E-Football

VfL Wildeshausen gewinnt E-Football-Premiere

28 Teams der hiesigen Vereine haben an der ersten Kreismeisterschaft im E-Football teilgenommen. Am Ende setzten sich Ole Lehmkuhl und Nils Schlüter durch.
16.12.2019, 13:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Ralf Kilian
VfL Wildeshausen gewinnt E-Football-Premiere

Der Niedersächsische Fußballverband baute für die E-Football-Kreismeisterschaft acht Playstations und 16 Bildschirme im Vereinsheim des TV Falkenburg auf. 28 Teams aus der Region nahmen teil.

INGO MöLLERS

Wenn der TV Falkenburg den FC Hude mit 9:0 auseinandernimmt, wenn die SG Bookhorn dem SV Atlas Delmenhorst ein 6:1 einschenkt und wenn die Sportfreunde aus Wüsting Stammgäste bei den Landesmeisterschaften sind, dann merkt der Experte schnell, dass es sich nicht um herkömmlichen Fußball auf grünem Rasen handelt. Die Rede ist vom E-Football, also Fußball auf der Spielkonsole. Kürzlich standen im Vereinsheim des TV Falkenburg die ersten Kreismeisterschaften auf dem Programm. Und aufgrund der angenehmen Atmosphäre und der professionellen Durchführung kann man dieses Pilotprojekt nur als vollen Erfolg bezeichnen.

Für die Landesmeisterschaften qualifizierten sich die ersten drei der 28 teilnehmenden Mannschaften. Der VfL Wildeshausen mit Ole Lehmkuhl und Nils Schlüter setzte sich im Finale mit 3:0 gegen die Wüstinger Louis Langkrär und Finn Littelmann durch. Im Spiel um Platz drei behauptete sich VfL Stenum II mit Mike-Oliver Hartwig und Franko Hische durch ein 3:1 gegen den TV Jahn Delmenhorst II mit René Rohaczynski und Yannik Kühnel. Im Halbfinale hatten sich Wildeshausen gegen Jahn und Wüsting gegen Stenum jeweils mit 2:1 durchgesetzt.

Landesfinale vor 1000 Zuschauern?

Bereits im Januar 2019 hatte der Niedersächsische Fußball-Verband ein Turnier auf freiwilliger Basis durchgeführt. Am 19. Januar 2020 werden in der Swiss-Life-Arena in Hannover die ersten offiziellen E-Football-Landestitelkämpfe ausgetragen. Dafür hat der NFV ein Projektteam mit sieben Angestellten gebildet, die mit zwei Bullis durch die Fußballkreise touren und die jeweiligen Kreismeisterschaften begleiten. In Falkenburg hatten Ronja Oltrogge und Julian Schüffler die Federführung. Im Gepäck befanden sich acht Spielkonsolen, 16 Monitore für die Spiele und mittlerweile viel Erfahrung. „Das ist heute Turnier Nummer 28 von 32“, berichtete Oltrogge, „Seit Oktober sind wir jedes Wochenende und teilweise auch in der Woche unterwegs.“

Falkenburgs Fußball-Obmann Marten Meyerholz war sehr angetan. „Wir brauchten gar nichts machen, das Team vom NFV hat alles in eineinhalb Stunden aufgebaut. Super professionell“, lobte er. So durfte Meyerholz entspannt zuschauen, Oltrogge freut sich derweil schon auf die Landestitelkämpfe. „Dort werden 96 Teams an den Start gehen, jeweils die ersten drei der 32 Kreise. In die Arena passen 2200 Zuschauer. Wir hoffen auf 1000 Fans, das wäre Rekord für ein Playstation-Turnier“, blickte sie voraus. Der Landesmeister gewinnt ein Trainingslager in Barsinghausen für seinen Verein.

In Falkenburg gab es für die Gewinner etwas andere Trophäen. Statt herkömmlicher Pokale hatte Kreis-Fußballobmann Thomas Luthardt silberne Controller auf einem kleinen Podest organisiert. Zum Turnier waren die meisten Akteure mit eigenem Controller angereist. „Fast jeder hatte seinen eigenen Turnbeutel mit Equipment dabei“, berichtete Meyerholz. Ansonsten war die Herangehensweise unterschiedlich. Bei Rot-Weiß Hürriyet machte sich Ibo Ekici die Regelung zunutze, dass nur ein Spieler Vereinsmitglied sein muss: „Ich habe im Verein herumgefragt und niemanden gefunden. Deshalb habe ich meinen Kollegen mitgebracht, der ergänzt mich und spielt vermutlich etwas besser als ich.“ Mit Partner Emre Yar reichte es zum Viertelfinale, dort kam das 0:3-Aus gegen Wüsting.

Beim TV Jahn hatten Marcel Maus und Sean Gradtke die vereinsinterne Qualifikation gewonnen. „Wir haben schon einige Stunden zusammen trainiert“, erzählte Gradtke. Doch um zu gewinnen, darf man sich nicht solche Fans mitnehmen wie die beiden Jahner: Das Duo Rene Rohaczynski/Yannik Kühnel war gar nicht als Mitspieler vorgesehen. Weil jedoch ein Verein kurzfristig abgesprungen war, sprangen die beiden als Jahn II ein – und schmissen im Viertelfinale Jahn I mit 5:3 aus dem Turnier. Noch eingespielter waren Falkenburgs Florian Erhorn und Dominique Streif. „Wir spielen schon seit Jahren zusammen, quasi seit FIFA 98. Beim Vereinsturnier sind wir immerhin ins Halbfinale gekommen, doch dann hatten wir gegen zwei 18-Jährige keine Chance“, sagte Erhorn. Auch diesmal lief der Start super, im Achtelfinale setzte Wildeshausen mit 4:2 das Stopp-Schild.

Gute Stimmung beim Zocken

Der Finalsieg von Lehmkuhl und Schlüter fiel mit 3:0 gegen Wüsting deutlich aus. Die unterlegenen Langkrär und Littelmann galten lange Zeit als Turnierfavoriten. Und zwar wegen ihrer Erfahrung aus dem Vorjahr. „Das war ein tolles Erlebnis“, berichtete das Duo der Sportfreunde Wüsting von den letzten Landes-Titelkämpfen. „Aber wir arbeiten beide auch schon“, wehrte Langkrär Fragen ab, ob sie den elektronischen Fußball professionell betreiben. Trotzdem deutlich professioneller als Tur Abdins Teammanager Isa Tezel, der mit Aho Hanno zusammen in der Vorrunde hängen blieb. „Wir beide sind eher die alte Schule. Im Grunde sind wir bei FIFA 11 stehengeblieben“, sagte Tezel. Für den SV Atlas traten Dario Tüting und Bülent Büyükbayram in Trainingsanzügen mit der Aufschrift „SV Atlas E-Football“ an. Das war sehr schick, sportlich gab es allerdings drei Klatschen mit 1:16 Toren.

Aber das war Nebensache. Im Grunde ging es gar nicht so sehr um die Gewinner, sondern um das positive Miteinander der Teilnehmer. Man kam ins Gespräch, wie es laut Organisatorin Oltrogge bei den vorhergehenden Turnieren auch schon Standard war. Nirgendwo gab es tieffliegende Controller oder Tritte gegen die Playstation. Hudes Trainer Lars Möhlenbrock trank nach der 0:9-Abfuhr gegen Falkenburg („unsere Passquote lag bei 40 Prozent, das war unterirdisch“) erst mal gemütlich ein Bier mit seinem Co Sascha Stolze. Seine Ansichten zum elektronischen Sport könnten beispielgebend sein: „Die Vereine sollten sich der Entwicklung nicht verschließen und auch E-Sports anbieten, sofern das möglich ist. Richtiger Fußball und Fußball auf der Playstation schließen sich ja nicht gegenseitig aus. Mein Sohn macht auch oft zwei oder drei Spiele an der Konsole und geht dann raus, um richtig zu kicken. Außerdem können die Vereine auf diese Weise ihrem Mitgliederschwund entgegenwirken.“

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