Geplantes Hundehospiz in Hohenböken

Würdiger Lebensabend für Vierbeiner

Rainer Broschk, Initiator des Vereins Gnadenhof, und Hundepensionswirtin Manuela Schoone wollen in einem alten Stall in Hohenböken ein Hundehospiz mit sechs bis zehn Plätzen schaffen. Der Aufwand ist gewaltig.
21.01.2019, 17:20
Lesedauer: 4 Min
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Würdiger Lebensabend für Vierbeiner
Von Jochen Brünner
Würdiger Lebensabend für Vierbeiner

Noch sieht es schlimm aus im ehemaligen Stall an der Huder Straße in Hohenböken. Hier möchte Rainer Broschk vom Verein Gnadenhof in absehbarer Zeit ein Hundehospiz mit etwa sechs bis zehn Plätzen anbieten. Nun hofft er auf Unterstützung jeglicher Art.

Jochen Brünner

„Hier sieht's noch aus wie im Gruselkabinett“, sagt Manuela Schoone. In dem 120 Quadratmeter großen, leer stehenden Stall in ihrer Hundeschule an der Huder Straße in Hohenböken hängen nicht nur die Deckenplatten lose herab: Böden, Beleuchtung, eine größere Eingangspforte – der Renovierungsbedarf ist beinahe unüberschaubar. Trotzdem würde Rainer Broschk, Initiator des Vereins Gnadenhof, hier jeweils sechs bis zehn alten Hunden gern einen würdigen Lebensabend ermöglichen. Eine Art Hundehospiz also. Und Vereinsmitglied Manuela Schoone wäre bereit, den Raum kostenlos für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen.

Trotzdem ist der Aufwand, das Projekt zu realisieren, alles andere als gering, Auf etwa 20 000 bis 25 000 Euro schätzen die beiden den Investitionsbedarf. Abgesehen von den ganzen administrativen Dingen, die zu regeln wären. Denn natürlich müssten sowohl die Baugenehmigungsbehörden als auch das Veterinäramt beteiligt werden. Gefragt ist aber nicht nur Bargeld, auch über Arbeitskraft und Materialspenden würden sich Broschk und Schoone freuen. „Vielleicht nehmen sich ja ein paar Firmen der Sache an“, hofft die Hundetrainerin.

Broschk will sich derweil um prominente TV-Unterstützung kümmern und denkt ganz konkret an die „Harten Hunde“ von Vox-Tierschützer Ralf Seeger und seiner Truppe. Zweimal sei der Sender bereits auf ihn zu gekommen, doch zu diesem Zeitpunkt seien die Hospizpläne noch nicht spruchreif gewesen. Sollte es beim dritten Mal klappen, würde das Vorhaben einen großen Schub bekommen, ist er überzeugt.

Im Jahr 2001 hat Broschk den Verein Gnadenhof gegründet. Viele Jahre lang betrieb er eine eigene Station in dem Waldstück Havekoster Sand. Und wenn Not am Hund war, dann übernachtete er auch schon mal bei den Vierbeinern. Mehr als 300 Hunde hat er nach eigenen Angaben in dieser Zeit vermittelt. „Eigentlich waren es sogar mehr. Denn viele Halter brauchten einfach nur mal einen Denkanstoß und haben sich dann doch entschlossen, die Tiere selbst weiter zu pflegen“, erzählt er. Vor einigen Jahren hat er das Grundstück jedoch verkauft, und seitdem liegt der Gnadenhof faktisch brach.

Zwar ist der 66-Jährige nach wie vor bestrebt, für die Tiere, die ihm angetragen werden, private Pflegeplätze zu finden. Doch das ist ein schwieriges Unterfangen. „Wer schon einmal einen Hund verloren hat, möchte das ungern immer wieder erleben“, sagt Broschk. Denn wie lange die alten Tiere noch leben, weiß niemand. Gerne hätte er sich etwa um zwei „Beißhunde“ aus der Nähe von Schortens gekümmert. „Aber gegenwärtig habe ich einfach keine Möglichkeit, sie unterzubringen“, sagt er. Anfragen gebe es aus ganz Deutschland, wobei Manuela Schoone dafür plädiert, die Arbeit des Hundehospizes auf die Region zu beschränken. „Denn der Bedarf ist auch in der näheren Umgebung gegeben“, ist sie überzeugt.

Schoone erzählt von einem Hund, den sie im August in ihrer Hundepension aufgenommen hatte. Kurz darauf sei jedoch dessen Herrchen verstorben. Und da von der Familie niemand Interesse hatte, sich um das Tier zu kümmern, blieb sie erst einmal darauf sitzen. Auch eine Kundin der Hundepension, die unlängst einen Schlaganfall erlitten hat, sorge sich darum, was passiert, wenn das Tier sie überleben sollte. „Und die Dame möchte ausdrücklich nicht, dass der Hund weiter vermittelt wird, denn sie weiß, dass er bei uns gut aufgehoben wäre“, sagt Manuela Schoone. Dem pflichtet auch Rainer Broschk bei: „Alte Hunde sind keine Wanderpokale, die von einer Hand in die nächste gegeben werden können.“

Das Hundehospiz versteht sich ausdrücklich nicht als Konkurrenz für das bestehende Tierheim. „Das ist ein völlig anderes Metier“, sagen Broschk und Schoone. Die Betreuungsgebühr solle einmalig 500 Euro kosten. „Das ist nicht viel, denn wenn die Hunde krank werden und Tierarzt-Rechnungen bezahlt werden müssen, ist diese Summe schnell beisammen“, erklärt die Hundepensionswirtin. „Und wer möchte, darf natürlich auch gerne mehr geben.“ Dank der Spendenbereitschaft der einschlägigen Geschäfte ist Futter dagegen kein großer Kostenfaktor. „In den 17 Jahren, in denen ich den Verein betreibe, habe ich so gut wie nie Futter kaufen müssen“, berichtet Broschk.

Künftig werde auch niemand mehr bei den Hunden übernachten müssen. Kameras und ein Babyphone sollen eine Rund-um-die Uhr-Überwachung sicherstellen. Wobei sich Broschk und Schoone einig sind, dass es der Betrieb auch erforderlich machen werde, ehrenamtliche Helfer zu engagieren. Der Verein, dem gegenwärtig etwa 20, meist passive Mitglieder angehören, müsse wieder wachsen. Schoone appelliert darüber hinaus auch an die Gemeinden, Tieren, die sich auf einem Pflegeplatz befinden, die Hundesteuer zu erlassen. Dies würden die Verwaltungen bislang unterschiedlich handhaben.

Für die Hundetrainerin, die ihre Hundeschule viele Jahre lang in Vielstedt betrieb und erst im Dezember 2017 nach Hohenböken umgezogen ist, fügt sich das Hundehospiz gut in ihre weiteren Planungen ein. Ihr schwebt nämlich vor, den Hof an der Huder Straße 42 zu einem großen Hundezentrum auszubauen. Mit Trainingsmöglichkeiten, Pension, Physiotherapeutin, (Hunde)-Frisörin und einem Café, in dem sich Herrchen und Frauchen austauschen können. Und vom Café einen Blick in den Gnadenhof werfen können. „Vielleicht hat ja dann jemand ein Herz und kümmert sich“, sagt die Unternehmerin.

Für weitere Informationen rund um das Thema Gnadenhof steht Rainer Broschk unter der Rufnummer 0 42 22 / 94 61 66 zur Verfügung.

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