Metal-Nachwuchs

Auf die Bühnen mit Gebrüll

Nach einem gewonnenen Förderpreis und einem Ausrufezeichen auf Youtube feilen Myankarma an ihrer ersten CD. Damit will sich die junge Metalband aus Hude auf die nächsten Konzerte vorbereieten.
09.01.2019, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Struß

Es ist nicht gerade leicht, sich als junge Band Gehör zu verschaffen. Doch in Hude feilen fünf junge Musiker an ihrem Traum von einer Metalband. Myankarma gibt es nicht einmal ein Jahr, trotzdem haben sie schon einen Förderpreis gewonnen. Auch mit ihrem ersten Musikvideo lassen sie den Status einer Schülerband weit hinter sich. Nun arbeiten sie an der ersten CD. Könnte da etwas entstehen?

Bislang hat nur ein Lied das Licht der Öffentlichkeit erblickt. „Hero Zero“ hat auf Yout-Tube gut 2000 Klicks gesammelt. Für den Anfang gar nicht schlecht. Den Vorwurf, dass man bei Metalbands ja ohnehin nie verstehe, was sie singen, müssen sich Myankarma nur zum Teil gefallen lassen. Denn neben dem „Gebrüll“ – in der Szene nutzt man eher das englische Wort „Growling“ – spielt die Band auch melodische, klar gesungene Passagen. So auch bei „Hero Zero“. Der Satz „Tonight a hero will die“ wird im Refrain wiederholt, prägt sich ein. Doch was ist das für ein Held, der hier musikalisch zu Tode getragen wird? „Ich singe vom Helden der Kindheit, der allmählich stirbt“, verrät Sänger Flemming Petersen.

Gilt es bei den melodischen Passagen, den Ton zu treffen, birgt das „Growling“ eher eine andere Herausforderung. Wer ohne Technik brüllt, wie er meint, kann sich mit der Zeit die Stimme ruinieren. Das kann dann auch bei internationalen Top-Band dazu führen, dass Konzerte abgesagt werden oder Alben aus Rücksicht auf den Sänger komplett ohne Growling entstehen. Schon als Petersen sich als Metal-Sänger ausprobiert, nimmt er Gesangsunterricht. Das ist nun sechs Jahre her. „Meine Lehrerin hat mir viele gute Tipps gegeben. Vor jeder Probe und jedem Auftritt wärme ich die Stimme zum Beispiel auf“, erklärt Petersen.

Geteilter Proberaum

Irgendwo im Nirgendwo an einer Landstraße der Gemeinde Hude haben Myankarma ihr kleines Reich errichtet. Auf dem Gebäude prangt der passende Schriftzug „Rock-Paradise“. Doch die roten Letter verwittern zunehmend. In der ersten Etage des ehemaligen Gasthofes vermieten die Eigentümer nun Proberäume an Musikbands – und einen halben davon an Myankarma. 90 Euro zahlen die jungen Musiker pro Monat für ein halbes Zimmer. Ein weißer Klebestreifen zieht die Linie, trennt die Bereiche der beiden Bands. „Die spielen so Top-40-Musik“, sagt Gitarrist Jonas Malter und meint damit Chart-Musik, die auch im Radio läuft. Die Zimmergenossen seien eine Coverband. Gesehen habe man sich nur ein paar Mal, als die Probezeiten noch nicht abgesprochen waren.

Es mag wie eine Kompromisslösung wirken, doch Gitarristin Merle Rowehl ist mit dem Raum zufrieden: „In Bremen sind Proberäume Mangelware. Manchmal sind es Bunker ohne Heizung oder Fenster.“ Sie selbst lebt zum Studieren in der Hansestadt. Einer der Bandkollegen übernimmt den Bringdienst zum Huder Bahnhof, denn sie hat keinen Führerschein. Für ihre Bandkollegen ist auch der Standort des „Rock-Paradise“ günstig, denn sie wohnen in der Gegend.

Mithilfe einer Facebook-Gruppe

Für das junge Quintett gilt die Formel: Zwei plus zwei macht fünf. Denn Gitarrist Jonas Malter und Sänger Flemming Petersen kannten sich bereits aus einer früheren Band, ebenso verhält es sich mit dem Duo aus Bassist Dennis Quednau und Schlagzeuger Heinke Suhrkamp. Als sich die alten Formationen zerschlugen, war bei den vier jungen Männern schnell klar, dass sie eine neue Band gründen wollen. Doch es fehlte eine zweite Gitarre, um die Vorstellungen umzusetzen. Der Kontakt zu Merle Rowehl entstand dann mithilfe einer Facebook-Gruppe. Und musikalisch funkte es sofort. „Wir haben keine Zeit zum Kennenlernen gebraucht, sondern haben sofort mit der Musik losgelegt“, erinnert sich Gittarrist Jonas Malter. Das ist nun etwa acht Monate her. Die Zeit, auch menschlich zu einer verschworenen Einheit zu werden, gab ihnen dann im Juni die Oldenburgische Landesbank. Myankarma war Teil eines Musiker-Camps, auf dem einige Nachwuchsbands ein Wochenende mit Trainern an ihrem Stil feilten. „Dann stellte sich heraus, dass es beim Abschlusskonzert sogar etwas zu gewinnen gibt“, erinnert sich Malter. Das Quintett überzeugte und gewann den ausgelobten Förderpreis: 3000 Euro und ein professioneller Videodreh. „Viel wichtiger war die gemeinsame Zeit. Das war intensive Arbeit“, freut sich Malter.

Nachdem der Fokus im vergangenen Jahr auf Konzerten lag, wollen Myankarma nun endlich ihre erste Platte aufnehmen. Geplant ist eine EP mit fünf Liedern. „Auf den Konzerten hat man uns öfter angesprochen, ob wir eine CD verkaufen. Das Medium ist vielleicht noch nicht so Tod, wie viele sagen“, erzählt Malter. Doch die Aufnahmen im Tonstudio und das Produzieren der Tonträger kostet Geld, das die Bandmitglieder aus eigener Tasche bezahlen müssen. Trotzdem: Die Konzertbesucher sollen endlich etwas mit nach Hause nehmen können.

Für die Aufnahmen haben sie schon professionelle Hilfe in Aussicht. Der Gitarrist der Metalcore-Band Rising Insane wird sich an das Mischpult setzen. Dessen Formation hat ihre Wurzeln in Ganderkesee und ist da, wo Myankarma auch irgendwann gern sein würden. Mit ihrem Debüt-Album tourten Rising Insane als Vorband gerade durch Deutschland. Zuzutrauen ist das Myankarma auch.

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