Bürgermeisterwahl in Ganderkesee Es kann nur (H)einen geben

Udo Heinen ist Grüner, doch als Bürgermeisterkandidat in Ganderkesee genießt er auch die Unterstützung der SPD. Bei der Entwicklung der Verwaltung und der Baulandpolitik hat er bereits klare Vorstellungen.
06.11.2020, 14:23
Lesedauer: 3 Min
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Es kann nur (H)einen geben
Von Jochen Brünner

„Wenn dieses Schild hier in einem Jahr noch steht, dann ist etwas schiefgelaufen“, sagt Udo Heinen. Der gemeinsame Bürgermeisterkandidat von SPD und Grünen steht unter dem Tempo-50-Schild am Trendelbuscher Weg in Schierbrok. Seit vielen Jahren gibt es politische Bestrebungen, den gesamten Straßenverlauf als Tempo-30-Zone auszuweisen. Bislang vergeblich. Für Heinen ist es jedoch völlig unverständlich, warum auf einem begrenzten Abschnitt hinter der Grundschule noch eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern gilt. „Wir brauchen klare, nachvollziehbare Regelungen, auch im Straßenverkehr“, fordert der 57-Jährige. Auch auf der Lindenstraße oder der Mühlenstraße im Ortskern würde er den Verkehr gerne beruhigen und dort höchstens Tempo 30 erlauben. „Das erhöht die Lebensqualität enorm.“

Heinens politische Heimat sind die Grünen: Seit 2016 ist er Mitglied im Ortsverband Ganderkesee, Anfang 2019 übernahm er von Werner Köhler dessen Vorsitz. Ganz besonders freut er sich bei seiner Kandidatur aber über die breite Unterstützung der SPD. „Das hat mich in dieser Deutlichkeit überrascht, das war nicht selbstverständlich“, berichtet er von einer nahezu geschlossenen Rückendeckung der SPD-Mitglieder. Doch nachdem die Sozialdemokraten seit Anfang des Jahres mehrere infrage kommende Kandidaten sondiert hatten, war auch für sie irgendwann klar: Es kann nur (H)einen geben. „Als Bürgermeister muss ich mich auf stabile Mehrheiten verlassen können“, erklärt der Verwaltungsjurist, der seit 23 Jahren beim Oberkirchenrat der evangelischen Kirche in Oldenburg tätig ist und fast genauso lange mit seiner Familie in Ganderkesee lebt. „Und da reichen die Grünen alleine nicht, selbst wenn wir bei der Kommunalwahl mehr als 20 Prozent holen.“

Als ein zentrales Projekt seines Wahlkampfs will Heinen den Schulterschluss mit Ehrenamtlichen suchen. Unter dem Motto „Lad' den Heinen ein“ will er etwa mit Vereinen ins Gespräch kommen und über deren Sorgen und Nöte sprechen. In diesem Zusammenhang fordert er auch, die Koordinierungsstelle für das Ehrenamt unbedingt zu erhalten: „Die Flüchtlingskrise hat gezeigt, wie viele Menschen in Ganderkesee bereit sind, sich unentgeltlich zu engagieren. Und dieses Potenzial braucht einen festen Ansprechpartner.“

Apropos Verwaltung: Heinens Ziel ist nicht weniger als ein „perfektes Rathaus“, in dem engagierte Mitarbeiter transparente und vernünftig begründete Entscheidungen treffen. So würde die Verwaltung mit ihm als Bürgermeister etwa Sitzungsvorlagen deutlich früher veröffentlichen, als dies bislang der Fall ist, und nicht erst 48 Stunden vor dem entsprechenden Termin. Eine Forderung, die die SPD-Fraktion in der Vergangenheit nicht nur regelmäßig, sondern auch regelmäßig vergeblich gestellt hat.

Als Konsequenz aus der Corona-Krise rechnet Heinen auch in der Gemeinde Ganderkesee mit massiven finanziellen Einbußen. Gleichwohl dürfe es nicht das Ziel sein, „jetzt panikartig alles zusammenzusparen“, sondern die Gemeinde solle ihren Mut zu Investitionen auch in Zukunft bewahren. Allerdings mit einem sorgfältigeren Controlling: „Die Kostenüberschreitungen, etwa beim Freibad, haben mich maßlos geärgert“, sagt er, und auch bei der Sanierung des Hallenbades befürchtet er eine ähnliche Entwicklung.

Waren insbesondere die Grünen im Ganderkeseer Gemeinderat bei der Ausweisung von Baugebieten zuletzt sehr zurückhaltend, weiß Heinen, dass insbesondere der SPD auch das Thema „Bezahlbarer Wohnraum“ sehr am Herzen liegt. Allerdings möchte er die konkrete Ausgestaltung von Baugebieten ungern Bauträgern überlassen, sondern diese vermehrt in der Planungsabteilung des Rathauses ansiedeln. „Keine scheibchenweise Bebauung, sondern überlegte Nachverdichtung“, beschreibt er das Credo seiner Gemeindeentwicklungspolitik. „Da darf man auch mal darüber nachdenken, ob man etwa einen Verbrauchermarkt mit Wohnraum aufstockt.“ Weiter denkt er an generationenübergreifende Wohnprojekte, an genossenschaftliches Bauen oder an das Instrument des Erbbaurechts, um auch jungen Familien Möglichkeiten zu eröffnen.

Für seine eigene Partei ruft Heinen für die Gemeinderatswahl im September 2021 übrigens das Ziel aus, die Zahl der Ratsmandate von aktuell vier auf acht zu verdoppeln. „In diesem Jahr ist eine ganze Reihe von interessanten Leuten hinzugekommen“, berichtet der Ortsverbandsvorsitzende von wachsenden Mitgliederzahlen, sodass auch genügend Personal für die Listen zur Verfügung stehen würde.

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