Premiere für Horror-Kurzfilm

Subtiler Horror hinterm Vorhang

Ein Wohnhaus in Ganderkesee diente der Crew des Oldenburger Regisseurs Carsten Woike im Februar 2019 als Kulisse für einen Dreh. Nun wird der Horror-Kurzfilm „Patrick is Ouside“ erstmals öffentlich gezeigt.
23.01.2020, 08:09
Lesedauer: 4 Min
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Subtiler Horror hinterm Vorhang
Von Jochen Brünner
Subtiler Horror hinterm Vorhang

Vorhänge spielen in Carsten Woikes Horror-Kurzfilm "Patrick is Outside" eine wichtige Rolle. Gedreht wurde in Ganderkesee.

Carsten Woike

Das Ehepaar Mark (Siemen Rühaak) und Svenja (Erika Skrotzki) erwartet Gäste. Sohn Tim (Lucas Confurius) hat sich angesagt, um den Eltern seine neue Freundin Anna (Kirstin Warnke) vorzustellen. Doch von vornherein liegt etwas Unausgesprochenes über der Szenerie, das nichts Gutes erahnen lässt. „Mark, was hast du denn draußen gemacht?“, will Svenja wissen. „Ich dachte, ich hätte was gesehen. Aber es war nichts“, antwortet der Gatte.

Das Besondere an Carsten Woikes Kurzfilm „Patrick is Outside“, aus dem die beschriebene Szene stammt, ist die Tatsache, dass der Film in der Gemeinde Ganderkesee gedreht worden ist. Als Kulisse diente dem Team das Wohnhaus des ehemaligen Ersten Gemeinderats Rainer Lange. Nachdem die etwa 30-minütige Produktion bereits als Wettbewerbsbeitrag auf dem Filmfest in Bremen zu sehen war, feiert „Patrick is Outside“ am Freitag, 31. Januar, nun auch seine öffentliche Premiere. Um 20 Uhr startet im Kommunalkino City 46 in Bremen (Birkenstraße 1) ein Kurzfilmabend mit insgesamt fünf Produktionen des Oldenburger Regisseurs, von denen „Patrick is Outside“ sozusagen der „Hauptfilm“ sein wird.

Dass Woike auf die Gemeinde Ganderkesee als Drehort aufmerksam geworden ist, ist der Filmtourismus-Initiative zu verdanken, die Wirtschaftsförderin Christa Linnemann vor einigen Jahren initiiert hat. Als sie im Dezember 2018 nochmal einen konkreten Aufruf startete, dass ein Wohnhaus als Drehort für einen Horrorfilm gesucht werde, hätten sich rund 20 bis 30 Bürger gemeldet, die ihre Wohnräume zur Verfügung stellen wollten, berichtet Woike: „Wir haben dann vier bis fünf mögliche Drehorte besichtigt, ehe wir uns schließlich für das Lange-Haus entschieden haben.“

Dabei sei es überhaupt keine Selbstverständlichkeit, ein Filmteam mit 25 bis 30 Leuten in die eigene Wohnung zu lassen, erzählt der Regisseur. So sei die Crew an den vier Drehtagen (was für einen 30-Minuten-Film sehr knapp bemessen ist) von morgens bis spät in die Nacht sowohl drinnen als auch draußen aktiv gewesen, habe für ihre Zwecke Möbel umgestellt, Bilder und Dekoration verändert sowie Vorhänge aufgehängt, die im Film eine wichtige Rolle spielen. Und die alten Bücher, die Mark in einem Regal im Wohnzimmer aufbewahrt, stammen aus dem Keller des Rathauses und wurden eigens für die Dreharbeiten dort hingeschafft. Auch die Nachbarn hätten mitunter an den Fenstern gestanden und den Betrieb interessiert verfolgt.

„Ein bisschen schade war, dass wir die Drohne nicht direkt über dem Haus steigen lassen durften, weil die Entfernung zum Flugplatz nicht groß genug war“, erzählt Woike. So hat er sich schließlich mit anderen Drohnen-Aufnahmen beholfen. In einer Szene ist etwa eine Autofahrt durch einen Wald aus der Vogelperspektive zu sehen, in einer anderen das Neubaugebiet „Vor dem Feld“ sowie die Helmut-Denker-Siedlung, die zumindest für Ortskundige mühelos zu erkennen sind.

Auch ortsansässige Firmen haben den Dreh unterstützt. „Das Catering kam vom Elmeloher Grill, Galabau Kreye hat den Garten ausgeleuchtet, die Villa Hohenböken hat Unterkünfte für die Crew zur Verfügung gestellt und Raumausstattung Düßmann hat die so wichtigen Vorhänge geliefert“, zählt Woike auf. Als Dankeschön hat er im Gegenzug kleine Imagefilme für die Betriebe gedreht.

„Der Horrorfilm ist ein dankbares Medium, weil er atmosphärisch ist und bestimmte Sinne kitzelt“, sagt Woike, wobei ihn insbesondere die „kleinen Innovationen“ reizen würden. Und gerade mit Genrefilmen ließen sich schwierige Themen leichter transportieren. „Ich mache Filme, die ich mir auch selber gerne angucke. Splatter-Horror mit viel Blut mag ich aber nicht“, betont der Filmemacher. Und so strahlt auch „Patrick is Outside“ einen eher subtilen Horror aus.

Spannend wird es, als während der leicht angespannten Atmosphäre beim Abendessen plötzlich Tims Bruder Patrick (Helge Tarmsen) aus dem Garten ins Haus starrt. Und der Umgang mit der Situation verstört Anna über alle Maßen. „Der Film entstand aus einem Alptraum heraus“, berichtet Woike, der auch das Drehbuch geschrieben hat. Er folge dem Muster eines Home-Invasion-Thrillers, bei dem ein Protagonist eine Bedrohung empfindet, die andere gar nicht nachvollziehen können. Inzwischen habe die Produktion aber kein konventionelles Horror-Ende mehr, weshalb sie eher satirisch gedeutet werden könne.

Weiterhin ist an diesem Abend auch Woikes preisgekrönter Kurzfilm „Antenna“ zu sehen. Darin geht es um einen einsamen elfjährigen Jungen, der über ein altes Funkgerät Kontakt mit einem Außerirdischen aufnimmt. Von Edvard Munchs Gemälde „Der Vampir (Liebe und Schmerz)“ inspiriert, ist ein in schwarz-weiß gedrehter Kurzfilm, in dem ein gewissenhafter Finanzbeamter die Rache seiner Kunden fürchtet. In „Zum Lieben, zum Streiten und zum Töten“ geht es um eine depressive Frau, die sich um ihren kranken Bruder kümmern muss und nebenbei alle Männer ermordet, mit denen sie es nicht mehr aushält. „Dieser Kurzfilm entstand als Zwischendurch-Projekt für einen Wettbewerb“, berichtet Woike. Schließlich zeigt er einen Clip aus Stephen King's „Boogeyman“, den er 2014 drehte. „Stephen King verkauft für einen Dollar Filmrechte an ausgewählten Kurzgeschichten. Doch da eine Crowdfunding-Kampagne zur Deckung der restlichen Produktionskosten scheiterte und der Vertrag mit Kings Agentur auslief, existiert von dem Film nur dieser Clip“, erzählt der Regisseur.

Während Elke Aschenbeck-Lange „Patrick is Outside“ bereits beim Filmfest gesehen hat, kennt Rainer Lange den Film bislang noch nicht. Was sich am Premierenabend ändern wird. „Die beiden haben angekündigt, dass sie mit ungefähr 20 Personen kommen werden“, berichtet Woike. Auch die Schauspieler Kirstin Warnke, Siemen Rühaak und Lucas Confurius haben ihr Erscheinen zugesagt.

Im Anschluss will der Regisseur versuchen, die Produktion auf internationalen Festivals zu platzieren, was auch mit „Antenna“ schon gut gelungen ist. Darüber hinaus werde sie auf dem European Film Market (EFM) im Beiprogramm für Fachbesucher der Berlinale laufen.

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