Tischtennis-Oberliga

Simulation prognostiziert Platz sechs

Beim Tischtennis haben Spieler TTR-Werte, die ihre Spielstärke wiedergeben. Daraus errechnet eine Simulation die wahrscheinlichsten Ergebnisse und kommt so zu einer Prognose: Der TV Hude wird demnach Sechster.
13.07.2020, 14:18
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Von Andreas Lehmkuhl
Simulation prognostiziert Platz sechs

Peter Igel geht als die Nummer eins der Huder in die Saison. Der Routinier ist als Abwehrspezialist bekannt.

Björn Hake

Hude. Die Mannschaftsmeldungen für die kommende Saison in der Tischtennis-Oberliga sind unlängst veröffentlicht worden, der Aufsteiger TV Hude kennt nun also die Aufstellungen seiner Gegner. „Wir sollten gute Chancen auf den Relegationsplatz acht haben“, glaubt Hudes Routinier Felix Lingenau nachdem er sich Namen und TTR-Werte der Konkurrenz angesehen hat. „Gegen Hemmingen-Westerfeld und RSV Braunschweig sollten wir Favorit sein, gegen alle anderen Gegner eher nicht. Darum ist Platz acht das Minimalziel“, erklärt er. Eine Simulation ergibt für die Huder sogar Platz sechs und damit den direkten Klassenerhalt. „Sollten wir besser abschneiden, wäre uns das natürlich sehr recht, gerade weil in der Verbandsliga mit der TSG Dissen und dem Oldenburger TB II zwei Mannschaften sehr stark besetzt sind“, blickt der Huder Mannschaftsführer voraus.

Eine Relegation gegen solche Gegner würde sich Lingenau gerne ersparen. Insgesamt seien aber Chancen auf den Klassenerhalt vorhanden, glaubt er. „Die Liga ist schon stark, wohl stärker als in jedem anderen Jahr, in dem wir Oberliga gespielt haben. Aber wir haben auch mehr junge Leute, die sich noch steigern können, im Team“, hofft der Huder. Die TTR-Werte der Mannschaften lassen den Klassenerhalt sogar erwarten. Im Internet unter www.tischtennistools.de/leagueoracle gibt es das Online-Programm Liga-Orakel, das auf Grundlage der Aufstellungen und TTR-Werte die zu erwartenden Spielergebnisse kalkuliert und Wahrscheinlichkeiten für eine Endplatzierung berechnet.

Ergebnis anhand von Statistiken

Das kann relativ genau erfolgen, da die TTR-Punkte auf Gewinnwahrscheinlichkeiten beruhen, das heißt: Bei 100 Spielen zwischen Gegnern mit zum Beispiel genau 100 Punkten Unterschied gewinnt in 82 Spielen derjenige mit dem höheren Wert und nur 18-mal der Underdog. Bei 50 Punkten Differenz sind es nur noch 68 zu 32 Spiele und bei gleichem TTR-Wert lautet die Gewinnwahrscheinlichkeit für jeden Spieler 50 Prozent. Auf die Oberliga Nord-West angewendet, erwartet das Programm für den TV Hude 9:9 Punkte in der Hinrunde, was mit 32-prozentiger Wahrscheinlichkeit zu Platz sieben und mit 31-prozentiger zu Platz sechs reichen würde.

Warum sieht Lingenau seine Mannschaft dennoch schlechter abschneiden? „Arminia Hannover hat insgesamt deutlich schlechtere TTR-Werte als wir. Die sind aber eine Wundertüte mit vielen jungen ausländischen Spielern, die nach allem was man so hört, viel stärker sind als ihre Werte aussagen“ erklärt er. Lingenau schränkt aber auch ein: „Natürlich kann es auch sein, dass die gar nicht so stark sind, wie man glaubt“. Das Orakel dagegen erwartet mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit einen Huder Erfolg gegen Hannover.

Auch den TSV Algesdorf, für den ebenfalls 9:9 Punkte kalkuliert werden (Wahrscheinlichkeit für einen Huder Sieg 44, für ein Unentschieden 22 Prozent), oder andere Mannschaften, wie den als Fünften prognostizierten MTV Jever (Huder Sieg 29, Unentschieden 20 Prozent) könne man sicherlich mal schlagen, glaubt Lingenau. „Versuchen werden wir das auf jeden Fall, aber in der Summe über eine gesamte Saison sehe ich die anderen stärker als uns“, befürchtet Hudes Nummer sechs.

TTR-Werte können verzerren

Bei Algesdorf sind die Werte gleich dreier Spieler wegen sogenannter Inaktivitäts-Abzüge zuletzt deutlich gesunken. Claas Märtens, die Nummer vier, und Fabian Möller, die Nummer sechs, haben in den zurückliegenden zwölf Monaten keine Spiele absolviert und werden damit jeweils 40 Punkte niedriger notiert, obwohl sie an Spielstärke nicht zwangsläufig verloren haben müssen. Marcel Czichy, der Nummer sieben, wurden seit Dezember 2016 gleich 120 Punkte abgezogen. Auch andere Faktoren seien laut Lingenau nicht durch das Simulationsprogramm zu berechnen: „Man weiß ja gar nicht, wer immer spielt, ob zum Beispiel auch mal ausländische Spieler wegen Corona-Beschränkungen nicht einreisen können. Das könnte ja auch bei uns mal Ryan Farrel treffen“.

Auch andere Faktoren, wie Doppelstärke oder Heimvorteil, werden vom Programm nicht berücksichtigt. So hat Algesdorf zum Beispiel vor seinen bekannt zahlreichen und lautstarken Fans in den vergangenen beiden Oberliga-Saisons nur drei Partien verloren.

Insgesamt zeigt die Liste der Spieler, dass sich Akteure wie Zuschauer in der nächsten Saison auf einige interessante Partien freuen können. „Für Peter Igel und mich ist es auf jeden Fall nett, einige Leute wiederzutreffen, aber auch neue Gesichter zu sehen. Gerade für unsere jungen Spieler ist es vor allem wichtig, Gegnern auf höherem Niveau gegenüberzustehen“, meint Lingenau. Die Huder haben mit Abwehrroutinier Igel, dem Iren Farrell oder Jugend-Nationalspieler Sören Dreier selber einige Spieler in ihren Reihen, auf die sicherlich viele Gegner gespannt sind.

Kindergarten und Routiniers

Besonders spektakulär mutet aber die Aufstellung von Aufsteiger Arminia Hannover an, trotz vergleichsweise niedriger TTR-Werte. An Position eins spielt mit Abdoulaziz Anorboev ein 19-jähriger usbekischer Nationalspieler, der in der Verbandsliga im vergangenen Jahr 24:2-Siege gesammelt hat. Davor spielte Anorboev in der ersten türkischen Liga genau wie die Nummer zwei, Umut Emre Bassan. Der 20-jährige Türke trainiert im A-Kader seines Heimtlandes mit und war Jugend-Nationalspieler. Das ist immer noch sein 16-jähriger Landsmann, die Nummer vier der Arminia, Bathuhan Gurses, ebenso wie auch der 14-jährige Moldawier Cezar Cosmolici an Position sechs. Komplettiert wird das von Hannover selber auf der Homepage als „Kindergarten“ bezeichnete Team durch Max Grote (Jahrgang 2002), Yuma Gao (2001) und Torben Kühne (2003).

Weiter zurück liegen schon die Meriten der Spieler des SC Marklohe, der vom Liga-Orakel als Meister erwartet wird. Mit Florian Buch, dem ehemaligen Deutschen Ü40-Meister Sven Hielscher, Nikolai Marek und dem Ex-Jugendnationalspieler und Deutschen Schülermeister Niklas Matthias haben gleich vier Spieler schon in der 2. Bundesliga gespielt, Max Kulins und Andre Kamischke zumindest schon in der Regionalliga.

Abwehrer auf Toppositionen

Auch interessante Spielsysteme sind vertreten. „Schade, dass ich nicht oben spiele“, bedauert Lingenau, der als Spezialist gegen Abwehrspieler gilt, angesichts von drei Spitzenspielern mit defensivem Spielsystem – neben dem Neu-Huder Peter Igel. Aufsteiger Hemmingen-Westerfeld wird angeführt von Guido Hehmann, einem sehr erfahrenem Abwehrer, mit Jahrgang 1964 ein Jahr jünger als Igel. Regionalliga-Absteiger Salzgitter setzt mit dem polnischen Neuzugang Lukas Dzikokowski ebenfalls auf einen Spitzenspieler mit – zumindest auf der Rückhandseite – defensivem System. 2019 hat der Pole ein halbes Jahr beim TTC Kröpelin in der mecklenburg-vorpommerschen Partnergemeinde Hudes gespielt.

Ebenfalls auf einen Abwehrspieler als Nummer eins setzt der MTV Jever. Gegen Adrian Dugiel hat Florian Henke, Hudes Nummer zwei, zumindest im Training schon häufig gespielt. Der polnische Ex-Erstliga-Spieler hat seine Deutschland-Karriere in Henkes Heimatverein SV Molbergen begonnen. Ein Wiedersehen gibt es gegen Jever auch mit Mathis Kohne. Der 16-jährige Oldenburger ist häufig Trainingsgast in Hudes Leistungs-Gruppe. Und auch gegen den TuS Lutten wird es ein Wiedersehen geben: Dorthin ist vom Oldenburer TB II Thuong Nguyen gewechselt. Die neue Nummer fünf des TuS hatte 2005, als der TVH erstmals nach langer Pause wieder in die Oberliga aufgestiegen war, das Huder Trikot für ein Jahr getragen.

Weitere Informationen

Durch das Programm Liga Orakel prognostizierte Hinrunden-Tabelle:

1. SC Marklohe 16:2 (Punkte) 78:37 (Spiele)

2. SV Union Salzgitter 15:3 76:41

3. TuS Lutten 12:6 70:50

4. ASC Göttingen 12:6 70:52

5. MTV Jever 11:7 68:54

6. TV Hude 9:9 63:57

7. TSV Algesdorf 9:9 63:59

8. SV Arminia Hannover 3:15 39:76

9. RSV Braunschweig 2:16 32:76

10. SC Hemmingen-Westerfeld 1:17 24:80 ALE

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