Landesforsten schlagen Alarm Ahlhorner Teiche extrem nitratbelastet

Messungen in den Ahlhorner Fischteichen haben ergeben, dass der Wasserstand zu niedrig und der Nitrat-Gehalt viel zu hoch ist. So würden die Teiche wie eine große Kläranlage wirken, erklären die Landesforsten.
06.06.2019, 16:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Jacqueline Schultz

Ahlhorn. Wasserstand zu niedrig, Nährstoffgehalt zu hoch - die Ergebnisse der vor drei Jahren begonnen Messungen der Ahlhorner Teiche sind laut der Niedersächsischen Landesforsten alarmierend. Jährlich werden aus dem Wassereinzugsgebiet der Oberen Lethe um die 167 Tonnen Nitrat in die Teiche eingetragen, von denen allerdings nur 34 Tonnen über das Lethe-Wasser wieder abfließen. „Das Wasser der Lethe ist hochgradig mit Nährstoffen angereichert. Die Teiche fungieren quasi als große Feldkläranlage, das kann so nicht weitergehen“, resümiert Forstamtsleiterin Regina Dörrie die Erkenntnis, dass jährlich um 133 Tonnen Nitrat in den Teichen verbleiben.

Neben dem zu hohen Nitratgehalt fließt den Messungen zufolge auch zu wenig Wasser in die Teiche, um alle Areale befüllen zu können. „Vor der intensivierten Bewirtschaftung an der oberen Lethe wirkten Moor und Feuchtgrünland wie ein großer Schwamm, der Wasser speicherte und gleichmäßig in die Lethe abgab“, erklärt Jörn Schöttelndreier vom Forstamt Ahlhorn. „Ohne den Wasserzustrom aus dem Grundwasser in den unteren Bereichen der Teichwirtschaft hätten wir noch ein Drittel weniger Wasser“.

Peter Wollborn von der Betriebsleitung der Niedersächsischen Landesforsten betont die Bedeutung der Ahlhorner Teiche für den Naturschutz. „Die wertvollen Strandlingsfluren, die wir gerne erhalten wollen und dazu nach europäischem Naturschutzrecht auch verpflichtet sind, haben wir sonst nur noch im Harz.„ Aus seiner Sicht ist die Datenlage eindeutig: “Wir brauchen dringend eine Verbesserung der Situation für dieses Naturschutzgebiet. Vor allem die zuständigen Behörden müssen hier aktiv werden.“

2016 wurden sogenannte Mulitparametersonden an den Zuflüssen und am Ablauf der Teichwirtschaft installiert. Jetzt liegen die ersten belastbaren Messergebnisse zur Wassermenge und zur Wasserqualität am Beispiel von Nitrat vor. Demnach beträgt die durchschnittliche Nitratbelastung aus dem Oberlauf der Lethe, die das Teichsystem mit Wasser versorgt, 37 Milligramm pro Liter. Das aus der Teichwirtschaft auslaufende Wasser enthält dagegen nur noch fünf Milligramm pro Liter. „Das bedeutet, dass in den Teichen jährlich allein aus dem Zulauf etwa 133 Tonnen Nitrat verbleiben. Damit werden die ursprünglich nährstoffarmen Gewässer eutroph, also stark überdüngt“, betont Jörn Schöttelndreier, der als Förster für Waldökologie zusammen mit der Geowissenschaftlerin Tina Wixwat das aufwändige Messprojekt begleitet. Dazu kommen eine zunehmende Verschlammung in den Teichen und der Verlust an Biodiversität. „Das ist ein klarer Verstoß gegen die Naturschutzrichtlinien der Europäischen Union und kann eines Tages Sanktionen nach sich ziehen“, mahnt Schöttelndreier dringenden Handlungsbedarf an.

Die parallel durchgeführten Wasserstandsmessungen ergaben, dass 50 Prozent mehr Wasser aus der Teichwirtschaft abfließt, als über die Lethe hineinkommt. „Das zeigt uns, dass zum einen aus dem Wassereinzugsgebiet der oberen Lethe zu wenig Wasser kommt. Dazu haben wir erkannt, dass es intensive Wechselwirkungen zwischen den Teichen und dem Grundwasser gibt“, so Wasserspezialistin Tina Wixwat. „Im durchlässigen Sand speist hohes Grundwasser einerseits die Teiche und dort wo es niedriger ist, verlieren die Teiche Wasser in den Untergrund.“ Die Ahlhorner Teiche liegen zwischen den beiden Wasserschutzgebieten Baumweg und Großenkneten, in denen große Mengen Trinkwasser gewonnen werden.

Das heutige Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebiet „Sager Meer, Ahlhorner Fischteiche und Lethe“ wurde im Jahr 2005 nach Brüssel gemeldet. Es umfasst neben den Fischteichen den Bereich des Sager Meeres und das Flüsschen Lethe von den Teichen bis zur Mündung in die Hunte bei Oldenburg. Maßgebend für die Ausweisung des europäischen Schutzgebietes war, neben dem Schutz seltener Tierarten wie dem Neunauge und dem Kammmolch, die Sicherung der Lebensräume der sogenannten Strandlingsfluren. Als solche werden Pflanzenarten bezeichnet, die in den Teichen auftreten, wenn diese im Rahmen der Karpfenwirtschaft zeitweilig im Sommer trocken gelegt werden. Dann entwickeln sich binnen kurzer Zeit seltenste Arten wie Wasserpfeffertännel oder Schlammling.

Die Messungen im Teichgebiet werden durch die Niedersächsischen Landesforsten kontinuierlich fortgesetzt. So sollen in diesem Jahr unter anderem Daten zum Wasserverlust durch Verdunstung erhoben werden.

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