Tischtennis

Ein Stück Südkorea im Herzen

Jonas Schrader steht nach seinem Auslandsaufenthalt wieder für den TV Hude II an der Platte. An seine Zeit in dem asiatischen Land denkt er sehr gerne zurück.
17.01.2020, 17:52
Lesedauer: 3 Min
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Ein Stück Südkorea im Herzen
Von Justus Seebade
Ein Stück Südkorea im Herzen

Jonas Schrader hat etwas mehr als zehn Monate in Südkorea verbracht. Tischtennis spielte der Student dort zwar nicht, doch verlernt hat er den Sport keineswegs. In der ersten Partie nach seiner Rückkehr gewann der 23-Jährige direkt sein Einzel.

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Hude. Das mit der Bestellung hatte er sich dann doch etwas anders vorgestellt. „Ich bin davon ausgegangen, dass Englisch komplett ausreicht“, sagt Jonas Schrader und schmunzelt. Doch so einfach ging es nicht. Er wollte sich in Südkorea zum ersten Mal etwas zu essen holen und versuchte sich zu verständigen, was allerdings nicht so recht funktionierte. Im Restaurant kam er mit Englisch nicht weit. Und so verließ Jonas Schrader das Lokal wieder. Ohne die gewünschte Nahrung.

Es war eben ein ganz anderes Leben, das der 23-Jährige über weite Strecken des Jahres 2019 geführt hat, und an dieses musste er sich erst mal gewöhnen. Der Tischtennis-Spieler des TV Hude absolvierte in Südkorea zwei Auslandssemester, verbrachte dort insgesamt etwas mehr als zehn Monate. Eine ziemlich lange Zeit in einem ziemlich weit entfernten Land. Kurz vor Weihnachten kehrte Schrader wieder nach Deutschland zurück. „Ich bin davon ausgegangen, dass es komisch wird, aber als ich wieder hier war, habe ich gemerkt, dass sich gar nicht so viel geändert hat“, erinnert sich der Student der Wirtschaftswissenschaften an die erste Zeit zurück in der Heimat.

Südkorea – nicht unbedingt ein klassisches Ziel für einen Auslandsaufenthalt, eher ein exotisches. Jonas Schrader wollte aber unbedingt hin, zumindest in die Region. Auch Japan hätte es werden können. Nach dem Abitur im Jahr 2015 machte er sich für ein Work-and-Travel-Jahr auf nach Australien und Neuseeland und lernte dort einige Asiaten kennen. Anschließend erkundete er gemeinsam mit seinen neuen Bekanntschaften einige Länder im südostasiatischen Bereich und fand Gefallen an der „ganz anderen Lebensweise“, wie Schrader es formuliert. So entstand der Wunsch, im Studium ein Auslandssemester in Korea oder Japan zu absolvieren.

20 Quadratmeter für vier Leute

Schrader landete an der Inha University in der Nähe der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Seine Wohnsituation im ersten Semester dürfte sich für viele gewöhnungsbedürftig anhören. Vier Leute – aus Deutschland, den USA und Korea – in einem Zimmer, das etwa 20 Quadratmeter groß war. Vier Hochbetten mit jeweils einem Schreibtisch darunter. Nicht gerade komfortabel. Doch dem Huder gefiel es. „Für mich war es eine super Erfahrung, weil ich dadurch viel mehr Leute kennengelernt habe“, sagt er. Und der direkte Kontakt zu zwei Einheimischen half ihm dabei, schnell einen Draht zu weiteren Leuten aus seinem Gastgeber-Land zu finden.

Eigentlich hatte der Student der Universität Oldenburg geplant, nur ein Semester zu bleiben. Doch er fühlte sich einfach wohl und fragte deshalb, ob er noch eins dranhängen dürfe. „Überraschenderweise ging das ziemlich leicht“, bemerkt Schrader. Den zweiten Abschnitt seines Aufenthalts verbrachte er dann allerdings in einem Einzelzimmer. „Ich hatte das erste Mal seit fast sechs Monaten Privatsphäre“, sagt er und schmunzelt. Im Nachhinein sei er froh, dass er dann ab und zu mal für sich allein sein konnte.

Generell mochte der 23-Jährige den häufigen Kontakt mit den anderen Austauschstudenten und den Einheimischen aber sehr gerne. Allein deshalb, weil er viele neue Freunde fand, aber auch, weil er eine ganz andere Kultur kennenlernte. Land und Leute wuchsen ihm ans Herz. Daher war Schrader auch hin- und hergerissen, als es zurück nach Deutschland ging. Einerseits habe er sich auf die Heimat gefreut. „Andererseits bin ich traurig gewesen, dass ich das Leben dort hinter mir lassen musste, weil man nicht weiß, wann man sich wiedersieht“, gibt der Student zu bedenken.

Ein Wiedersehen der anderen Art gab es kurz nach seiner Rückkehr in Hude. Am ersten Wochenende des neuen Jahres stand Schrader erstmals wieder für die Zweitvertretung des TVH in der Verbandsliga an der Platte. Da nahm er dann natürlich wieder den Tischtennis-Schläger in die Hand, den er in Südkorea zwar mit dabei hatte, aber nicht auspackte, obwohl es an der dortigen Uni die Möglichkeit gegeben hätte. „Ich wollte andere Sportarten ausprobieren“, erklärt er. Geschadet hat das offensichtlich nicht: Schrader gewann sein erstes Einzel nach mehr als zehn Monaten prompt. „Ich hatte lange nicht gespielt. Jetzt freue ich mich wieder richtig darauf“, sagt er. Vielleicht sei er vor seinem Südkorea-Abenteuer auch etwas „überspielt“ gewesen.

Positiver Saisonverlauf

Über den positiven Saisonverlauf seiner Mannschaft freut er sich natürlich: „Bis jetzt läuft es super. Mein Team hat das in der Hinserie super gemacht und stark gespielt.“ Nun hofft er, dass der Klassenerhalt gelingt – wonach es ganz stark aussieht – und die Erstvertretung in die Oberliga aufsteigt.

Jonas Schrader ist eben wieder in Deutschland angekommen. „Es gibt Sachen, die ich auf jeden Fall vermissen werde, aber auch welche, über die ich froh bin“, sagt er. Eins ist auf jeden Fall klar: Wenn er sich das nächste Mal was zu essen holt, wird es aller Voraussicht nach keine Verständigungsprobleme geben.

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