die geschätzten Gesamtkosten für die Innengestaltung schätzt der Vereinsvorsitzende auf etwa 70.000 Euro. Rund 40.000 Euro kommen aus dem EU-Fördertopf Leader, weitere 30.000 Euro werden von Spenden an den Förderverein gedeckt.

Momentan sei die Detailplanung bereits im Gange. Zur Erstellung eines Museumskonzeptes sei eine Workshop-Runde von rund 30 Experten, die sich aus verschiedenen Disziplinen zusammensetzen, gegründet worden. „Die Fachleute werden uns auch noch nach der Eröffnung beraten, damit wir immer kontinuierlichen Input haben“, sagte Mietrach.

So habe der renommierte Bremer Museums- und Ausstellungsexperte Peter Gössel bereits einen zehnminütigen Film produziert, der den Besuchern des Informationszentrums später als Einführung in die Thematik gezeigt werden soll. „Der Film wirft einige Fragen auf, damit die Besucher sich Gedanken über das Regime machen. Diese sollen sie dann von uns oder der Ausstellung beantwortet bekommen“, erklärte Vereinsmitglied und Gästeführer Peter Hedemann.

„Der Außenbereich um das alte Fachwerkgebäude kann mit genutzt werden“, sagte Mietrach. Carsten Wünker, Fachdienstleiter Natur im Ganderkeseer Rathaus, plane gerade einen Bauerngarten, der zu dem Gelände und seiner Nutzung passe. Zudem soll ein barrierefreier Weg Behinderten den Zugang zum IDZ ermöglichen. Läuft alles nach Plan, soll das Museum schon im Herbst 2021 eröffnet werden, erklärte der Fördervereins-Vorsitzende. „Wir müssen schließlich optimistisch bleiben“, sagte Mietrach.

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