Tischtennis beim TV Hude

Neue Routinen sind nötig

Beim ersten Training nach der Corona-Pause läuft so einiges anders als gewohnt. Ein Erfahrungsbericht.
28.05.2020, 14:39
Lesedauer: 4 Min
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Von Andreas Lehmkuhl
Neue Routinen sind nötig

Andreas Lehmkuhl stand jüngst erstmals unter den coronabedingten Auflagen an der Platte. "Es zeigt sich, dass fast 400 Kilometer Lauftraining in den vergangenen zwei Monaten vielleicht die Grundausdauer steigern, ich beim Tischtennis mit den schnellen, dynamischen Bewegungen aber genauso schnell außer Atem gerate wie vorher" – das ist eine seiner Feststellungen während der Trainingseinheit.

INGO MÖLLERS

Das erste Tischtennis-Training unter neuen, coronabedingten Auflagen nach elf Wochen Pause. Wie fühlt sich das an? Ungewohnt? Definitiv. Unbequem? So manch neue Regel auf jeden Fall. Ist es immer noch besser, als gar nicht zu trainieren? Für mich ein klares „Ja“.

In der Endphase einer persönlich eher schwachen Saison hatte ich Anfang März schon darüber nachgedacht, mal eine Trainingspause einzulegen, um dadurch neue Motivation zu erhalten. Diese Entscheidung wurde mir dann abgenommen. Erst fiel das vorletzte Ligaspiel beim SV Nordhorn am 14. März aus, kurz danach wurde die Aussetzung des Trainingsbetriebs bekannt gegeben. Und tatsächlich: Diese Zwangspause sorgte dafür, wieder heiß auf Tischtennis zu sein. Nicht nur bei mir, auch von vielen anderen Spielern, mit denen ich in den vergangenen Wochen zumeist digital zu tun hatte, hörte ich das immer wieder.

An Himmelfahrt kam dann die ersehnte Nachricht – und damit früher, als ich persönlich es noch einige Wochen zuvor erwartet hätte. Abteilungsleiter Bernd Hedenkamp schrieb per Mail, dass am folgenden Mittwoch wohl das erste Training unter den Voraussetzungen des neuen Hygiene-Konzeptes stattfinden könnte. Dafür müssten sich die Spieler mit einem festen Trainingspartner verabreden und mit diesem zusammen für erst einmal eine Stunde, bei freien Ressourcen auch für zwei, einen Tisch reservieren.

Gesagt, getan: Gleich eine Anfrage in die Whatsapp-Gruppe gestellt, fast umgehend kam die Zusage eines Trainingspartners. In den nächsten Tagen zeigte sich dann, wie viel Vorarbeit Bernd Hedenkamp und Sportreferent Felix Lingenau in Zusammenarbeit mit der Gemeinde geleistet hatten. Ein erstes Hygiene-Konzept wurde an alle Spieler verschickt und noch einmal überarbeitet, nachdem es am Montag einen ersten Testlauf im kleinen Kreis gegeben hatte, zusätzliche Tipps wurden gegeben, worauf besonders zu achten sei. Am Dienstag kamen dann erst mal neue Beläge auf den Schläger, um gleich voll durchstarten zu können und keinen „Material-Frust“ aufkommen zu lassen.

Die Maske darf nicht fehlen

Am Mittwochabend ist es dann endlich so weit. Von 19 bis 21 Uhr haben Abwehrspieler Heinz von Hagen aus der vierten Mannschaft und ich einen Tisch zur Verfügung. Ankunft an der Halle, erst mal Maske auf. Die ist Pflicht, erst am Tisch darf sie abgelegt werden. Die unterschriebene Bestätigung, dass man das Hygiene-Konzept einhalten werde, habe ich abgegeben. Die Sportklamotten sind schon an, Umkleideräume und Duschen sind schließlich geschlossen.

Erster neuralgischer Punkt: die Ankunft der Spieler im Flur der Halle. Desinfektion der Hände, Abstand halten, klappt so weit alles, auch wenn es gelegentlich zu kleinen Staus kommt. Keiner kommt auf die Idee des eigentlich obligatorischen Abklatschens zur Begrüßung. In der Beziehung haben alle schon deutlich mehr Routine entwickelt, als noch vor Wochen der eine oder andere Fußballprofi von Hertha BSC Berlin offenbart hat. Auch den manchmal notwendigen zweiten oder dritten Blick, welcher Neuankömmling sich denn da hinter der Maske verbirgt, kennt man mittlerweile.

Beim Wechsel an den Tischen stockt es dann ein wenig. Hier fehlt noch die Routine. Einige Spieler sind schon durch den Notausgang – in der Halle gilt Einbahnstraßen-Verkehr – hinausgegangen. Andere spielen noch ein paar letzte Bälle oder sind dabei, den Tisch zu reinigen und zu desinfizieren, während die nächste Schicht schon an die freien Tische möchte. Der Abstand wird zwar gewahrt, es gibt aber doch ab und zu ein kleines Durcheinander, wer wann wo durchgehen darf.

Nun kann’s aber endlich losgehen. Taschen in die Ecken der Spielbox statt wie gewohnt in langer Reihe an die Hallenwand. Maske ab. Die ersten Ballwechsel. Oha. Das Ballgefühl hat unter der Pause gelitten. Immer wieder muss mein Trainingspartner Heinz den von mir neben oder hinter den Tisch geschlagenen Ball (pro Tisch wird nur einer genutzt) wieder holen. Der Abstand zwischen uns ist kein Problem, der 2,74 Meter lange Tisch trennt uns. Springt mal ein Ball in die Spielbox nebenan, muss ich mich aber ziemlich zusammenreißen, um unseren Nachbarn nicht aus Versehen zu nahe zu kommen. Immer wieder möchte ich eigentlich reflexartig in die Nebenbox springen, muss mich aber immer wieder bremsen. Den Ball müssen uns die Spieler nebenan zukommen lassen, ein dritter Mann in der Box wäre nicht erlaubt.

Ungeahnte Talente

Und das führt zu den wohl schönsten Szenen des Abends, denn: Das soll geschehen, ohne den Ball anzufassen. Es wird also versucht, die kleine Plastikkugel nur mit dem Schläger hochzunehmen, oder aber mithilfe eines Fußes oder sogar beider Füße. Manche zeigen dabei – teilweise unerwartetes – Geschick und Ballgefühl, bei anderen denkt man eher an die Jagd nach einer Maus oder sogar an Ausdruckstanz. Und so manches Mal befürchte ich: „Oh nein, gleich verletzt er sich.“ Wobei das vermutlich auch unsere Nachbarn über mich denken.

Im Laufe der Zeit werden aber sowohl diese Ballrückführungs-Aktionen als auch das Spiel präziser und ungefährlicher, das Ballgefühl kehrt langsam zumindest etwas zurück. Und es zeigt sich, dass fast 400 Kilometer Lauftraining in den vergangenen zwei Monaten vielleicht die Grundausdauer steigern, ich beim Tischtennis mit den schnellen, dynamischen Bewegungen aber genauso schnell außer Atem gerate wie vorher. Fast zwei Stunden Topspins gegen die Gummiwand Heinz, das merke ich schon im Laufe des Abends deutlich in Arm und Schulter. Und am nächsten Tag soll sich noch Muskelkater in diversen anderen Körperregionen dazugesellen.

Trotzdem: Das hat Spaß gemacht, das hat zuletzt einfach gefehlt. Und in den nächsten Wochen werden sich im eigenen Spiel die alten und in den Abläufen des Trainingsabends neue Routinen einstellen, da bin ich mir sicher. Nach dem Training werden Tisch, Schläger und Ball gereinigt und es wird Platz für die nächsten Spieler gemacht, wieder gibt es noch ein wenig Durcheinander beim „Schichtwechsel“.

Erschöpft und zufrieden geht es dann zum Ausgang, auch ein wenig stolz darauf, wieder an die Maske gedacht zu haben. „Stopp“, höre ich plötzlich unseren Abteilungsleiter hinter mir. Was ist los? Der Desinfektionsmittel-Spender am Ausgang – fast hätte ich ihn nicht benutzt. Und noch so eine Routine, die sich noch einstellen muss in den nächsten Wochen. . .

Info

Zur Person

Andreas Lehmkuhl (45)

ist hauptberuflich im Tischtennis-Fachhandel tätig. Als freier Mitarbeiter schreibt er seit vielen Jahren für den DELMENHORSTER KURIER. Seit 2004 steht er beim TV Hude an der Platte, seine vorherigen Stationen waren TuRa Oldenburg, VfL Wildeshausen und Harpstedter TB. Zuletzt spielte er beim TV Hude III in der Bezirksoberliga.

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