Raumnot an der Grundschule Hude-Süd Eine temporäre Dauerlösung

Die Schulleiterin der Grundschule Hude-Süd hat die Nase von Containern an ihrer Schule voll. Sie will eine Verstetigung der Containerklassen mittels Anbauten. Die Politik schiebt das Thema vor sich her.
25.09.2018, 17:38
Lesedauer: 4 Min
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Von Kerstin Bendix-Karsten

Hude. Die Enttäuschung stand Birte Kempers ins Gesicht geschrieben. Die Schulleiterin der Grundschule Hude-Süd hatte in einer flammenden Ansprache versucht, den Schulausschuss in seiner Sitzung am Montagabend davon zu überzeugen, der temporären Containerlösung an ihrer Schule ein Ende zu bereiten. Ohne Erfolg. Nach hitziger Debatte wurde dieser Tagesordnungspunkt auf Antrag der CDU-Fraktion mit knapper Mehrheit vertagt.

„Ich bin am Ende meiner Geduld“, sagte Kempers. Sie wisse, dass nichts von heute auf morgen geht. Die Lösung könne aber nicht sein, Kinder in Containern und auf Fluren zu unterrichten. „Mittlerweile schicke ich Kinder mit einem Vertrauensausweis allein durch die Schule, damit sie sich irgendwo einen Platz suchen“, berichtete die Schulleiterin aus dem Schulalltag. Ihr Team und sie selbst würden diese Situation nicht mehr ewig mittragen. Deshalb beantragte die Schulleiterin Ende August bei der Gemeindeverwaltung, die temporäre Containerlösung an ihrer Grundschule in Form von Anbauten zum Beginn des Schuljahres 2020/2021 zu verstetigen.

Mit ihrem Antrag stieß Birte Kempers in der Verwaltung auf Unterstützung. So hatte die zuständige Fachbereichsleiterin Nicole Westermeyer in ihrem Beschlussvorschlag für den Schulausschuss empfohlen, die Verstetigung der Containerklassen zu befürworten. Die Verwaltung sollte damit beauftragt werden, konkrete Umsetzungspläne, also einen Vorentwurf zu erarbeiten.

Um ihre Empfehlung zu begründen, verwies Nicole Westermeyer auf die prognostizierte Entwicklung der Schülerzahlen an der Grundschule Hude-Süd in den kommenden fünf Jahren. Im derzeit laufenden Schuljahr werden 208 Schüler an der Grundschule unterrichtet. Für 2019/2020 werden 217 Schüler erwartet, ein Jahr später bereits 223. Auch in den drei darauffolgenden Schuljahren sind zwischen 215 und 221 Schüler prognostiziert. Das führte Westermeyer zu dem Schluss: „Die Schülerzahlen werden nicht fallen. Die Containerlösung wäre somit nicht mehr temporär, sondern dauerhaft.“

In der Grundschule Hude-Süd werden derzeit zwei vierte Klassen und die Sprachlerngruppen in drei separaten Containern auf dem Schulgelände unterrichtet. Eine Containerklasse und der Container für die Sprachlerngruppen wurden bereits zum Schuljahr 2016/17 errichtet, führt die Verwaltung in ihrer Beschlussvorlage aus. Man sei damit also bereits im dritten Jahr. Die zweite Containerklasse kam zum Schuljahr 2017/18 hinzu und wird nun im zweiten Jahr für den Unterricht genutzt. Außerdem wurde im Januar 2018 der Container für den Besprechungsraum der Sozialpädagogin hinzugefügt. „Die Schule ist mit den bestehenden Räumlichkeiten vollkommen ausgelastet“, schreibt die Verwaltung. Es gibt keine Ausweichräume mehr, um im laufenden Betrieb Unterricht zu gestalten. Auch die Fachräume werden neben ihrer eigentlichen Bestimmung inzwischen für alle möglichen Erfordernisse genutzt, heißt es weiter.

Einen PC-Raum gibt es laut Beschlussvorlage beispielsweise seit vier Jahren nicht mehr, dieser wurde 2014 aufgelöst und mit einer zusätzlichen Klasse belegt. Der Musikraum existiere zwar noch, wird neben dem Musikunterricht aber auch für Einzelförderung im Rahmen der Integration/Förderung genutzt. Der Werkraum dient dem Kunst- und Werkunterricht sowie als Ausweichquartier für die Sprachförderung im Rahmen von Bildung und Teilhabe. Auch alle bisher geschaffenen Gruppen- und Differenzierungsräume seien durchgehend belegt. Da die Räumlichkeiten für kooperatives und individuelles Lernen vollkommen ausgelastet sind, würden die Schüler mit einem sogenannten Vertrauensausweis ausgestattet. Dieser berechtigt die Kinder, sich eigenverantwortlich einen Platz zum Lernen auf den Fluren zu suchen, um in Ruhe differenziert arbeiten zu können. „Das Kollegium veranstaltet einen Kopfstand und Radschlag, um zeitgemäß zu unterrichten. Doch das, was wir als Arbeitsbedingung an der Grundschule Hude-Süd vorfinden, ist nicht mehr zeitgemäß“, betonte Birte Kempers im Schulausschuss und konnte ihre Emotionalität bei diesem Thema kaum verbergen.

Dass Container keine Dauerlösung sein können, darüber waren sich viele Mitglieder des Schulausschusses einig. „Ich würde nicht wollen, dass mein Kind fünf Jahre im Container sitzt“, sagte Gabriele Klostermann (SPD). Das sei eine Kernaufgabe der Gemeinde. Sie sprach sich deshalb dafür aus, die Verwaltung einen Anbau planen zu lassen. Auch Andreas Otte (CDU) konnte „absolut nachvollziehen“, dass die Grundschule Hude-Süd nicht auf Dauer im Container unterrichten möchte. Doch er warnte davor, eine Insellösung zu schaffen, ohne über den Tellerrand zu schauen. „Wir müssen auch die Grundschule Jägerstraße heranziehen“, sagte Otte. Auch dort finde Unterricht im Container statt.

Dessen ist sich Birte Kempers sehr wohl bewusst. Deshalb hätten sich die Huder Grundschulen bereits vor zwei Jahren zusammengesetzt, um ein Gesamtkonzept zu erarbeiten. „Es gibt ein Papier, in dem steht, was jede Schule schulisch benötigt“, sagte Kempers. Bereits im April 2017 habe sie dieses Papier im Schulausschuss vorgestellt. „Seither habe ich nichts mehr gehört. Deshalb habe ich mich entschlossen, mir jetzt für meine Schule Gehör zu verschaffen“, fügte die Schulleiterin der Grundschule Hude-Süd hinzu.

„Bei allem heißen Herz müssen wir einen kühlen Kopf bewahren“, wandte Friedrich Schnabel (CDU) ein. Es brauche nicht eine Lösung, sondern die beste Lösung. Ihm ging der Vorstoß der Verwaltung, konkrete Pläne für einen Anbau zu erarbeiten, zu schnell: „Wir wollen die Vorlage erst intensiv diskutieren.“ Das sei nicht möglich gewesen, weil man die Vorlage erst Freitagmittag erhalten habe. Schnabel forderte, dass sämtliche Alternativen auf den Tisch kommen: „Wir müssen abwägen, wie das Problem am besten zu lösen ist.“ Ohne vorher alle Alternativen geprüft zu haben, sei er nicht bereit, in den Planungsprozess für Anbauten an der Grundschule Hude-Süd einzutreten. Deshalb beantragte der CDU-Politiker, diesen Tagesordnungspunkt zu vertagen.

Bei sieben Gegenstimmen und einer Enthaltung nahm der Schulausschuss diesen mit einer knappen Mehrheit (neun Ja) an. Da halfen auch die Worte von Bürgermeister Holger Lebedinzew nichts, der darauf hinwies, dass die Verwaltung ohne konkreten Antrag dieselbe Beschlussvorlage noch einmal in den Ausschuss geben würde. Doch vielleicht kippt die Mehrheit bis zur nächsten Sitzung des Schulausschusses, die für den 19. November anberaumt ist, sodass Birte Kempers nicht wieder enttäuscht nach Hause gehen muss.

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