Tier-Paradies von Ute Mahlstedt Eine Stunde an die kleine Nordsee

Ute Mahlstedt führt seit 27 Jahren die Tierpension und Hundeschule auf dem ehemaligen Bundeswehr-Gelände in Schönemoor. Wegen der Pandemie bangt sie nun um die Zukunft ihrer Einrichtung in Ganderkesee.
29.12.2020, 18:27
Lesedauer: 3 Min
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Von Lina Wentzlaff

Es ist so leise wie schon lange nicht mehr auf dem Gelände von Ute Mahlstedt. Sie führt in Schönemoor eine Tierpension mit angegliederter Hundeschule. „Manchmal höre ich jetzt sogar die Telefone im Büro rauschen“, erzählt die Hundeexpertin. Das wäre früher undenkbar gewesen. Auf dem zehn Hektar großen Areal tobten vor der Pandemie täglich viele Hunde, jetzt kommen nur noch wenige Besitzer mit ihren Vierbeinern vorbei. Zu groß ist der Lebenswandel der Menschen von Lockdown, Homeoffice und ausfallenden Urlauben geprägt. Mahlstedt bangt nun um ihr Lebenswerk.

In mühevoller Kleinarbeit und mit viel Idealismus hat Ute Mahlstedt ein wahres Tierparadies auf ihrem riesigen Gelände angelegt. Auf zehn Hektar eines ehemaligen Bundeswehr-Geländes hat sie sich vor 27 Jahren ihren Traum erfüllt und eine Tierpension mit angrenzender Hundeschule eröffnet. Doch durch die Corona-Pandemie und all den Auswirkungen auf das Leben der Hundebesitzer, beispielsweise durch Kurzarbeit, stehe die Tierpension nun vor dem Aus. Denn einen Großteil ihrer Einnahmen generiert sie eigentlich über die tierischen Pensionsgäste.

Für die befellten und gefiederten Gäste hat die Pension ein weitgefächertes Angebot. Die Besitzer vertrauen Mahlstedt ihre Lieblinge beispielsweise in der Urlaubszeit oder bei Krankheitsfällen an. Neben Hunden sind es vor allem Katzen, Vögel und Kaninchen. Die Kunden können zwischen Tageshort und Langzeitpflege sowie Gruppen- und Einzelunterkünften wählen. „Momentan werden aber kaum noch Hunde zur Pflege abgegeben und wir mussten auch unsere Schulungen einfrieren, bis es die Maßnahmen wieder erlauben“, bedauert sie die Lage. Neben der Tierpension gehört auch eine Hundeschule zum Angebot der Hundeexpertin. „Das fängt bei Welpenstunden an und hört mit der Problemhund-Therapie auf“, erklärt Mahlstedt. Doch in Zeiten des Lockdown könnte sie keine der Angebote anbieten.

Aber auch in der grauen Jahreszeit und gerade zu Zeiten einer Pandemie hat das Gelände viel zu bieten: „Woanders stapeln sich die Leute, hier können sie mit Schutzmaßnahmen die Zeit mit ihren Hunden auf dem eingezäunten Terretorium genießen“, so Mahlstedt. Ein großer Badesee, Tretboote und Strandkörbe sowie ein kleines Café am Ufer, laden Hund und Herrchen zum Entspannen ein. „Einmal die Seele baumeln lassen und sich eine Stunde an die kleine Nordsee entführen lassen“, so habe eine Freundin von Ute Mahlstedt die Zeit auf dem Gelände beschrieben. Heizstrahler sollen das auch jetzt in den kalten Monaten ermöglichen.

Das große, eingezäunte Auslaufgelände bietet Tier und Mensch Spiel und Spaß ohne Leinenzwang. „Meine zwei Hunde sind kaum zu bremsen, wenn sie sehen, dass ich die Halsbänder in die Hand nehme und wir zu dem Gelände fahren“, sagt Besucherin Tanja Riesmeier lachend. Zudem besteht auch die Möglichkeit, dass Hundebesitzer das komplett eingezäunte Freigelände samt Badesee, Spielplatz, Kettcars, Tretbooten, Strandkörben und Café mieten können. Auch die Parkplätze für Besucher sind direkt vor der Tür.

„Das ist gerade jetzt eine tolle Alternative“, erklärt Riesmeier. Über das riesige Grundstück könne mit einer Freundin spazieren gegangen werden, ohne sich zu nahe zu kommen. „Und auch junge Hunde können sich hier richtig auspowern“, so die Hundebesitzerin. Die Pandemie könnte für die Tierpension und Hundeschule jetzt das Ende bedeuten. Ihre festen Mitarbeiter musste Ute Mahlstedt entlassen und hält sich nun mit Aushilfskräften über Wasser. Denn das große Gelände muss schließlich auch weiterhin gepflegt werden. „Durch die Auflagen sind die Spielstunden und das freie Mieten des Geländes das Einzige, mit dem wir noch ein paar Euro verdienen“, sagt Mahlstedt.

Sie ist am Ende ihrer Kräfte: „Seit 38 Jahren gebe ich alles für die Tiere“, sagt Mahlstedt. Angefangen hatte alles mit ehrenamtlicher Arbeit für den Tierschutzverein. Sie nahm auffällige Problem-Hunde auf, die sonst keiner mehr retten wollte. Anfang der 1990er-Jahre entdeckte sie das von der Bundeswehr aufgegebene Gelände in Schönemoor und entschied, sich direkt mit dem damaligen Bundesverteidigungsminister Volker Rüher in Verbindung zu setzen. Innerhalb von drei Wochen erhielt sie eine Zusage und konnte das Terrain pachten.

Ein paar Jahre später entschied sie sich zum Kauf des Geländes. „Es war immer viel Arbeit und ich habe mich trotz aller Konflikte immer wieder durchgebissen“, betont Mahlstedt. Doch nie sei die Lage so ernst gewesen wie durch die Pandemie. Im schlimmsten Fall verliere sie gerade alles, auch ihre Bleibe. Deswegen sucht die Tierliebhaberin einen sogenannten stillen Teilhaber. „Außerdem würde ich gerne kürzer treten und könnte mir sogar vorstellen, die Hundeschule an einen geeigneten Nachfolger abzugeben“, sagt sie. Sie selbst möchte sich auf die Tierpension konzentrieren.

In Zeiten von Corona können Hundebesitzer die Tierpension unterstützen, indem sie sich mit ihren Tieren eine kleine Auszeit auf dem weitläufigen Gelände buchen oder zu Spielstunden anmelden. Die Offenen Spielzeiten für sehr verträgliche Hunde finden momentan mittwochs, sonnabends und sonntags statt. Anmeldungen nimmt die Tierpension unter Telefon 0 42 21 / 4 46 00 an.

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