Dritte Generation am Flugplatz Ganderkesee

Von Fitness zum Flugplatz

Eigentlich war Kevin Sauer, Sohn von Flughafenchef Ralf Sauer, in der Fitnessbranche tätig. Seit Kurzem kümmert sich der 29-Jährige am Ganderkeseer Airfield um das Personal und Produktmanagement.
14.06.2021, 15:10
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Von Alexandra Wolff
Von Fitness zum Flugplatz

Kevin Sauer (rechts), Sohn von Flugplatzchef Ralf Sauer (links), denkt unter anderem darüber nach, auf dem Gelände Container als Wohnungen für Monteure aufzustellen.

INGO MöLLERS

„Mein Sohn lässt sich so schnell nicht unterkriegen“, sagt Ralf Sauer über seinen Sohn Kevin. Als bei seinem Ältesten wegen Corona die Kurzarbeit eingeführt wurde, fragte er ihn kurzerhand, ob er nicht bei ihm in Ganderkesee arbeiten wolle. Und der Sohn des Flugplatz-Geschäftsführers wollte. Seit drei Monaten ist der 29-Jährige inzwischen am Flugplatz angestellt und für Personal und Projektmanagement zuständig.

Vorher war Kevin Sauer als Master-Trainer für die Traineraus- und -weiterbildung im Großraum Nürnberg zuständig. Der gebürtige Bamberger hat für den Flugplatz aber weder seinen Beruf und erst recht nicht seine Sportleidenschaft an den Nagel gehängt. „Ich kann mir vorstellen, eines Tages wieder in meinen erlernten Beruf einzusteigen. Schließlich wohnt ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Momentan trainiere ich halt outdoor. Mein Vater und ich haben uns aber auch schon eine Trainingsecke eingerichtet. Vielleicht wird es eines Tages sogar ein richtiges Fitnessstudio am Airfield geben“, visioniert Kevin Sauer.

Er hat aber noch weitere Pläne – schließlich will er erst einmal am Flugplatz bleiben. So könnte er sich vorstellen, dass auf dem Gelände Containerhäuser mit Montagewohnungen aufgebaut werden. Die Monteure, die hin und wieder am Flugplatz arbeiten, sollen in Containern wohnen? Das sei attraktiver als es sich zunächst anhört, beteuert Kevin Sauer: „Das sind alte Container, die zu Wohnraum aufgewertet werden. Dahinter stecken tolle Konzepte.“ Dass das kein Lippenbekenntnis ist, wird spätestens dann deutlich, als klar ist, dass da auch ein wenig Eigennutz hinter der Ideen mit den Wohncontainern steckt. Denn Kevin Sauer möchte dann auch selbst darin wohnen. „Momentan ist er im Hotel untergebracht“, erklärt sein Vater.

Auch der gebürtige Delmenhorster wohnt entweder bei seinen Eltern in der Stadt mit Graft oder im Airfield-Hotel. Denn eigentlich lebt er im fränkischen Neunkirchen am Brand, wo seine Eltern 1965 die Neunkirchener Achsenfabrik und wo Ralf Sauer seit 1985 als Entwicklungsingenieur und später sogar im Vorstand arbeitete. Im Jahr 1969/1970 gründete dann sein Vater Jochen Weyhausen-Sauer den Flugplatz in Ganderkesee. Als Adoptivkind von Helmut Weyhausen hatte er sowohl im Norden als auch im Süden Deutschlands eine Heimat. Und da der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, ist es so wohl auch für seinen Sohn Ralf und seinen Enkel Kevin.

Ralf Sauer fühlt sich aber nicht nur in Neunkirchen zu Hause. „Wenn ich nach Ganderkesee fahre, ist es für mich immer so, dass ich ein Stückchen nach Hause komme“, erzählt er. Und was gefällt ihm an Ganderkesee am besten? „Na, der Flugplatz natürlich.“ Sein Sohn ist nun zwar erst seit wenigen Monaten im hohen Norden angekommen. Aber auch ihm sind die „atemberaubenden Sonnenuntergänge“ am Flugplatz besonders ans Herz gewachsen. „Da Neunkirchen in seinem Umkreis auch den größten Faschingsumzug hat, hätte ich auch gerne mal den Faschingsumzug hier erlebt“, erzählt Kevin Sauer. „Leider ist mir das wegen Corona bislang verwehrt geblieben.“

Aber – wie gesagt – Kevin Sauer lässt sich so schnell nicht unterkriegen, weder in der Hoffnung, eines Tages doch noch den Faschingsumzug in Ganderkesee zu sehen, noch in weit existenzielleren Fragen. „Als wir Kevin auf das Gymnasium gaben, hatte er zunächst recht schlechte Noten. Und meine Frau fragte sich, ob er überfordert sein könnte“, plaudert der 60-Jährige aus dem Nähkästchen. „Aber Kevin meinte nur: ‚Och, zusammengerechnet wird am Ende!‘“ Herausgekommen sei ein solides Abitur. „Und ich habe ein bayerisches Abi, da kann man noch mal einen halben Punkt draufrechnen“, betont der Junior lachend. „Und mein Diplom zum Wirtschaftsingenieur habe ich sogar mit 1,7 abgeschlossen.“ In der Schule habe es eben Fächer wie Deutsch und andere Sprachen gegeben, die ihm nicht so lägen. Seine Stärken seien eher Mathe, das Soziale und natürlich Sport.

Sohn Kevin schätzt an seinem Vater dessen Gelassenheit. „Selbst wenn Mist passiert, ich also beispielsweise das Auto etwas angefahren habe, nimmt er das hin, ohne gleich auszurasten.“ Und? Konnte er schon ausprobieren, ob in ihm ein besserer Pilot als Autofahrer steckt? „Nein, noch nicht“, antwortet Kevin Sauer. „Aber umso mehr Zeit ich hier verbringe, desto mehr steigt das Interesse.“

Ralf Sauer hingegen ist schon mit 25 Jahren das erste Mal Fallschirm gesprungen. „Mein Vater hat damals gesagt: ‚Wie kann man freiwillig aus einem vollkommen intakten Flugzeug springen?‘“, erinnert er sich an die Reaktion des heute 85-Jährigen.

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