Klassische Musik in St. Cyprian

Der Konzert-Sommer ist zurück

„Sommer. Abend. Musik“ ist die Konzertreihe in St. Cyprian in Ganderkesee benannt. Zum Auftakt unternahmen Kantor Thorsten Ahlrichs und die Geiger Åsa Stelling Jakobsson und Paul Bialek eine musikalische Reise.
05.07.2020, 16:34
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Von Günter Matysiak
Der Konzert-Sommer ist zurück

Die Geiger Åsa Stelling Jakobsson und Paul Bialek sowie Kantor Thorsten Ahlrichs begeisterten das Publikum beim Auftaktkonzert.

INGO MÖLLERS

Ganderkesee. „Sommer. Abend. Musik.“ Unter diesem Motto stehen die neun Konzerte, die Kreiskantor Thorsten Ahlrichs für die Monate Juli und August vorbereitet hat. Zuerst einmal zur Freude des Publikums, das in St. Cyprian und Cornelius in Corona-Zeiten auf fünfzig Besucher begrenzt sein wird. Dann aber auch zum Nutzen der Musiker, die zuvor alle von coronabedingten Absagen betroffen waren und denen die Spenden in den als Benefiz-Veranstaltungen deklarierten Konzerten zugutekommen sollen.

Das mit dem Sommer klappte am Sonnabend noch nicht so gut, die Musik zeigte sich indes von bester Seite. Unter der Überschrift „Musik in Europa von Nord nach Süd“ spielten die Barockgeigerin Åsa Stelling Jakobsson, der Barockgeiger Paul Bialek und Thorsten Ahlrichs am Cembalo Musik von Georg Friedrich Händel, Heinrich Ignaz Franz Biber, Jean-Philippe Rameau, Johan Helmich Roman und Arcangelo Corelli. Sie waren dabei in der Trio-Formation und auch mit Solostücken zu erleben. Beide Geiger sind von ihrer Ausbildung bei namhaften Alte-Musik- Spezialisten ausgewiesene Fachleute in Sachen Alte Musik, wie auch Thorsten Ahlrichs selbst.

Führte das Programm von Nord nach Süd, breitete sich die Violine historisch betrachtet von Süd nach Nord aus. Sie galt von Anfang an als anspruchsvoll-professionelles Instrument, das nur „durch große Übung und durch den Verstand des Gesanges“, also durch Fleiß und Musikalität, zu beherrschen sei. Das verschaffte ihr anfangs einen schweren Stand bei der wesentlich kulturgebenden Schicht des Adels. Bald aber war die Violine allgegenwärtig vom bäuerlichen Wirtshausgeiger bis zum Virtuosen höfischer Musizierpraxis.

Die musikalische Reise begann im Norden. Die Engländer hatten Händel (1685-1759) ja früh für sich vereinnahmt. Das Trio präsentierte in der Sonate h-Moll op. 2 Nr. 1 für zwei Violinen und Basso continuo vom ersten Ton an das, was die historisch orientierte Aufführungspraxis als „Klangrede“ bezeichnet. Es ließ gleich das einleitende Andante wirklich sprechen, melodische Bögen wurden kleingliedrig phrasiert, es herrschte ein gestenreiches, liebevolles Plaudern. Das Largo repräsentierte in der Art des ausgehorchten Duettierens nichts weniger als musikalisch-menschliche Zärtlichkeit. Die beiden Allegro-Sätze waren von tänzerisch beschwingter Leichtheit.

Johann Helmich Roman wurde 1694 in Stockholm geboren und zählt zu den bedeutendsten Komponisten der schwedischen Musikgeschichte. Åsa Stelling Jakobsson spielte sein „Assaggio“ g-Moll mit sehr beredter Themenmodellierung, deutete es als Musik, die direkt auf den frühklassischen „empfindsamen Stil“ vorauswies. Es war eine introvertierte Musizierhaltung von großer Ausdrucksruhe. Programmmusik auf dem Cembalo gab es dann mit Thorsten Ahlrichs. Er spielte aus den „Pièce de clavecins“ von Rameau (1683-1764) die Sätze „Le Rappel des Oiseaux“ und „La Poule“. „Das Huhn“ wurde in seinem Spiel ein Meisterstück musikalischer Komik, perfekt in den raffinierten Verzögerungen des Gackerns. Wie virtuos ließ er im Accellerando die gackernde Aufregung des Huhns lebendig werden. Das zierliche Vogelgezwitscher war voller Anschlagsfeinheit, die Klangmalereien in der Schwarmmusik bekamen schwärmerische impressionistische Züge.

Mit dem Geiger und Komponisten Biber (1644-1704) war man in Salzburg gelandet. Paul Bialek spielte die „Passaggaglia“ (so schrieb Biber es) aus den „Rosenkranzsonaten“ als prachtvoll strahlende, tiefsinnige Geigenmusik, mit virtuos-leidenschaftlichem Zugriff. Spielerisch ausgeformte Kontrapunktik, an der auch das Cembalo teilhatte, Presto-Brillanz und innige Seufzer-Espressivität gab es mit Corellis (1653-1713) „Sonata IV“ in h-Moll. Aus ihr spielte das Trio nach langem, begeistertem Beifall noch einmal das Vivace als geistreich-virtuose Zugabe.

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