Kevin Lehmann aus Hatten Mit Rap-Songs gegen Mobbing

Kevin Lehmann engagiert sich mit Raps auf Youtube gegen Cyber-Mobbing. Außerdem hilft der 20-Jährige aus der Gemeinde Hatten als Online-Coach betroffenen Jugendlichen.
24.04.2020, 15:32
Lesedauer: 4 Min
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Von Alexandra Wolff

Mobbing ist nicht witzig. Und wenn, dann nur für diejenigen, die mobben. Für diejenigen, die sie mobben, kann das Auslachen eine persönliche Krise noch verschlimmern. Das zeigt Kevin Lehmann aus Hatten in dem Youtube-Video „Kein Mobbing“, einem selbst geschriebenen Rap.

Kevin Lehmann setzt sich aber nicht nur mit seinen Rapvideos gegen Mobbing ein. Seit 2015 ist er Juuuport-Scout. Juuuport ist eine bundesweite Online-Beratungsplattform, an die sich Jugendliche wenden können, wenn sie Probleme im Netz haben. Das kann das sogenannte Cyber-Mobbing sein. Aber auch, wenn sie auf Phishing-Mails oder andere Online-Betrugsmaschen hereingefallen sind, beraten die Scouts sie anonym und kostenlos. Bei dreitägigen Schulungen können sich 14- bis 19-Jährige zu solchen Scouts ausbilden lassen. Bei Juuuport helfen also Jugendliche Jugendlichen.

Schon zwei Jahre vor seinem Training bei dem gemeinnützigen Verein hat sich der heute 20-Jährige an seiner Schule zum Schulmedienscout ausbilden lassen. „Leider hat das nicht so funktioniert wie ich mir das vorgestellt habe. Da war ich schon etwas enttäuscht“, sagt der ehemalige Gymnasiast der Graf-Anton-Günther-Schule in Oldenburg. „Doch dann bekam ich die Chance, mich zum Juuuport-Scout ausbilden zu lassen.“

Lehmann sei ein Gewinn für die Online-Plattform, finden die hauptamtlichen Juuuport-Mitarbeiter Lennart Sörnsen und Susanne Neuerburg: „Mit seiner Arbeit als Scout hilft er anderen Jugendlichen bei Problemen wie zum Beispiel Cybermobbing“, teilt Neuerburg mit. „Darüber hinaus sensibilisiert Kevin gemeinsam mit anderen Scouts auf Messen und anderen Veranstaltungen oder auch auf Instagram und Co. für Gefahren und Probleme im Netz.“

Die Jugendlichen melden sich über das Internet bei ihm und seinen Kollegen. Meistens schildern die Opfer zuerst ihre emotionale Situation. „In der Ausbildung haben wir beispielsweise gelernt, wie man mit dem Opfern spricht“, erklärt Lehmann. „In so einem Fall müssen wir also nachfragen, warum es ihnen so schlecht geht. Das zeigt ihnen, dass uns ihr Problem interessiert und wir keine Roboterantworten geben. Und nur wenn wir das Problem kennen, können wir helfen.“

Typisch sei, dass die Jugendliche schreiben, dass sie gemobbt werden, dass auf irgendeiner relevanten Internetseite peinliche Bilder von ihnen zu sehen sind. „Ich gebe ihnen dann eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, die Lösungsansätze bietet, wie beispielsweise solche Bilder aus dem Internet entfernt werden können“, beschreibt der Hatter seine ehrenamtliche Arbeit weiter. „Das ist natürlich nicht so einfach, weil das Internet nichts vergisst. Dennoch rate ich dem Jugendlichen zuerst, mit der Person zu reden, die das Bild verschickt hat.“ Denn oft sei den mobbenden Jugendlichen gar nicht klar, was sie damit anrichten, wenn sie ein peinliches Bild im Internet oder in den Sozialen Medien veröffentlichen.

„Kinder und Jugendliche werden heute recht schnell reif und haben schnell Kontakt zu Handys“, ist Lehmann aufgefallen. „Es fehlt ihnen aber die notwendige Medienkompetenz, um zu wissen, dass so ein Bild nicht einfach verschwindet und dass es andere sogar noch weiterverbreiten können. Es ist ihnen auch nicht bewusst, dass das kein Witz ist, sondern psychische Schäden hinterlassen kann.“ Je früher diese Jugendliche dies begreifen und das Bild wieder löschen, desto geringer ist die Chance, dass andere das Bild weiterverbreiten.

Das Schlimme sei, dass Jugendliche, die mobben, häufig auf Umständen herum hacken, unter denen die Opfer ohnehin schon genug leiden. Das zeigt auch das Video „Kein Mobbing“: Hier macht sich ein Junge unter anderem darüber lustig, dass sein Opfer ohne Vater aufwächst. In der zweiten Hälfte des Clips wehrt sich das Opfer (gespielt von Kevin Lehmann) und macht dem Jungen klar, dass es für ihn schon schwer genug sei, sich alleine mit seiner Mutter durchschlagen zu müssen.

Kevin Lehmann weiß aus eigener Erfahrung, dass auch ein „falscher“ Vorname ein Grund zum Mobben sein kann. „Aber ich habe immer darüber gestanden, wenn mich jemand wegen meines Vornamens mobben wollte“, sagt Lehmann. Oft liest man, dass Jugendliche ausgelacht werden, weil sie aus armen Verhältnissen stammen und keine Markenkleidung tragen. „Aber auch Neid kann ein Anlass zum Mobben sein, wenn jemand also reiche Eltern hat und sich deswegen teure Klamotten leisten kann.“

Aufgenommen hat Lehmann den Rap im Studio „Tiny Pond“ von Alex Sickel aus Hannover. „Er hat gesagt, dass ich der erste Rap-Musiker bin, der in seinem Studio aufnimmt“, sagt Lehmann lachend. „Es gibt so viele belehrende Songs, die versuchen, hip und gleichzeitig ernsthaft zu sein. Die sind teilweise zum Fremdschämen. Ich will, dass meine Raps wirklich gut sind.“

Dass ihm das gelungen ist, belegt die Tatsache, dass der Online-Berater den mit 500 Euro dotierten „Sonderpreis Jugend“ im Rahmen des ersten Datenschutz-Medienpreises gewonnen hat. Die europäische Internet-Initiative „Klick Safe“ hatte die Auszeichnung gestiftet. Der Preis ging an Lehmanns Lied „Datenschutz“, in dem er von den Gefahren vor allem für junge Leute erzählt, die aus Unkenntnis oder Nachlässigkeit im Umgang mit Datenschutz im Internet entstehen können.

Und auch Juuuport-Pressesprecher Sörnsen lobt seine Videos: „Ganz besonders stolz sind wir auf seine Rap-Videos zu Themen wie Handysucht und Datenschutz. Die Songs machen deutlich, wie sehr Kevin sich mit seiner Rolle als Scout identifiziert und wie wichtig es ihm ist, auf Themen wie Cybermobbing und Datenschutz aufmerksam zu machen.“

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