Wohnraumbedarf in Ganderkesee Zwei Fragen an die Politik

Zwei Veröffentlichungen zum Wohnraumbedarf in Niedersachsen spielen der Bürgerintiative Heide-Schönemoor in die Hände. Sie hat die Zahlen für Ganderkesee heruntergebrochen und auf das Baugebiet B 252 bezogen.
10.02.2020, 21:00
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Zwei Fragen an die Politik
Von Annika Lütje

Ganderkesee. Die Bürgerinitiative Heide-Schönemoor bleibt dabei: Das in der Planung befindliche Neubaugebiet B 252 „Heide – südlich Heuweg“ ist völlig ungeeignet, um einer nachhaltigen Wohnraumentwicklung gerecht zu werden. So teilt es Sprecherin Sarah Kleesiek mit. Als Gründe für ihre Kritik nennt die Bürgerinitiative die periphere Lage des Gebiets, einen verschwenderischen Umgang mit der Ressource Boden sowie nicht vorhandene Möglichkeiten einer bedarfsgerechten Bebauung.

Als Grundlage nimmt die Bürgerinitiative die Veröffentlichungen „Wohnbauland nachhaltig entwickeln!“ der Niedersächsischen Initiative für Klimaschutz in der Siedlungsentwicklung und „Wohnungsmarktbeobachtung 2019 – Zukunftsfähige Wohnungsmärkte – Perspektiven für Niedersachsen bis 2040“ der N-Bank. Die Bürgerinitiative Heide-Schönemoor hat die Zahlen und Erkenntnisse aus beiden Veröffentlichungen auf die Gemeinde Ganderkesee heruntergebrochen und herausgefiltert, was sie für das geplante Neubaugebiet B 252 bedeuten.

Laut der Veröffentlichungen soll der Wohnungsmarkt in Niedersachsen weitestgehend angespannt bleiben: Zuwanderungen sollen in den kommenden Jahren noch für einen leichten Bevölkerungszuwachs verantwortlich sein, dann aber stagnieren, während der demografische Wandel für eine negative Tendenz sorge, weil die Menschen immer älter werden, aber weniger junge Menschen nachkommen. Demnach würden zunächst mehr kleinere, barrierefreie und günstige Wohnungen für Senioren benötigt. Doch dieser Bedarf würde nach einigen Jahren wieder sinken. Im Jahr 2025 soll der Wohnraumbedarf seinen Höchststand erreicht haben.

In Ganderkesee liege der Anstieg des Durchschnittsalters sogar noch um eineinhalb Jahre höher als im restlichen Niedersachsen. Von 2025 bis 2033 soll der Wohnraumbedarf stabil bleiben, woraufhin er dann bis 2040 in den negativen Bereich sinken und zu einem Wohnungsüberhang führen soll. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern soll der Bedarf allerdings schon ab dem Jahr 2033 im negativen Bereich liegen.

Für eine nachhaltige Wohnraumentwicklung seien laut der Veröffentlichungen vor allem drei Ziele zu verfolgen: „Fläche sparen! Bezahlbaren Wohnraum sichern! Klima- und bedarfsgerecht bauen!“, wie es Sarah Kleesiek zusammenfasst. Versiegelte Böden würden den natürlichen Lebensraum von Pflanzen und Tieren reduzieren sowie den Boden seiner Funktionen als Filterschutz des Grundwassers und als Wasserspeicher berauben. Deshalb plädiert die Bürgerinitiative Heide-Schönemoor dafür, das Bauen auf der grünen Wiese auf ein Minimum zu reduzieren und stattdessen die Innenentwicklung voranzutreiben. Zudem müsse das Thema Flächenrecycling in der gesamten Gemeinde mehr in den Fokus rücken.

Als weiteren Punkt müsse die kommunale Planungshoheit genutzt werden, um „mit der Schaffung von Baurechten die Schaffung von preisgünstigem, gebundenem Wohnraum zu verbinden“, erklärt Kleesiek. Und dies müsse in Kombination mit Klimaneutralität geschehen. Beim Bau neuer Wohnsiedlungen solle auf eine hohe Energieeffizienz und eine klimaschonende Mobilität der Einwohner geachtet werden. Darüber hinaus dürfe auch nicht vergessen werden, dass mit dem Bau neuer Siedlungen auch mehr Instandhaltungs- und Sanierungskosten auf eine Kommune zukommen. Aufgrund der Erkenntnisse aus den Veröffentlichungen möchte die Bürgerinitiative Heide-Schönemoor die Verwaltung und die Ratsmitglieder der Gemeinde mit zwei Fragen konfrontieren und bittet um Rückmeldungen: „Wollen Sie unter der Berücksichtigung dieser aktuellen Zahlen und Fakten das im Außenbereich geplante Baugebiet B 252 ‚Heide – südlich Heuweg‘ wirklich umsetzen?“, formuliert es Sarah Kleesiek. Und: „Wenn ja, wie begründen Sie Ihre Entscheidung zur aktuellen Kenntnislage?“

Die Bürgerinitiative fordert für jeden Ort der Gemeinde ein aktuelles und individuelles Ortsentwicklungskonzept durch ein Gremium, unter der Mitbestimmung der Orts- und Heimatvereine, der Bürgerinitiativen und interessierter Bürger. Zudem solle das Bauen auf eigenem Grund für die jetzigen Einwohner erleichtert werden. Dies führe zwar auch zu einer weiteren Versiegelung des Bodens, reduziere aber den Verbrauch größerer Flächen und schaffe Wohnraum. Des Weiteren würde man von der vorhandenen Infrastruktur profitieren und weitere Kosten in diesem Punkt vermeiden.

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