Vereinigte Volksbank Steigende Zinsen erschweren Geschäft

Sascha Knaack, Jürgen Kikker und Oliver Frey, die drei Vorstände der Vereinigten Volksbank, blicken auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2021, erwarten aber, dass der Wind 2022 deutlich rauer wehen wird.
06.09.2022, 18:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Steigende Zinsen erschweren Geschäft
Von Jochen Brünner

Ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr 2021, aber deutlich größere Herausforderungen für 2022 – so lässt sich die aktuelle Situation der Vereinigten Volksbank zusammenfassen. Die Vorstände Oliver Frey, Jürgen Kikker und Sascha Knaack haben jetzt in der Veranstaltungshalle von Helmut Urban in Wüsting rund 90 Vertreter und 30 Gäste zur "ersten kuscheligen Vertreterversammlung seit zwei Jahren" begrüßt, wie es Sascha Knaack formulierte.

"2021 war die Welt noch erfolgreich", betont Kikker. "Das Eigenkapital um zehn Prozent auf 89 Millionen Euro zu steigern, war schon nicht so schlecht. Das wird 2022 auf jeden Fall schwieriger." Zuwächse habe es auch bei den Bauspardarlehen (knapp 15 Prozent), bei den Darlehen der R+V-Versicherung (fast 40 Prozent) sowie bei den Fremdfonds (19 Prozent) gegeben. "Sind wir 2020 noch stärker in den eigenen Büchern gewachsen, so konnten wir 2021 ein stärkeres Wachstum im Verbund verzeichnen", erläutert Knaack. Unter dem Strich erwirtschaftete die Vereinigte Volksbank 2021 einen Jahresüberschuss in Höhe von 1,5 Millionen Euro.

Doch bereits im ersten Halbjahr 2022 haben die Verantwortlichen festgestellt, dass der Wind rauer weht. So sei das Kundenwertvolumen in diesem Zeitraum über alle Segmente nur noch um 1,5 Prozent gestiegen. Verantwortlich dafür machen Frey, Kikker und Knaack die schnell steigenden Zinsen, die die Kreditwirtschaft zurzeit vor große Herausforderungen stellen würden. "Seit Dezember hat sich das Zinsniveau fast verdreifacht. Das hat dazu geführt, dass die Wohnungsbaufinanzierung für Neubauten fast zum Erliegen gekommen ist", beschreibt Kikker die Entwicklung. In diesem Zusammenhang sagt er auch für Gebrauchtimmobilien sinkende Preise vorher: "Im Augenblick haben wir die Situation, dass die Vorstellungen der Verkäufer noch auf dem alten Niveau sind, immer weniger Käufer aber bereit oder in der Lage sind, die aufgerufenen Preise zu zahlen." Gleichwohl hat er nicht die Befürchtung, "dass die Blase platzt. Aber der Ballon wird ein wenig an Luft verlieren", erwartet er.

Auch wenn die drei Banker prognostizieren, dass sich der Bauboom, der aus ihrer Sicht "ohnehin nicht gesund" gewesen sei, ein bisschen abschwächen werde, sehen sie das regionale Handwerk nicht akut bedroht. "Die Vorläufe bei den Betrieben sind vielleicht nicht mehr ganz so hoch. Und ein Elektrobetrieb, der Fotovoltaikanlagen bislang nur vermittelt hat, denkt vielleicht jetzt darüber nach, diese künftig selbst zu vermarkten", sieht Frey hier durchaus Anpassungspotenzial.

Auch die Inflation sowie die stark gestiegenen Energiepreise würden sich belastend auf das Geschäft auswirken. Wobei sich Oliver Frey keinen Illusionen hingibt: "Wir werden nie auf die alten Energiepreise zurückkommen", sagt er. Auch ein "negatives Wirtschaftswachstum", also eine Rezession schließen die drei Volksbank-Vorstände in naher Zukunft nicht aus. Zwar könne eine Regionalbank wie die Vereinigte Volksbank den Zinsmarkt nicht beeinflussen. Gleichwohl habe man auf der Vertreterversammlung auch deutliche Kritik an der Europäischen Zentralbank geübt. "Schon die künstlich niedrig gehaltenen Zinsen waren kein adäquates Steuerungsinstrument, und dann hat die EZB viel zu spät auf die aktuelle Entwicklung reagiert", betont Frey. Auch der Fachkräftemangel sei inzwischen im Bankensektor angekommen. Insbesondere in den Bereichen Controlling und IT werde es schwieriger, qualifizierte Mitarbeiter zu finden.

Die Zahl der Genossenschaftsmitglieder ist mit 13.670 weitgehend stabil geblieben. Mit der Eröffnung der neuen Geschäftsstelle in Ganderkesee im März hat die Vereinigte Volksbank darüber hinaus ihre Stellung als Regionalbank gefestigt. Auch der Neubau der Geschäftsstelle in Adelheide komme gut voran: Die neue Filiale soll noch in diesem Jahr fertiggestellt und voraussichtlich Anfang 2023 eröffnet werden. Sie ersetzt die Geschäftsstellen an der Langen Straße in Delmenhorst sowie im Inkoop-Markt in Adelheide, die im Gegenzug geschlossen werden. Das veränderte Kundenverhalten führe dazu, dass die Vereinigte Volksbank einige Geldautomaten – etwa im Famila-Markt in Ganderkesee – abbauen werde. Weil das bargeldlose Bezahlen immer weiter auf dem Vormarsch sei, seien die Verfügungen bei manchen Automaten um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen, berichten die drei Banker.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Zur Newsletter-Übersicht