Theaterprojekt erneut verschoben „Brudermord“ in Bergedorf erst 2022

Eigentlich sollte das historische Theaterspektakel „Der Brudermord“ in Bergedorf bereits im vergangenen Jahr über die Bühne gehen. Jetzt haben die Initiatoren das Projekt auf Sommer 2022 verschoben.
15.02.2021, 15:00
Lesedauer: 3 Min
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„Brudermord“ in Bergedorf erst 2022
Von Jochen Brünner

Nun wird es 2022 werden, ehe der 1192 verübte „Brudermord“ am Grafen Christian von Oldenburg seine theatrale Aufbereitung im Freilichttheater in Bergedorf erfährt. Ideengeber Gerd Logemann und Regisseur Markus Weise haben jetzt die Verschiebung des Theaterprojekts um ein weiteres Jahr verkündet. „Einen Probenstart des 'Brudermords' im April oder im Mai halten wir unter den geltenden Corona-Einschränkungen nicht für möglich. Zudem gibt es keine Planungssicherheit für den Sommer“, erklären Weise und Logemann. Denn schließlich spiele bei den Überlegungen auch die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens eine Rolle.

Laut Stufenplan der Niedersächsischen Landesregierung ist Freilichttheater bei einem Inzidenzwert von 10 bis 25 mit maximal 250 Zuschauern möglich. Dabei gilt für die Zuschauer eine Mund-Nasen-Bedeckungspflicht bis zum Sitzplatz sowie ein Hygienekonzept mit Abstandsregeln. Bei einem Inzidenzwert von 25 bis 50 dürfen maximal 100 Zuschauer an der Vorstellung teilnehmen.

Die Kulissen, die Bühnenbildner Georgios Kolios vom Oldenburgischen Staatstheater entworfen hat, sind schon fast fertig gebaut. Allein die Schlossruine ist ungefähr vier Meter hoch und 20 Meter breit. „Die riesige Organisation ist eine tiefe Erfüllung für mich“, sagt Logemann. Aber was nutzt das, wenn die Tribüne, die rund 350 Menschen Platz bietet, nicht voll besetzt werden darf. „Dann wären vielleicht nur rund 120 Plätze möglich. Das ist schon aus wirtschaftlicher Sicht nicht darstellbar“, sagt Weise. Die Kosten für das Gesamtprojekt beziffert Logemann auf rund 70.000 Euro. Um das Projekt zu finanzieren und auch Fördergelder einwerben zu können, hat er eigens den Verein zur Förderung der Dorf- und Kulturgemeinschaft Bergedorf ins Leben gerufen.

Zudem planen die Veranstalter vor den Vorstellungen einen Mittelaltermarkt. Auch für diesen müsste nach den geltenden Bestimmungen ein Hygienekonzept vorliegen, und der Markt würde nur unter speziellen Auflagen genehmigt. „Es wäre kein schönes Erlebnis, mit einer FFP2-Maske über den Markt zu schlendern und vermutlich nicht einmal etwas essen zu dürfen. Auch die Marktleute müssten eine FFP2-Maske tragen. Das alles wäre wenig mittelalterlich“, meint Weise.

Während andere Theaterensembles inzwischen auf Online-Proben setzen, kommen diese laut Weise für das Brudermord-Projekt nicht infrage. „Das Problem ist, dass wir bislang nie die Gelegenheit hatten, uns persönlich kennenzulernen“, schildert der Regisseur die Situation. Auf eine Abfrage, wer von dem 30-köpfigen Ensemble 2022 überhaupt noch zur Verfügung stehe, habe er verzichtet, weil sie zum jetzigen Zeitpunkt wenig Sinn mache. „Ich werde dann fragen, wenn wir konkret planen können“, sagt Weise. Die meisten Akteure hätten ihm aber signalisiert, dass sie die erneute Verschiebung für richtig halten und auch weiterhin an der Inszenierung mitwirken wollen.

Nach dem gegenwärtigen Stand der Planungen wäre eine Premiere Anfang Juli 2022 denkbar. Zudem sei 2022 das 830. Todesjahr des Grafen Christian von Oldenburg – ein etwas krummes Jubiläum zwar, aber immerhin. Die Sommerferien beginnen im kommenden Jahr am 14. Juli. Die Fußball-Weltmeisterschaft wäre keine Konkurrenz, da das Turnier in Qatar erst in den Monaten November und Dezember stattfindet. Auch mit der Freiluftproduktion der Speelkoppel Hoyerswege gäbe es keine Überschneidungen. Die Proben zum „Brudermord“ würden entsprechend im April 2022 beginnen.

„Eigentlich schaue ich immer optimistisch in die Zukunft, aber die vergangene Theatersaison war eine Katastrophe. Veranstalter und Theater hoffen natürlich auf einen anderen Kurs, aber viele rechnen frühestens im Herbst 2021 mit ersten Vorstellungen. Am Broadway wurden schon im ersten Lockdown Premieren auf 2022 verschoben. Darüber haben damals viele noch geschmunzelt“, berichtet Weise. Hierzulande warten die Theater mit ihren „fertigen Stücken“ inzwischen seit März 2021 auf Aufführungen.

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