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Hans-Jürgen und Maximilian Gundelach: Ein fangsicheres Vater-Sohn-Gespann

Hans-Jürgen und Maximilian Gundelach haben in Hude sowohl ihre persönliche als auch sportliche Heimat. Während der Ex-Bundesliga-Torhüter die B-Junioren des FCH trainiert, steht sein Sohn bei den Herren im Tor.
24.10.2020, 05:00
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Hans-Jürgen und Maximilian Gundelach: Ein fangsicheres Vater-Sohn-Gespann
Von Justus Seebade

Der erhobene Finger? Kein gutes Zeichen. Der rote Kopf? Macht es nicht besser. Maximilian Gundelach weiß diese unverkennbaren Signale ganz genau zu deuten. Er hat sie im Laufe der Jahre eigentlich gar nicht so oft gesehen, aber eben oft genug. Finger oben, Kopf rot – Papa hat was zu meckern. „Dann musste ich Angst haben“, scherzt der 18-Jährige. Wenn ihm ein Fehler unterlief, hatte sein Vater das definitiv genau beobachtet. Und Maximilian durfte sich auf dem Weg nach Hause was anhören. „Aber das hat auch geholfen“, bekennt er.

Natürlich hat es das. Wenn Maximilian Gundelach als Nachwuchskeeper für den SV Werder Bremen auf dem Platz stand, nahm einer seine Leistungen ganz genau in Augenschein: Vater Hans-Jürgen. Der ehemalige Profi-Torhüter, der insgesamt 130 Bundesliga-Spiele für Eintracht Frankfurt, den FC 08 Homburg und Werder absolvierte, wollte sich selbstredend immer höchstpersönlich ein Bild davon machen, wie sich sein Sohn im Kasten der Grün-Weißen entwickelt. Und wenn er dann mal etwas zu kritisieren hatte, war auch Maximilians Kumpels aus dem Team bewusst, was folgen würde. „Die Jungs kannten mich schon seit Ewigkeiten. Da wussten sie genau, was auf ihn zukommt, und dementsprechend haben sie ihn dann aufgezogen. Das war eine witzige Geschichte, die uns über die Jahre begleitet hat“, erzählt Gundelach senior. Die 40-minütige Rückfahrt von Bremen nach Hude konnte da für den Junior schon mal ganz schön lang werden.

In Hude haben die beiden nicht nur ihre persönliche, sondern mittlerweile auch ihre sportliche Heimat. Hans-Jürgen trainiert die B-Junioren des ortsansässigen FC, Maximilian ist im Sommer zum Bezirksliga-Team gewechselt. Es ist seine erste Station im Herrenbereich nach acht Jahren in den verschiedenen Werder-Nachwuchsmannschaften. Zuletzt wurde er mit den A-Junioren des SVW sogar nordostdeutscher Meister. Der eine oder andere fragt sich nun vielleicht, weshalb das Talent „nur“ zum FC Hude gegangen ist. Doch der Grund ist, wenn man so will, die Vernunft. Maximilian Gundelach will sich erst mal auf seine Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen konzentrieren. Er hat sich für die sichere Variante entschieden, nicht für den riskanten Fußballprofi-Weg. Auch wenn er damit natürlich geliebäugelt hat. „Das stand lange im Raum“, sagt der 18-Jährige.

Eine Entscheidung musste fallen

Jeder, der im Werder-Nachwuchs spiele, träume davon, einmal Profi zu werden. Das auch zu schaffen, ist jedoch eben alles andere als einfach. „Wenn man klein ist, denkt man, dass alles von selbst läuft. Je höher man kommt und je älter man wird, desto mehr merkt man aber, wie schwierig das ist. Mein Vater hat mir auch immer gesagt, wie schwer es ist, und dass man immer mehr tun und fleißiger sein muss als die anderen“, erzählt Maximilian Gundelach. Das habe er auch stets versucht. Doch irgendwann musste eine Richtungsentscheidung her: Fußballkarriere oder Ausbildung. „Bei mir fand ich einfach, dass es am besten war, dass ich diesen Weg eingeschlagen habe und nicht diese Unsicherheit habe, falls ich mich mal verletze oder Sonstiges. Ich mache erst mal meine Ausbildung fertig, und dann kann man jederzeit gucken, ob man vielleicht noch mal ein bisschen höher spielt.“

Das sieht auch sein Vater so. „Ich habe zu ihm gesagt, als er hierher gewechselt ist, dass sein fußballerischer Weg noch nicht vorbei ist. Die Entscheidung ist gefallen. Er macht Plan B – die Ausbildung abschließen – und dann schauen wir, was kommt. Wenn er hier in Hude in der Bezirksliga gute Leistungen bringt, ist der Weg nach oben noch nicht vorbei. Er ist jetzt 18 Jahre alt. Wenn er seine Abschlussprüfung macht, ist er 20 Jahre alt. Mit 20 Jahren fängt das Torwartleben heute erst an“, bemerkt Hans-Jürgen Gundelach, der mit Werder Deutscher Meister wurde und den DFB-Pokal gewann. „Ich denke, da kann noch mehr kommen, aber er muss es wollen.“

Schließlich müsste sein Sohn sich dann wieder umstellen. Bei Werder hatte er einen Torwarttrainer, der sich jeden Tag um die Keeper gekümmert hat. Diese professionellen Bedingungen gibt es in Hude logischerweise nicht, kann es ja auch gar nicht geben. Daher ist Maximilian Gundelach selbst gefordert, genug zu tun, um sein Niveau zu halten. Dabei kann ihm natürlich auch sein Vater helfen. „Wir machen schon hin und wieder private Trainingseinheiten. Wenn die Möglichkeit besteht und er dazu Lust hat, dann bin ich jederzeit für ihn da. Dann fahren wir auf den Platz und machen mal eine Stunde eine vernünftige Torwart-Trainingseinheit“, schildert Hans-Jürgen Gundelach. Dabei gehe es dann vor allem um die Technik und die Verfeinerung des Torwartspiels. Hier kann Maximilian von seinem Vater profitieren.

Das kann er auch, wenn er mal bei einer Zusammenkunft von Hans-Jürgen Gundelachs alter Werder-Mannschaft dabei ist. „Wenn man da Otto Rehhagel oder Mario Basler trifft, ist das schon ganz cool“, berichtet Maximilian Gundelach. Mit Kumpels alte Videos von Spielen seines Papas zu gucken, macht ihm auch Spaß. Das sind sie halt, die besonderen Dinge, die man als Sohn eines früheren Fußballprofis mitnimmt. Gleichwohl hatte es für Maximilian nicht immer nur Vorteile, den Namen Gundelach zu tragen. „Klar ist das überall bekannt, dass er mal Profi war. Da haben natürlich einige Leute eine gewisse Erwartungshaltung mir gegenüber“, weiß der 18-Jährige. Auch bei seinem Wechsel vom FC Hude zu Werder habe das damals sicherlich eine Rolle gespielt. Gundelach junior, auch Torhüter – diese Kombination ist automatisch mit einem gewissen Druck verknüpft. „Ich bin aber eigentlich die ganzen Jahre immer ganz gut damit umgegangen. Und klar bin ich stolz, so einen Vater zu haben“, betont der Huder Schlussmann.

Ein Traum geht in Erfüllung

Stolz ist auch Hans-Jürgen Gundelach darauf, dass sein Sohn den Torhüter-Weg bei Werder eingeschlagen hat. Als die Anfrage der Grün-Weißen kam, ob Maximilian in der U11 als Keeper anfangen will, „ging für mich so ein kleiner Traum in Erfüllung“, sagt der Senior. Generell hatte er den Wunsch, dass sein Sohn Fußball spielt. „Ich habe da schon frühzeitig meinen Einfluss drauf genommen“, erklärt er schmunzelnd. Natürlich hatte er zudem das Bestreben, dass Maximilian auf der gleichen Position agiert. Ein ausgeprägtes Ballgefühl machte Hans-Jürgen Gundelach in jedem Fall auch bei seinem Sprössling schon früh aus. Den Aufwand, dessen Talent zu fördern, haben er und seine Frau in all den Jahren daher gerne betrieben. „Das ist ein Zeitaufwand, den Jungen nach Bremen zu fahren, da zu sitzen und zu warten und ihn wieder mit nach Hause zu nehmen. Aber es hat sich gelohnt. Wir sind froh, dass wir es gemacht haben, denn er war da in einem Umfeld bei Werder, das wie eine große, gute Familie war.“

Es war eine Zeit, die Maximilian nicht nur fußballerisch, sondern auch persönlich enorm weitergebracht hat. Da sind sich Vater und Sohn einig. „Werder hat da mit dem Trainerteam eine unwahrscheinlich gute Erziehungshilfe gegeben“, sagt Hans-Jürgen Gundelach. Maximilian bestätigt das aus seinen Erfahrungen: „Ich war in den Jahren gefühlt überall in ganz Deutschland. Egal wo wir waren, wir wussten immer, wie wir uns zu verhalten haben.“ Er habe sehr früh für sich selbst sorgen müssen, wenn seine Eltern bei Turnieren oder Auswärtsspielen nicht dabei waren. Im Alter von zwölf Jahren sei er seinen Kumpels in Hude diesbezüglich deshalb um einiges voraus gewesen, „auch durch Werder“.

Wer nun denkt, dass es bei Familie Gundelach nur das Thema Fußball gibt, liegt übrigens falsch. „Wir haben gelernt – also er hat mich ein bisschen dazu erzogen –, weniger über Fußball zu reden“, erklärt Hans-Jürgen und schmunzelt. Früher sei das wesentlich mehr gewesen. Heute kommt es ein bisschen darauf an, ob eine Trainingseinheit oder ein Spiel thematisiert wird. Ersteres ist schnell abgehakt, Letzteres nimmt schon mal mehr Zeit in Anspruch. Hans-Jürgen Gundelach guckt sich, wenn er kann, jede Partie seines Sohnes an. „Dann redet man natürlich viel intensiver über ein Spiel als über Trainingseinheiten“, bemerkt er.

Seine Frau, die auch fußballinteressiert ist, stellt ihrem Sohn dann auch Fragen. Allerdings andere. Zum Beispiel, ob es Maximilian während des Spiels gut ging. „Auf die Idee würde ich gar nicht kommen. Aber so sind halt Frauen und Mütter“, meint Hans-Jürgen Gundelach und lächelt. Bei ihm geht es da eher sachlicher zu. Und vielleicht auch mal etwas ernster. Wenn das der Fall ist, sieht Maximilian Gundelach das frühzeitig. Finger oben, Kopf rot.

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