Klosterruine in Hude

Alte Bausubstanz für junge Leute

Unterirdisches Museum, Terrassen, moderne Gebäude, eine Aussichtsplattform: Für die Umgestaltung des Klosterareals werden wohl Ideen aus allen Gewinnerkonzepten des Wettbewerbs der Jade-Hochschule genutzt.
29.03.2021, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexandra Wolff

Ein „Dorfplatz“ mit einem wintergarten-ähnlichen Café, Spielplatz und Feuerstelle? Barrierefreiheit auf dem gesamten Gelände? Oder ein Holzgestell, das zusammen mit den verbleibenden Ruinen die Dimensionen des Klosters nachempfindet? 27 Masterstudenten des Oldenburger Fachbereichs Architektur der Jade-Hochschule haben in Gruppen 13 Konzepte für das Klosterareal entworfen. Ihre Ideen, Pläne und Modelle stellt das Klostermuseum Hude ab Ostern unter dem Titel „Ideen Entwürfe Klostermuseum Hude“ aus.

„Das Planungsziel war, die Anlage des Klosters Hude für unter anderem jüngere Menschen, Familien und Schulklassen noch attraktiver zu gestalten“, beschreiben Diplom-Ingenieurin Birgit Remuss und Professorin Helga Sternkopf die Aufgabenstellung. Sie sind die Dozentinnen der 27 Studenten im zweiten Mastersemester. Überhaupt sollten sie Ideen aus dem Masterplan der Klosterfreunde visualisieren „und dem Gesamtensemble ein sogenanntes ‚Corporate Identity‘“ verschaffen, wie es Greta von Witzleben von der Gutverwaltung ausdrückt. Ideen aus dem Masterplan sind neben der Einheitlichkeit mit Wiedererkennungseffekt ein Ausstellungsgebäude auf dem Ziegelhof, ein Terrassengarten, das Sichtbarmachen der Größe der einstigen Klosterkirche (zum Beispiel mithilfe von Hologrammen oder dem eingangs erwähnten Holzgestell) und eine Museumserweiterung.

Besonders gut haben das insgesamt vier Studentengruppen des Oldenburger Fachbereichs Architektur der Jade-Hochschule hinbekommen. Erste Plätze hat die Jury nicht vergeben. Dafür aber zwei zweite Preise – zum einen an Evke Marie Eden (die auch den Ausstellungskatalog gestaltet hat) und Wenke Heydemann und zum anderen an Kutlu Enç, Tobias Friedrichs und Maja Probst.

„Unsere Vorstellungen und die der Bauherren gingen teilweise recht weit auseinander“, beschrieb Heydemann die Aufgabe mit Praxisbezug. „Aber gerade diese Verknüpfung mit der Realität war sehr gut.“ Ihre Kommilitonin beschrieb das Gelände beim neuen Museum: „Die Terrassen und Außenbereiche sollen gut nutzbar sein und nicht dazu verpflichten im ‚Schaf-Café‘ etwas zu kaufen. Auch Picknick soll hier möglich sein.“ „Schaf-Café“ deswegen, weil gegenüber der Ruine ein paar Schafe weiden. Die Kombination mit den Tieren solle „gerade für die jüngeren Gäste ein hohes Potential an Besonderheit und Qualität“ bieten, betont sie.

Und genau diese jüngeren Gäste sollen mithilfe von modernen Gebäuden angesprochen werden, die sich aber zugleich in das historische Gelände einfügen, betonte Hudes Bürgermeister Holger Lebedinzew: „Ich freue mich über all die unglaubliche Kreativität, die auch die jungen Leute in die alte Bausubstanz locken kann. Es ist wichtig, dass nicht immer nur die Sicht von uns älteren Menschen umgesetzt wird“, findet der 61-Jährige.

Am Entwurf von den drei Studenten Tobias Friedrich, Kutlu Enç und Maja Probst zeigte sich die Jury besonders von der Umsetzung des neuen Klostermuseums überzeugt, das „hauptsächlich unterirdisch angeordnet“ ist, wie es im Katalog heißt und so „die Baumasse den Naturraum nicht erdrückt“. Ein steiles Satteldach hingegen macht das Eingangsgebäude besonders signifikant. Die Idee „in die Erde zu gehen“, gefiel vor allem Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler: „So entsteht eine ganz besondere Erlebniswelt und zugleich kann man sich auf das Wesentliche konzentrieren.“

Dafür gab es für alle 13 Gruppen Preisgelder in Höhe von 150 bis 300 Euro. Welcher der beiden zweitplatzierten Entwürfe wird denn jetzt umgesetzt? „Wir werden nach der Machbarkeitsstudie wohl mehrere Ideen aus allen Entwürfen mixen“, antwortet Klaus Rademacher, der erste Vorsitzende des Fördervereins „Freunde des Klosters Hude“.

Das bestätigt auch Professor Manfred Weisensee, der Präsident der Jade-Hochschule. Ihm gefiel besonders die Idee einer Aussichtsplattform aus dem Entwurf von Nina Bietke und Loreen Zeisberg, die neben Marvin Bo Büttner, Christopher Molske und Sebastian Oltmann auf dem dritten Platz landeten.

Der Vereinsvorsitzende ist als Bau- und Bauverwaltungspraktiker zugleich Honorarprofessor für Entwurf und Baukonstruktion an der Jade-Hochschule. Doch das ist nicht die einzige Verbindung, die dazu führte, dass die Jade-Hochschule und die Freunde des Klosters zusammen an dem Masterplan weiterarbeiten. „Ich habe in der Nähe von Hamburg gewohnt und bin auf dem Weg zur Arbeit kurz vor Oldenburg immer an dem Autobahnschild mit der Aufschrift ‚Klosterruine Hude‘ vorbeigefahren“, erzählt Professorin Sternkopf. „Als wir unsere Exkursion nach Italien wegen Corona absagen mussten, habe ich meinen langgehegten Wunsch, nach Hude zu fahren, mit meiner Kollegin und unseren Studenten umgesetzt.

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