Jahresbilanz im RUZ Hollen

Unesco würdigt RUZ für digitale Aktivität

Auch für das RUZ Hollen war es ein ungewöhnliches Jahr. Musste die Einrichtung das Programm für die Schulklassen stark reduzieren, hat sie andererseits das größte Projekt ihrer Geschichte an Land gezogen.
23.12.2020, 14:19
Lesedauer: 3 Min
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Unesco würdigt RUZ für digitale Aktivität
Von Jochen Brünner
Unesco würdigt RUZ für digitale Aktivität

Auch für Marina Becker-Kückens und Martin Brinkmann vom RUZ Hollen war es ein ungewöhnliches Jahr. Während die Einrichtung das Programm für die Schulklassen stark zurückfahren musste, hat sie andererseits mit der Insektenschutzakademie das größte Projekt in der 25-jährigen Geschichte an Land gezogen.

INGO MöLLERS

Wenn die Unesco vom 19. bis 21. Mai 2021 in Berlin ihre Weltkonferenz zum Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) veranstaltet, dann wird auch das Regionale Umweltzentrum Hollen dort vertreten sein. Im Herbst drehte ein Team der Unesco in Hollen einen etwa zehnminütigen Film, der das RUZ als Best-Practice-Beispiel im Bereich der Digitalisierung vorstellt. Ansonsten war das Jahr 2020 auch im Bereich Umweltbildung aufgrund der Corona-Pandemie deutlich reduziert: So konnten Marina Becker-Kückens und Martin Brinkmann aus dem Leitungsteam in ihrer Jahresbilanz denn auch naturgemäß erstmals seit vielen Jahren keine neuen Rekordzahlen verkünden. Statt über 900 Termine an den Standorten Hollen und Hosüne 2019 seien es in diesem Jahr nur rund 400 Besuche von Schulklassen gewesen.

Das Programm für Erwachsene habe fast komplett ausfallen müssen. „Nach den Sommerferien konnten wir mit Apfel- und Kartoffelkursen zwar noch mal richtig loslegen. Ansonsten aber haben wir viel Zeit damit verbracht, Termine zu machen – und sie dann wieder abzusagen“, schildert Becker-Kückens die Situation. Insbesondere viele Delmenhorster Schulen, die länger nach dem „Szenario B“ unterrichtet hätten, seien davon betroffen gewesen. „Wenn die Schüler keine Gruppenarbeit machen dürfen, wird das Mitmachprogramm auch schnell krampfig“, sagt die Einrichtungsleiterin. Einige Klassen aus dem Landkreis hätten auch abgesagt, weil den Verantwortlichen bereits die Busfahrt zu riskant gewesen sei.

Mit dem Film über das RUZ würdigt die Unesco vor allem die Arbeit der RUZ-Mitarbeiterinnen Claudia Kay-Rudhardt und Carolin Krallmann, die sich hauptsächlich um den Ausbau des digitalen Programms verdient gemacht haben. So habe ein Podcast zum Thema Lebensmittelverschwendung inzwischen rund 1000 Follower auf Instagram. Darüber hinaus seien aber auch Videos zu den Themen Feuer, Energie, „Vom Korn zum Brot“ sowie Stromerzeugung entstanden. Da erklärt die Erdbeere Toni etwa, warum es schade wäre, wenn sie im Müll landet, es gibt Tipps zur richtigen Lagerung von Lebensmitteln im Kühlschrank oder wie die Frage „Topf oder Tonne“ beantwortet werden kann. Unter der Rubrik „Vom Korn zum Brot“ wird nicht nur der Aufbau einer Getreidepflanze erklärt, sondern auch, wie daraus Mehl entsteht und wie das Mehl zum Bäcker gelangt. Beim Thema Energie können sich die Zuschauer den Treibhauseffekt erklären lassen oder der Kamera auf einem Rundgang durch den hauseigenen Heizungskeller folgen.

„Auch wir haben in dieser Zeit sehr viel gelernt“, sagt Martin Brinkmann, selbst begeisterter Hobbyfilmer. „Wir haben mit ganz einfachen Lehrfilmen auf Youtube angefangen, die dann im Laufe der Zeit immer aufwendiger und besser geworden sind.“ So habe das RUZ auch ins Equipment investiert und etwa eine neue Kamera und ein besseres Mikrofon angeschafft. Da die Energiesparschulungen, die sich insbesondere an Kindergartenkinder wenden, vor Ort nicht stattfinden konnten, mussten die RUZ-Verantwortlichen auch hier neue Wege gehen. Nun vermittelt Eisbär Wolfgang als Plüschpuppe in den Einrichtungen auf spielerische Weise das Bewusstsein für einen sparsamen Umgang mit Strom, Gas und Wasser.

Sämtliche Projekte liefen dagegen uneingeschränkt weiter. Und nicht nur das: Mit der Insektenschutzakademie hat das RUZ im November sogar das größte Projekt in seiner 25-jährigen Geschichte neu an Land ziehen können. Es hat ein Fördervolumen von rund 770 000 Euro und läuft über viereinhalb Jahre. Die Umgestaltung des Gartens hat bereits begonnen: So sind die Wege bereits angelegt sowie eine Trockenmauer und ein kleiner Teich errichtet. Von insgesamt 100 Gartenbesitzern, die im Zuge des Projekts zum Mitmachen begeistert werden sollen, ist etwa ein Drittel schon gefunden. „Wir können uns glücklich schätzen, dass sämtliche Fördergeldgeber bei der Stange geblieben sind. Insbesondere kleinere Umweltzentren standen bereits kurz vor der Insolvenz“, erklärt Becker-Kückens.

Weit gediehen ist auch die Renovierung des Akademiehauses, in dem zwei weitere Seminarräume, aber auch Büros sowie ein Treffpunkt für Vereine entstehen. „Es sieht schon ganz wohnlich aus, auch wenn wir noch weit entfernt von fertig sind“, sagt Becker-Kückens. Die Büros sollen im Januar bezugfertig sein, sollten ab März wieder Schulklassen kommen dürfen, können auch sie die neuen Räume nutzen. Erstmals in der Geschichte des RUZ ist die Einrichtung im Mai auch Schauplatz eines Bildungsurlaubs, den die Regio-VHS zum Thema „Gesunde Ernährung im Berufsalltag“ anbietet.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Zahl der Corona-Infektionen zurückgeht. Gleiches gilt für ein im Sommer geplantes großes Fest, für das es gleich drei Anlässe gibt: die Fertigstellung des Insektengartens, die Einweihung des Akademiehauses sowie das 25-jährige Bestehen, das 2020 aus den bekannten Gründen nicht gefeiert werden konnte.

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