Schierbroker Autorin Nina Uhlhorn

Schreibrausch statt Corona-Blues

In nur einem Jahr hat die Schierbroker Autorin Nina Uhlhorn eine über 1000 Seiten starke Roman-Trilogie geschrieben. Darin erzählt sie die Liebe zwischen der Tänzerin Erica und dem Steilwandfahrer Heath.
23.04.2021, 14:20
Lesedauer: 3 Min
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Schreibrausch statt Corona-Blues
Von Jochen Brünner
Schreibrausch statt Corona-Blues

Eigentlich bekennt sich Nina Uhlhorn als Fantasy-Fan. "Aber die Liebesgeschichte zwischen Erica und Heath lief einfach", freut sich die Autorin der Carnival-Trilogie über einen produktiven Schaffensprozess.

INGO MöLLERS

Eigentlich war es die Langeweile während des ersten Corona-Lockdown, die die Schierbrokerin Nina Uhlhorn an den Schreibtisch getrieben hat. Gut ein Jahr später liegen mit "Carnival of Love" und Carnival of Doubt" zwei gedruckte 400-Seiten-Romane auf dem Tisch, und der dritte Teil der Trilogie, der den Titel "Carnival of Regret" tragen wird, steht kurz vor seiner Vollendung.

In der Carnival-Serie erzählt Uhlhorn − oder Nina Vaninsky, wie sie sich als Autorin nennt − die turbulente Liebesgeschichte zwischen der deutschen Balletttänzerin Erica und dem doppelt so alten Steilwandfahrer Heath Keartland aus den USA. „Die Idee war, zwei unterschiedliche Charaktere zu schaffen und zusammenzuführen, die im normalen Leben eher nicht zueinander gefunden hätten“, erklärt die Autorin. „Und da schien mir eine Theater- und Zirkusatmosphäre ein geeignetes Spielfeld.“ Uhlhorn bekennt ihre Liebe zu Tanz und Ballett, das Thema Steilwandfahren als rauer Gegenpol hat sie dazu im Internet recherchiert. Schauplatz ist London, die erklärte Lieblingsstadt der Autorin. „Ich bin schon mehrfach dort gewesen, kenne mich einigermaßen aus, und während des Schreibens konnte ich mich dorthin träumen“, berichtet sie.

Der Autorin ist zudem eine respektable Produktivität zu bescheinigen, Schreibblockaden jedenfalls sind ihr bislang fremd. Zwischen März und Oktober 2020 schrieb sie den ersten Band, Band zwei war im Januar fertig. „Ich hatte zwar immer schon eine Affinität, Geschichten zu erzählen, aber bislang waren die Anläufe meist in den Ansätzen stecken geblieben“, erzählt die 42-Jährige. Nicht so die Geschichte von Erica und Heath. „Die Liebesgeschichte lief einfach“, freut sich Uhlhorn. Und sie läuft noch immer. „Als ich anfing, hatte ich die Geschichte zumindest im Groben schon zu Ende gedacht. Beim Schreiben ist mir dann aber schnell klar geworden, dass ich mit einem Band nicht hinkommen würde. Da hatte sich in den vergangenen 20 Jahren doch einiges an Ideen aufgestaut. Und so ist es dann eine Trilogie geworden“, schildert sie den Schaffensprozess.

Große Lust am Fabulieren

Die beiden vorliegenden Romane sprühen geradezu vor Lust am Fabulieren. Da wird herzhaft, respektlos und ohne jegliche Berührungsängste geflucht, aber auch die Sehnsucht Ericas auf die Erfüllung ihrer großen Liebe findet natürlich ihren Raum. Die Autorin selber bekennt sich übrigens als Fantasy-Fan. Im Bücherregal stehen die einschlägigen Bände von Harry Potter bis zum Herrn der Ringe, von den Büchern George R. R. Martins bis zur Scheibenwelt Terry Pratchetts − aber auch Klassiker der deutschen Literatur.

„Am Anfang habe ich fast ausschließlich nachts geschrieben, aber inzwischen kann ich das ganz gut in meinen Alltag einbinden“, erzählt die Mutter eines neunjährigen Sohnes. Und auch der Ehemann wird in die Produktion mit eingebunden. „Er hat ein fotografisches Gedächtnis und ist ein idealer Testleser. Der merkt sofort, wenn sich im Text jemand zweimal irgendwo hinsetzt“, sagt Uhlhorn. Dass sie sich als Autorin ein Pseudonym gegeben hat, „eine Kombination aus meinem zweiten Vornamen und meinem Mädchennamen“, wie sie verrät, erklärt sie auch damit, dass sie ihren richtigen Namen „nicht so romantisch“ findet. „Außerdem sind die Bücher mein Produkt, für die ich einfach gerne einen eigenen Namen verwende.“

Da es bekanntermaßen schwer ist, bei etablierten Verlagen einen Fuß in die Tür zu bekommen, hat sie schließlich den Weg über das Self Publishing gewählt. „Ich dachte mir, entweder liegt das Buch tot auf dem Laptop oder ich bringe es selbst in Bewegung“, erzählt Uhlhorn. Schließlich gab es nichts zu verlieren. Nun vertreibt sie ihre Bücher über Amazon und freut sich über Leserreaktionen auf Instagram. Und einige Fans warten bereits sehr gespannt auf die Fortsetzung.

Ende steht seit Monaten

„Das Ende der Carnival-Trilogie habe ich schon vor Monaten geschrieben“, verrät die Autorin. Zurzeit fehle nur noch die letzte Anbindung an den Mittelteil, aber sie hofft, zumindest die Grobfassung des dritten Teils in den nächsten Tagen abschließen zu können. „Carnival of Regret“ klingt aber nicht gerade nach Happy End, oder? − Zu dieser Frage möchte sich Nina Uhlhorn naturgemäß nicht äußern. „Manchmal muss man eben auch bereit sein, Dinge zu bereuen, damit Geschehnisse aus der Vergangenheit ins Reine kommen“, orakelt sie.

Inzwischen hat sie auch schon Pläne für weitere Romane im Kopf. „Es könnte ein oder zwei Ableger geben, bei denen Nebenfiguren aus der Carnival-Reihe in den Mittelpunkt rücken“, lässt sie durchblicken. So etwa Ericas Kollegin und Mitbewohnerin Quinn, eine lebenslustige Irin, von dem es an einer Stelle heißt, für ein Sixpack Bier würde sie „den Leichnam ihrer toten Großmutter an Gunther von Hagens verkaufen, damit er deren Lungenflügel für seine nächste Ausstellung präparieren kann“.

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