Urban ClassX Streit um Reitturnier

Die Grünen halten die Urban ClassX in der Corona-Zeit für unangemessen. Veranstalter Helmut Urban und Holger Kreye vom Kreissportbund verteidigen das Reitturnier und verweisen auf die Corona-Verordnung.
09.02.2021, 17:15
Lesedauer: 4 Min
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Streit um Reitturnier
Von Michael Kerzel

Die wöchentlichen Urban ClassX in der Messehalle Landtage Nord sind aktuell die größte lokale Sportveranstaltung. Woche für Woche, in der Regel von Donnerstag bis Sonntag, kämpfen hier Reiter um Platzierungen. Kürzlich stand die zwölfte Ausgabe an, zum zweiten Mal durften jedoch nur Profis an den Start gehen. In der kommenden Woche ab dem 18. Februar sind Stand jetzt auch wieder Amateure zugelassen. Diese Woche fällt das Turnier witterungsbedingt aus. Die Fraktion der Grünen im Niedersächsischen Landtag hält das komplette Turnier in Zeiten der Corona-Pandemie für unangemessen. Veranstalter Helmut Urban und Holger Kreye, stellvertretender Vorsitzender für Fachverbandsangelegenheiten und Leistungssport beim Kreissportbund Oldenburg, verteidigen die Veranstaltung. Die Grünen haben nun eine Anfrage an die Landesregierung gestellt.

Im November vergangenen Jahres begannen die Urban ClassX, bis April sollen sie laufen. Susanne Menge, sportpolitische Sprecherin der Grünen, kritisiert das: „Wenn, aus welchem Grund auch immer, Einzelgenehmigungen möglich sind, für andere aber harte Maßnahmen des Nicht-Sporttreibens gelten, schafft man nicht nur Ungerechtigkeiten innerhalb unserer Gesellschaft, sondern brüskiert alle, die sich an die Regeln halten.“ Sie gönne allen Sportlern die Möglichkeit, Sport auszuüben, halte es jedoch für unangebracht, unter den derzeitigen Rahmenbedingungen ein sechsmonatiges Turnier auszurichten. „Die Akzeptanz von Maßnahmen wird untergraben, wozu politisch Verantwortliche durch solche Entscheidungen selbst beitragen“, sagt sie und bezieht sich damit auf das Niedersächsische Sozialministerium, das der Turnierserie seinen Segen gegeben hat. Sie habe nichts gegen das Reitturnier an sich, aber gegen die Sonderregelung, weil diese Begehrlichkeiten wecke. „Man kann jetzt diskutieren, was Individualsportler sind. Sind beispielsweise Fußballer, die auf einem großen Feld mit Abstand untereinander an ihrer Kondition arbeiten, auch Individualsportler?“, fragt Menge. Sie habe mehrere Anfragen von verschiedenen Sportlern bekommen, warum diese ihren Sport nicht ausüben dürfen.

Profisport ist erlaubt

Eine explizite Einzelgenehmigung, die Susanne Menge in ihrer Anfrage thematisiert, gibt es laut Kreye und Urban nicht. Ein Veranstalter brauche diese nicht, da der Sportbetrieb in der Corona-Verordnung bereits geregelt sei und solche Turniere wie die Urban ClassX – unter Einhaltung der Hygienevorschriften – erlaube. „Wir haben uns mit dem Landkreis und dem Landesministerium abgesprochen und diese haben uns mitgeteilt, dass Wettbewerbe dieser Art möglich sind. Wir haben es also an höchster Stelle abklären lassen, obwohl wir das nicht mal hätten machen müssen. Wir machen diese Veranstaltung ja nicht einfach so“, sagt Urban. Er kritisiert das Vorgehen der Grünen in diesem Fall. „Frau Menge und andere hätten mich oder Herrn Kreye ansprechen und das Konzept vor Ort anschauen können. Es ist schon verwunderlich, warum von den Grünen niemand auf uns zugekommen ist, sondern den Weg über eine Anfrage an die Landesregierung, die sicherlich anderes zu tun hat aktuell, und die Presse geht“, meint er.

Grundlage für alle Veranstaltungen ist die Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen. „Es ist so, dass wir den Bereich Profisport haben, der über Paragraf 16 abgedeckt ist. Da gibt es eigentlich auch keine Diskussionen“, sagt Kreye. Der Paragraf besagt Folgendes: „Der Betrieb und die Nutzung öffentlicher und privater Sportanlagen zum Zweck des Trainings und Wettbewerbs durch Sportlerinnen und Sportler des Spitzen- und Profisports, deren Trainerinnen und Trainer, Betreuerinnen und Betreuer, die jeweiligen Schiedsrichterinnen, Schiedsrichter, Kampfrichterinnen und Kampfrichter, Personen des medizinischen und physiotherapeutischen Personals sowie durch weitere Personen, die für die Durchführung des Trainings oder Wettbewerbs unabdingbar sind, sind zulässig, wenn ein Hygienekonzept vorliegt...“. Entsprechend dürfen Profireiter an den Start gehen und weitere Personen in der Halle dabei sein. „Wir haben ein achtseitiges Hygienekonzept, zwei Hygienebeauftragte, einer war Hauptkommissar bei der Polizei, sorgen vor Ort für die Einhaltung. Wir nehmen das verdammt ernst und wissen um unsere Verpflichtung“, berichtet Urban.

Auf einem Video, das der Veranstalter auf Youtube eingestellt hat und das am vergangenen Wochenende ausgetragene S***-Springen für Berufsreiter zeigt, ist zu sehen, dass mehrere Personen am Rand des Parcours stehen, etwa an der Schranke zum Abreitezelt. Diese tragen Masken, stehen teilweise rund einen Meter voneinander entfernt. „Vier bis fünf Helfer sind im Parcours, die für die Bodenpflege und den Hindernisaufbau zuständig sind, wenn ein Reiter eines reißt. Auch Richter, Hygienebeauftragte oder ich als Veranstalter sind in der Halle. Zudem haben die Reiter Trainer und Betreuer“, erklärt Urban. Diese Personen würden für den Wettbewerb benötigt, die Corona-Verordnung sichere ab, dass diese vor Ort sein dürfen.

Susanne Menge sieht grundsätzliche Probleme bei Veranstaltungen dieser Größenordnung. „Enges Zusammenstehen, Gespräche und so weiter – man kann das bei einem Turnierbetrieb nicht verhindern“, sagt sie. Es sei eben nicht so, dass ein Reiter nach dem anderen einzeln anreise und dann alleine in der Halle reite. „Das ist bei so einem Turnier immer gruppenähnlich“, sagt sie.

Regeln für Individualsport

Im Vergleich zum Profisport gibt es für Amateure strengere Regeln. Urban geht dennoch davon aus, dass künftig auch wieder Amateure bei den Urban ClassX mitmachen dürfen. „Das ist Individualsport. Auf 3500 Quadratmetern in der Halle sind zwei Reitpaare, in der Abreitehalle sind maximal sechs Reiter, jeder hat dort mehr als 100 Quadratmeter Platz“, erklärt Kreye. Der Landkreis habe positiv beschieden, dass das erlaubt ist. „Wir machen das jetzt seit drei Monaten und das Hygienekonzept funktioniert und es ist nichts passiert“, berichtet Urban. Kreye verweist auch hier auf die Corona-Verordnung des Landes. In Paragraf 10 unter Ziffer 7 heißt es, dass Angebote des Freizeit- und Amateursportbetriebs auf und in öffentlichen und privaten Sportanlagen zulässig sind. Das gilt für die sportliche Betätigung im Rahmen des Individualsports allein, mit einer weiteren Person oder den Personen des eigenen Hausstands auf und in diesen Sportanlagen.

Susanne Menge wäre es wichtiger, andere Sportfelder zu öffnen: „Sport sollte Teil der Lösung sein in der pandemischen Lage. Wir sollten den Schwerpunkt auf den Bereich Gesundheitsförderung und auch Nachsorge nach Verletzungen legen, beispielsweise Schwimmen für Menschen mit Rückenproblemen. Auch sollte mehr in den Fokus gerückt werden, dass sich Kinder und Jugendliche bewegen können müssen“, fordert die Grüne.

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