Tischtennis

Aufstieg mit Verspätung

Die Jungen-Mannschaft des VfL Stenum hat es am grünen Tisch geschafft und darf eine Spielklasse aufrücken. Damit schlagen die Talente künftig in der Niedersachsenliga auf.
08.06.2020, 16:10
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Von Andreas Lehmkuhl
Aufstieg mit Verspätung

Joke Fleddermann (links) und Felix Hellhoff haben die Tischtennis-Jungen des VfL Stenum auf Platz eins geführt. Damit steigt das Team in die Niedersachsenliga auf. Hellhoff erreicht nun allerdings die Altersgrenze und spielt künftig bei den Erwachsenen.

Dennis Stelljes

Die Jungen-Mannschaft des VfL Stenum darf in der kommenden Saison, wann und wie sie auch immer beginnen mag, in der Tischtennis-Niedersachsenliga antreten. Besonders ist dieser Aufstieg aber nicht nur deswegen, weil die Stenumer damit erstmals in der höchsten Nachwuchs-Klasse vertreten sind. Besonders war auch der steinige Weg zu diesem Aufstieg, der im doppelten Sinne am grünen Tisch – zum einem am Tischtennis-Tisch und zum anderen über das Sportgericht des Tischtennisverbandes Niedersachsen (TTVN) – entschieden wurde.

Mit 20:2 Punkten bei 85:27 Spielen stand der VfL Mitte März auf Rang eins der Bezirksliga Nord, die Meisterschaft war aber trotz nur noch einer ausstehenden Partie nicht in trockenen Tüchern. Mit 16:2 Punkten und 69:13 Spielen folgte der TuS Ekern dem VfL auf den Fersen. Alles lief auf ein Endspiel in Ekern am 29. März hinaus. „Man hätte sich keine spannendere Situation ausmalen können, und nach unserem stimmungsgeladenen 8:5-Heimsieg freuten wir uns auf das Highlight der Saison“, meint VfL-Trainer Dennis Stelljes. Doch es kam anders, Mitte März wurde die Saison abgebrochen. „Felix Hellhoff, Moritz Gediga, Bastian Rang und Joke Fleddermann haben sich den Titel verdient. Wir hatten ein unglaublich gutes Jahr, waren, wenn wir in Bestbesetzung gespielt haben, ungeschlagen und haben auch zu Hause gegen Ekern gewonnen. Dennoch hat keiner aus dem Team den Drang, den Titel an die große Glocke zu hängen. Zu unvollständig ist die Saison ohne unser Finale, zu offen war ihr Ausgang“, ordnet Stelljes sachlich-fair ein.

Der Verband entscheidet

Am 1. April wurde vom Niedersächsischen Tischtennisverband (TTVN) verkündet, dass der Tabellenstand zum Zeitpunkt des Abbruchs auch zum Endstand der Saison erklärt würde. Am 4. April wurde der VfL sogar von Hans Jürgen Hain, dem Staffelleiter der Niedersachsenliga, überraschend darüber informiert, dass Stenum sich damit auch für die höchste Klasse im Nachwuchs-Tischtennis qualifiziert habe. Überraschend deshalb, weil die Meister der Bezirksligen in Weser-Ems normalerweise nicht automatisch aufsteigen, anders als die der Bezirke Lüneburg, Brauschweig und Hannover. Denn in diesen gibt es jeweils nur eine Bezirksliga, in Weser-Ems deren drei, wobei die Meister normalerweise in einem Qualifikationsturnier den Bezirks-Mannschaftsmeister und Aufsteiger ermitteln.

Innerhalb von drei Tagen sollten die Stenumer zu- oder absagen. „Mein erster Impuls war, abzulehnen. Im Gegensatz zu den anderen Vereinen haben wir überhaupt keine Erfahrungen mit der Niedersachsenliga, die Bezirksliga war schon ein großer Schritt für uns. Und klar war auch, dass der Aufwand für alle noch mal enorm steigen würde“, erklärt Stelljes. Zudem sei auch mit Felix Hellhoff der beste Spieler des VfL altersbedingt nicht mehr spielberechtigt. „Außerdem musste der Verein dem Unterfangen erst mal zustimmen, da unsere verhältnismäßig kleine Abteilung damit nicht nur sportlich, sondern auch finanziell ganz neue Sphären erreicht. Binnen drei Tagen kaum möglich“, erklärt der Trainer.

Die Frist zur endgültigen Entscheidung wurde vom TTVN auf Wunsch der Stenumer bis nach Ostern verlängert – und tatsächlich gab es schnell positive Signale des Vereins in Sachen Kostenübernahme für Fahrten und Übernachtungen.

Über Ostern wurde sogar in Alexander Schwedes, der bisherigen Nummer vier des Niedersachsenligisten Hundsmühler TV, eine neue potenzielle Nummer eins gefunden – in enger freundschaftlicher Zusammenarbeit mit dem HTV, wie Stelljes betont. Am 14. April konnte er so die Teilnahme an der Niedersachsenliga bestätigen, um dann nur einen Tag später einen herben Rückschlag zu erleben: Das Präsidium des TTVN hatte entgegen der Empfehlung des Jugendausschusses entschieden, dass der Bezirk Weser-Ems nur einen Meister und damit Aufsteiger stellen dürfe. Ein Schlag, der geschmerzt habe, erklärt Stelljes und ergänzt: „Zwei Wochen zuvor hätten wir ein Urteil in dieser Art erwartet und unseren Hut aufgrund der Umstände womöglich gar nicht in den Ring geworfen. Jetzt jedoch hatten schon so viele Leute auch über die Feiertage so viel Arbeit investiert, dass der Frust sehr groß und schwer zu verdauen war“.

Ein langes Hin und Her

Der Bezirksverband weigerte sich aber, einen Meister nach anderen als sportlichen Belangen zu benennen, also zum Beispiel durch Losentscheid, und legte Einspruch ein. „Vor allem Thomas Bienert und Dieter Jürgens haben uns unheimlich engagiert vertreten und alles offen kommuniziert“, lobt Stelljes.

Nun war das TTVN-Sportgericht gefragt. Dabei ging es vor allem um eine Definition: Laut Beschluss der TTVN sollten in allen Ligen alle Mannschaften, die in der Tabelle auf einem Relegationsplatz gestanden haben, automatisch das Aufstiegsrecht erwerben. Die Meisterrunde der drei Bezirksliga-Ersten wird aber in den Statuten nicht als Relegation bezeichnet. Wäre sie dennoch als solche zu werten? Für die Stenumer bedeutete das: abwarten. „Ich hatte mir den 26. Mai, also fünf Tage vor dem Wechseltermin, als Frist gesetzt. Wenn es bis dahin keine Entscheidung geben würde, wollte ich meinen Spielern vorschlagen, davon auszugehen, dass wir nicht aufsteigen. Dann wäre es für sie auch eine Option gewesen, eventuell noch den Verein zu wechseln. Auch wäre Alexander Schwedes dann natürlich nicht zu uns gekommen“, erklärt Stelljes.

Am 24. Mai kam dann allerdings die Nachricht, dass das TTVN zugunsten der drei Bezirksliga-Ersten entschieden hat: Stenum, der SuS Rechtsupweg und die SF Oesede dürften aufsteigen, die Niedersachsenliga wird dafür von zwölf auf 14 Mannschaften aufgestockt. Damit sind die Stenumer nun erstmals in der höchsten Spielklasse vertreten.

Der bis dato letzte Verein aus Delmenhorst-Oldenburg-Land, der dort gespielt hat, war 2011/12 der TV Hude, damals unter anderem mit Daniel Kleinert, der aktuellen Nummer 50 der deutschen Herren-Rangliste. In dieser Liga gab es auch schon Spieler wie den aktuellen Weltranglisten-Elften Dimitrij Ovtcharov, Nationalspieler Ruwen Filus, den ehemaligen Vize-Europameister der Schüler Jannik Xu, Jugend-Nationalspieler wie den Huder Sören Dreier, wie Jonah Schlie und Cedric Meissner und viele andere Hochkaräter.

Ein großer Teil der anderen Vereine kommt aus Süd-Niedersachsen. „Das beutet für uns natürlich sehr viel Aufwand. Durch die langen Auswärtsfahrten werden wir ganze Tage unterwegs sein. Wir wollen versuchen, möglichst viele Spiele als Koppelspieltage zu verabreden, möglichst auch mal mit Übernachtungen“, erklärt Stelljes. Er freue sich auf die Herausforderung. „Das werden sicherlich auch tolle Erlebnisse für die Jungs. Wir werden natürlich krasser Außenseiter sein, aber es ist für alle vier das letzte Jahr in der Jugend, und wir werden es noch mal voll auskosten, viel lernen und alles rausholen, was geht“, blickt Stelljes voraus.

Das Team und er seien froh, dass es doch noch geklappt habe und nun langsam wieder das Training beginnen könne. „Und wir hoffen, dass die neue Saison einigermaßen normal beginnen kann. Darüber, die Motivation wiederzufinden, müssen wir uns zumindest keine Gedanken machen, denn wir haben den größtmöglichen Anreiz vor uns“, betont der Jugendcoach.

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