Springreiten Laura Voigt: Von der Angst zum Erfolg

Laura Voigt vom RV Ganderkesee ist ein Talent, das erst mit 14 Jahren in den Springreitsattel stieg. Mit ihrem Pferd Cracker by Jet feierte sie seitdem einige Erfolge. Ein Porträt.
08.03.2021, 16:43
Lesedauer: 4 Min
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Von Bettina Gnaß

Deutsche Nachwuchsmeisterschaften, Preis der Besten – Laura Voigt ist ein vielversprechendes Springtalent, das für den RV Ganderkesee reitet. Dabei war sie in puncto Reiten eine echte Spätzünderin: Erst im Alter von 14 Jahren begann sie mit dem Springen. „Mit Pferden zu tun habe ich, seitdem ich denken kann“, erinnert sich die Ganderkeseerin. „Meine ganze Familie ist dem Reitsport verfallen.“ Ihre ältere Schwester hatte mehrere Pferde und ritt bei Wettbewerben mit. So schnupperte Laura Voigt schon früh Turnierluft, da sie „immer auf die Turniere mitgeschleppt wurde“, wie sie es selbst beschreibt. Auch sie hatte zwar ein Pony, weinte aber mehr als dass sie ritt, da sie Angst vorm Reiten hatte. Dies änderte sich erst im Alter von 13 oder 14 Jahren, als sie mithilfe von Rapido, einem besonders gutmütigen Pferd, die Angst verlor: „Seitdem haben die Pferde und der Reitsport eine große Priorität in meinem Leben.“

Nachdem das Eis erst einmal gebrochen war, ging es für die jüngere Voigt-Schwester steil bergauf: „Es ging dann alles sehr schnell. Ich habe mit 15 schon mein erstes S-Springen geritten, mit 16 schon das erste gewonnen, und bis heute konnte ich mich stetig steigern“, beschreibt die 22-Jährige selbst ihre sportliche Entwicklung. Kein Wunder, denn sie liebt die tägliche Arbeit mit den Pferden, bei der kein Tag dem anderen gleicht: „Das macht die ganze Sache so besonders.“

Nachdem sie in diversen Nachwuchsklassen bereits Erfolge sammeln konnte, war eigentlich geplant, 2020 den Einstieg in der Altersklasse Reiter anzugehen. Doch Corona machte ihr – wie so vielen anderen Athleten – einen Strich durch die Rechnung. So wurden die Deutschen Meisterschaften im ersten Ablauf abgesagt und erst Anfang Dezember nachgeholt, viele andere Turniere entfielen ganz. Doch nicht nur die Pandemie macht Reitern wie Laura Voigt nach wie vor das Leben schwer: „Also durch Corona wurde im letzten sowie in diesem Jahr diverse Turniere abgesagt. Normalerweise wären wir für drei Wochen nach Holland zum Turnier gefahren Ende März/Anfang April. Das wurden jetzt durch das Herpes-Virus abgesagt.“

Natürlich versteht die Ganderkeseerin die Entscheidung der internationale Dachorganisation des Pferdesports (FEI) zur Absage aller Turniere im März, jedoch wurde einmal mehr ihre Turnier-Planung über den Haufen geworfen. Dabei hatte Voigt sich und die Pferde im Rahmen der Wüstinger Turnierserie Urban ClassX bis jetzt fitgehalten. „Nun ist es so, dass ich das Training mit den Pferden heruntergefahren habe, da zurzeit keine Turniere stattfinden“, erklärt die junge Reiterin. Langweilig wird der BWL-Studentin aber dennoch nicht: „Persönlich schreibe ich derzeit Klausuren, deshalb ist es dahingehend nicht allzu verkehrt, ein wenig mehr Zeit dafür zu haben.“ Für ihre berufliche Zukunft ist Laura Voigt das Studium ebenso wichtig wie die Arbeit mit den Pferden: „Also als allererstes möchte ich mein BWL-Studium abschließen. Ich möchte aber weiterhin gute junge Pferde ausbilden können, und diese erfolgreich bis in die schwere Kasse vorstellen.“

Dafür arbeitet sie auch weiterhin jeden Tag mit ihren Pferden, auch wenn sie das Trainingspensum insgesamt reduziert hat: „Ich stehe meistens um 6 Uhr auf und gehe die Pferde füttern.“ Nach der Fütterung kommen die Tiere morgens auf die Weide, wenn das Wetter es zulässt. Während die Vierbeiner draußen sind, konzentriert sich die Reiterin des RV Ganderkesee auf ihr Studium und lernt für anstehende Klausuren. Am Nachmittag stehen dann wieder die Pferde im Mittelpunkt, wobei das Training für jedes Pferd anders aussieht: „Ich reite Dressur, gehe ins Gelände, mache Gymnastik oder Galopptraining, Longe oder oder ... Um 17 Uhr gibt es dann wieder Futter und dann ist ein normaler Tag im Stall vorbei“, beschreibt die 22-Jährige ihren aktuellen Tagesrhythmus, bei dem es abwechslungsreich bleibt. Zwischendurch fährt sie zum Beispiel mit ihren Pferden zum Springen zu Rolf Moormann. Der renommierte Reiter, der einen Hof in Großenkneten betreibt, unterstützt das Nachwuchstalent in ihrer sportlichen Entwicklung. Darüber hinaus stehen ihr auch ihre Eltern zur Seite sowie andere Persönlichkeiten aus dem Reitsport wie Sören Pedersen oder auch der Co-Bundestrainer Heinrich Hermann Engemann, bei dem sie vor nicht allzu langer Zeit drei Monate trainieren durfte.

Laura Voigt möchte die neue Saison eher besonnen und ruhig angehen: „Was das weitere Jahr 2021 angeht, müssen wir einfach ruhig bleiben und schauen, was man so reiten kann.“ Ihr großen Ziele verliert Voigt aber dennoch nicht aus den Augen und arbeitet weiter an ihnen. „Als Ziel für dieses Jahr habe ich mir die Deutschen Meisterschaften gesteckt, welche ich zum ersten Mal im Erwachsenen-Lager bestreiten würde“, blickt Voigt voraus. Außerdem hat sie den U25-Springpokal ins Auge gefasst, dessen Finale in Aachen ausgetragen wird, wenn es die pandemische Lage zulässt. Sie würde gerne insbesondere ihre jüngeren Pferde weiter fördern und präsentieren.

Dass sie das Zeug dazu hat, Pferde auszubilden, hat Laura Voigt bei ihrem Erfolgspferd Cracker by Jet bereits gezeigt. Mit dem zehnjährigen Oldenburger startete Sie für den RV Ganderkesee Anfang Februar beispielsweise bei den Urban ClassX in Wüsting. Dort holte das Gespann unter anderem den siebten Platz in der S***-Springprüfung mit Stechen sowie den achten Platz im S**-Springen mit Siegerrunde. Den Wallach hat die Ganderkeseerin selbst ausgebildet und von Anfang an geritten.

Kein Wunder also, dass ihr Verhältnis zu Coco, wie sie ihn liebevoll nennt, ganz besonders, fast wie eine Ehe ist. Diese Nähe zu den Tieren macht einen Teil des Erfolgsgeheimnisses von Laura Voigt aus: „Die Pferde geben einem so viel zurück. Sie kämpfen für mich auf den Turnieren.“

In Kombination mit ihrer fokussierten Art hat das junge Nachwuchstalent aus Ganderkesee daher sehr gute Chancen auf eine erfolgreiche Zukunft im Reitsport.

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