Faschingsumzug in Ganderkesee

Umzugsgruppen müssen Eintritt zahlen

Die Teilnehmer des Ganderkeseer Faschingsumzugs müssen in diesem Jahr erstmals drei Euro Eintritt für die Veranstaltung zahlen. Die GGV will damit erstens sparen und zweitens Missbrauch eindämmen.
29.01.2019, 22:00
Lesedauer: 3 Min
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Umzugsgruppen müssen Eintritt zahlen
Von Jochen Brünner
Umzugsgruppen müssen Eintritt zahlen

Beim Bau eines großen Festwagens kommen schnell Kosten in Höhe von 5000 bis 10 000 Euro zusammen. Da kommt es bei den Aktiven nicht so gut an, dass sie nun auch noch Eintritt für den Faschingsumzug bezahlen sollen. Andererseits will die GGV damit den Missbrauch der kostenlosen Einlassbändchen unterbinden.

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Im Bestreben, die Finanzen für den Ganderkeseer Fasching im Griff zu behalten, haben die Verantwortlichen der Gemeinschaft Ganderkeseer Vereine nun zu einer Maßnahme gegriffen, die zumindest bei einem Großteil der Umzugsgruppen nicht so gut angekommen ist: Alle Teilnehmer, die im Faschingsumzug mitlaufen oder -fahren, müssen in diesem Jahr erstmals ebenfalls Eintritt zahlen – und zwar drei Euro (statt fünf Euro für die Besucher). Wer hinterher auch im Festzelt feiern will, zahlt acht Euro (statt zwölf Euro regulär).

„Wir müssen einfach sparen, wo es geht, weil uns etwa die Kosten für die Reinigung und das Sicherheitspersonal sonst davonlaufen“, erklärt GGV-Sprecher Timo Vetter. Und an dieser Stelle tue es vergleichsweise wenig weh. „Wir machen das vor allem auch deshalb, weil in der Vergangenheit mit den kostenlosen Einlassbändern viel Schindluder getrieben worden ist“, sagt Vetter. So hätten die Gruppen durch die Bank mehr Bändchen geordert, als sie Teilnehmer gehabt hätten. Bislang sei das auch kaum kontrolliert worden.

GGV-Präsident Uwe Meyer verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass die GGV die Straßenreinigung nach dem Umzug komplett selbst zahlen müsse und keine Unterstützung durch die Gemeinde erfahre. In Damme etwa teilen sich der dortige Karnevalsverein und die Kommune zumindest die Kosten von mehreren zehntausend Euro.

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Bei einer Versammlung Ende des vergangenen Jahres haben die GGV-Verantwortlichen den Gruppen die Botschaft überbracht. „Außer bei einer Gruppe ist das bei den Beteiligten nicht so gut angekommen“, berichtet Carsten Minuth, Ehrenpräsident des Hausmänner-Stammtischs. Auf der anderen Seite ist nämlich zu bedenken, dass gerade die Gruppen mit den großen Festwagen je nach Aufwand und Ausstattung zwischen 5000 und 10 000 Euro für Kostümschneiderei und Wagenbau aufbringen – ohne die anfallende Arbeitszeit, versteht sich. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Mitglieder der jeweiligen Gruppen in der Regel ohnehin schon zwischen 70 und 100 Euro pro Person bezahlen, um beim Umzug um den Ring mitzulaufen. Bei einer vierköpfigen Familie kommen da schnell 200 bis 300 Euro zusammen. Da mögen drei Euro zusätzlich pro Person zwar kaum ins Gewicht fallen: Das Signal aber, von den Gruppen Eintritt für eine Veranstaltung zu verlangen, die ohne sie nicht stattfinden würde, ist zumindest heikel.

Familien besonders betroffen

„Diese Maßnahme trifft genau die Falschen, nämlich in erster Linie Familien mit Kindern, die zwar am Umzug teilnehmen, aber am Abend nicht unbedingt mehr ins Zelt gehen“, kritisiert etwa Tina Behrens von den „Spätzündern“, die sich immer mit aufwendigen Mottowagen am Umzug beteiligen. So hätten unter anderem die Kostensteigerungen dazu geführt, dass die „Spätzünder“ in diesem Jahr nur mit etwa 30 Aktiven am Umzug teilnehmen. Tina Behrens hätte es besser gefunden, wenn die GGV die Zusatzabgabe zumindest anders verpackt hätte. „Man könnte etwa von jedem Umzugsteilnehmer zwei Euro Müll-Umlage einsammeln – dann wären aber alle gleichermaßen davon betroffen“, erklärt sie. So findet sie die Entscheidung „einigermaßen unüberlegt“.

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Viele andere Faschingsbegeisterte sind aber bereit, die neue Regelung – wenn auch zähneknirschend – hinzunehmen und sich in ihr Schicksal zu fügen. „Wir akzeptieren das, weil wir alle Bock auf Fasching haben. Bei uns nehmen sowieso die meisten gleich das Band für acht Euro, mit dem man dann abends auch ins Festzelt kommt“, sagt Tammo Gramberg, Kassenwart der Landjugend Sandersfeld und seit vielen Jahren beim Fasching dabei. Und dass der Umzug über dieses Thema in Gefahr gerate, sei keine Alternative. „Zum Glück sind wir nicht darauf angewiesen, den Fasching immer mit einer 'schwarzen Null' abzuschließen, weil wir ein leichtes Minus über das Jahr mit anderen Veranstaltungen kompensieren können“, erklärt Gramberg. Aber bei vielen anderen Gruppen sei das eben nicht der Fall, und er kenne Kollegen, die bereits angekündigt hätten, nur noch mit der halben Mannschaftsstärke zum Umzug zu kommen. „Wir gehen sogar davon aus, dass die Teilnahme künftig eher noch teurer werden wird“, sagt Carsten Minuth.

Timo Vetter, der nach eigenen Angaben in der Zwischenzeit zu diesem Thema „viele Anfragen“ bekommen hat, versichert unterdessen, dass er die Aktiven „alle besänftigen“ konnte: „Dass der Fasching sparen muss, interessiert nur wenige. Aber dass wir versuchen, den Missbrauch zu unterbinden, dafür haben alle Verständnis“, erklärt er.

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