Fußball-Kreisliga Der TSV Ganderkesee befindet sich seit einem Jahr im Umbruch und will zurück zu alter Stärke

Der TSV Ganderkesee hat schwierige Zeiten hinter sich. Nun will Abteilungsleiter Andreas Heldner nach vorne blicken und den Verein mit besonderen Maßnahmen wieder zu alter Stärke führen.
14.04.2021, 15:16
Lesedauer: 4 Min
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Von Niklas Johannson

In der Vergangenheit lieferten Duelle zwischen dem TSV Ganderkesee und dem SV Atlas Delmenhorst immer wieder besondere Geschichten. In der Saison 2013/2014 beispielsweise verloren die Ganderkeseer nach hartem Kampf vor heimischer Rekordkulisse mit 1:2 gegen die Blau-Gelben. Am Ende der Spielzeit stieg der TSV nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem SVA trotzdem in die Bezirksliga auf. Das waren noch die guten, alten Zeiten am Immerweg. Diese Erfolgsgeschichte endete jedoch zügig. 2016 stiegen die Blau-Weißen ausgerechnet auf der damaligen Meisterparty des SV Atlas wieder in die Kreisliga ab. Ein Sieg im Stadion an der Düsternortstraße hätte bei der umkämpften 2:3-Niederlage noch zum Klassenerhalt gereicht, doch trotz kurzzeitiger 2:1-Führung reichte es nicht. Von diesem Abstieg erholte sich der Verein nie so wirklich. Im Gegenteil: In der Folge lief plötzlich ganz viel falsch. Eines Tages wurde es derart kurios, dass auf mysteriöse Art und Weise 17.000 Euro aus dem Gastronomie-Bereich verschwunden waren. Kurz nach diesem Desaster existierte im Klub nicht mal mehr ein Vorstand. „Das Management war damals einfach schlecht. Es lief vieles schief“, sagt Andreas Heldner, der seit einem Jahr beim TSV als Fußball-Abteilungsleiter aktiv ist und den Klub wieder in die Spur bringt.

Nach dem Gastro-Skandal suchten viele Mitglieder das Weite. Vor allem im Jugendbereich zeigte das Missmanagement Wirkung. Sowohl die A- als auch die B-Jugendmannschaften brachen auseinander. Im Herrenbereich wechselten wichtige Stützen zu anderen Vereinen. Die bekanntesten Beispiele hießen Michael Eberle, Robin Ramke, Felix Dittrich sowie die Schrank-Brüder Jannik und Marko. Sie alle versuchten, woanders ihr sportliches Glück zu finden. Der Verein lag mehr oder weniger am Boden. „Nun wollen wir aber wieder nach vorne schauen“, blickt Heldner optimistisch in die Zukunft und hat mit seinem TSV einiges vor.

Ein Ziel hat er schon erreicht. In der kommenden Saison wird nach jahrelanger Abstinenz wieder eine A-Jugendmannschaft am Spielbetrieb teilnehmen. Dafür steht bereits ein Kader von 16 Spielern bereit, zwölf Akteure kommen aus der eigenen B-Jugend hoch. Als Cheftrainer soll Stefan Rohde – der in der Region schon viel gesehen hat und unter anderem beim TV Jahn Delmenhorst, SC Colnrade, Delmenhorster TB und bei der SG DHI Harpstedt gearbeitet hat – an der Seitenlinie stehen. Co-Trainer wird Emre Somuncu. Im Hinblick auf die kurzfristigen Ziele der A-Junioren hält sich Heldner bedeckt. „Wir sind vor allem froh, dass wir endlich wieder eine A-Jugend haben. Die Mannschaft soll sich erst einmal finden, auch weil sie zu zwei Dritteln aus Spielern des jüngeren Jahrgangs besteht.“

TSV-Spiele live verfolgen

Um im Herrenbereich wieder an die alten Erfolge anknüpfen zu können, setzt der Verein auf eine besondere Maßnahme: Noch in diesem Monat soll eine HD-Kamera am Hauptplatz des Vereinsgeländes am Immerweg installiert werden. Über die sogenannte Soccerwatch könnten Interessierte dann TSV-Spiele der Herren-, Damen, Oldie- und A-Jugendmannschaften auf fussball.de kostenlos verfolgen. „Wir erhoffen uns dadurch, die Spieler durch Videoanalysen besser zu machen“, sagt Heldner. Für die Spielanalysen plant der Verein, im Konferenzraum einen großen TV zu installieren. „Damit wären wir im Landkreis der Vorreiter. Und ich denke, dass andere Vereine mitziehen werden“, glaubt Heldner. Finanziert wird die HD-Kamera durch den Förderverein TSV Ganderkesee, der in den vergangenen Jahren ebenfalls „im Dornröschenschlaf“ gewesen sei, wie Heldner sagt. Nun soll der Förderverein um den Vorsitzenden Rainer Lange aber wieder von allen Abteilungen mehr genutzt werden.

Durch Soccerwatch verspricht sich der Verein außerdem bessere Karten bei der Sponsorensuche. „Das gesamte Spielfeld wird zu 100 Prozent mit Fokus auf den Ball gezeigt, sodass die Bandenwerbung immer im Bild zu sehen sein wird“, betont Heldner, der voraussichtlich im kommenden Jahr mit drei weiteren C-Lizenz-Trainern auch noch versuchen wird, eine Torwartschule beim TSV aufzubauen.

Es bewegt sich also einiges beim TSV Ganderkesee. Auch auf dem Trainerposten der ersten Herrenmannschaft wird es zur neuen Saison Veränderungen geben. Trainer Stephan Schüttel wird den Verein aufgrund von persönlichen Gründen nicht mehr als Coach zur Verfügung stehen. Sein Nachfolger steht bereits fest. Nach intensiven Überlegungen hat man sich für eine interne Lösung entschieden. Demnach wird der ehemalige Co-Trainer Timo Obal der neue Chef beim Fußball-Kreisligisten. „Timo stand immer im Schatten von Stephan, hat dabei aber sehr gute Arbeit geleistet. Wir freuen uns, dass er uns zügig grünes Licht gegeben hat“, sagt Heldner.

Um Obal einen guten Kader zur Verfügung zu stellen, sei der Klub noch auf der Suche nach Verstärkungen für die erste Mannschaft. „Wir sind erst einmal froh, dass bis auf zwei Spieler, die berufsbedingt nicht mehr dabei sein können, alle anderen ihre Zusage gegeben haben. Der Kader ist gut aufgestellt, wir würden uns aber freuen, wenn noch der eine oder andere junge Spieler zu uns kommen würde“, hofft Heldner, der den Verein in Zukunft insgesamt auch wieder leistungsorientierter aufstellen möchte. „Trotzdem möchte ich betonen, dass der Breitensport weiter im Vordergrund steht.“ Dennoch hofft Heldner darauf, dass die erste Herrenmannschaft möglichst zeitnah wieder oben angreifen kann, um an die guten alten Zeiten anzuknüpfen.

Info

Zur Sache

Kaum Mitgliederschwund

Durch die Corona-Pandemie hat der TSV Ganderkesee nur einen ganz geringen Anteil an Mitgliedern verloren. „Wir hatten nur wenige Austritte im unteren Jugendbereich“, sagt Hedner und ergänzt: „Wir hoffen, dass die Zahlen nach Corona wieder steigen.“ Derzeit treten beim TSV 450 Fußballer gegen den Ball. Es existieren drei Herren-, eine Damen- und zwei Oldie-Mannschaften sowie ab kommender Saison auch wieder ein A-Jugendteam. Dazu kommen mehrere Mannschaften im Jugendbereich.

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