Haus mit Historie

Vermählen statt mahlen

Die Huder Klostermühle hat eine wechselvolle Geschichte und diverse Restaurierungen hinter sich. Einst war sie eine Zwangsmühle, die 1687 die Familie von Witzleben erwarb. Heute dient sie als Trauort.
02.11.2018, 06:54
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Ingo Möllers (Fotos) und Kerstin Bendix-Karsten (Text)
Vermählen statt mahlen

Das Metallrad war ursprünglich an den Seiten mit heimischer Eiche verkleidet, diese fiel aber im Laufe der Jahre ab.

INGO MOELLERS

Der Bach rauscht. Doch die Mühle klappert nicht. Seit mehr als 25 Jahren steht das Rad der Klostermühle in Hude still. Viele Huder würden sich dies anders wünschen. Das weiß Greta von Witzleben, deren Familie Eigentümerin der Klostermühle ist. Oft bekommt sie diesen Wunsch zu hören. Doch das sei einfach nicht machbar. „Wenn das Rad sich dreht, wackelt das ganze Haus“, erklärt die Huder Gutsverwalterin.

Das Problem ist das Metallrad, das Anfang der 1990er Jahre an der denkmalgeschützten Mühle angebracht wurde und nur an den Seiten mit heimischer Eiche verkleidet war. Damals beteiligten sich viele Huder Firmen, um der Klostergemeinde wieder zu einer klappernden Mühle zu verhelfen. Doch das misslang. Die Berechnungen für das Metallrad waren verkehrt. „Die Statik des Gebäudes vertrug sich nicht mit dem zu großen Metallrad“, erklärt Greta von Witzleben. Es bestand die Gefahr, dass die Hauswand einfach herausbricht. Erschwerend hinzu kam ein zweites Problem. Der Wasserdruck hätte für das Rad nicht ausgereicht. Weil die Gemeinde in unmittelbarer Nähe des Baches einen Wanderweg angelegt hatte, war es nämlich unmöglich, Wasser anzustauen, um den erforderlichen Druck für das Rad zu erzeugen. Auch die später neu gebaute Fischtreppe benötigt Wasser, das letztlich dem Rad fehlt.

Damit durch Hude wieder das Klappern der Klostermühle klingt, müsste also ein neues Rad her. Doch das ist nicht vorgesehen. Nicht nur die Kosten hierfür lassen die Gutsverwalterin zurückschrecken. Vielmehr geht es ihr auch um die Frage, wer sich um das drehende Rad kümmern würde. „Wenn Frost ist, muss dieser abgeklopft werden. Und wenn Stöcke und Äste hineinfallen, muss jemand diese herausholen“, erklärt Greta von Witzleben. In früheren Zeiten hat dies der Müller übernommen. Doch den gibt es nicht mehr. Das Rad steht also weiterhin still.

Das tut der Anziehungskraft der Mühle, insbesondere auf Brautpaare, aber keinen Abbruch. In diesem historischen Kleinod geben sich jedes Jahr viele Liebende das Ja-Wort, so wie es im August dieses Jahres auch Greta von Witzleben und ihr Mann Philipp Verpoorten mit Hudes Bürgermeister Holger Lebedinzew als Standesbeamten getan haben. Möglich wurde dies nach der letzten Sanierung der Klostermühle, die in enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz und dem Architekturbüro Angelis & Partner 2010 stattfand. Die Gutsverwaltung suchte einen neuen Pächter und wurde bei der Gemeinde fündig. Der Vertrag läuft nächstes Jahr aus. Da sich die Klostermühle, die zu Pfingsten Besuchern offen steht, als Außenstelle des Standesamtes bewährt hat, dürfte sich ihre Geschichte als Trauort aber darüber hinaus fortsetzen.

Die genaue Geschichte der Huder Mühle ist indes über die Jahrhunderte in Vergessenheit geraten. Weil es bislang keine archäologischen Ausgrabungen gegeben hat, kann über ihren ursprünglichen Standort nur spekuliert werden. Die Familie von Witzleben geht davon aus, dass die erste Mühle an einem kleineren Seitenarm des Huder Bachs stand. Die Reste eines alten Wasserlaufs, der noch in den 1960er Jahren existierte, deuten darauf hin. Belegt ist zumindest, dass Mönche vor circa 700 Jahren mit ihren Händen neben dem Huder Bach einen Mühlenteich ausgehoben haben, der noch heute im Gutspark versteckt liegt. „Der Teich war früher zur Bäke hin offen, damit man ihn stauen konnte“, erläutert Greta von Witzleben. Als die Bäke in den 1960ern begradigt wurde, wurde der Zufluss geschlossen.

Erstmals erwähnt wurde die Mühle 1527. Bei einem Brand wurde sie zwar zerstört, 1542 gelang es aber, sie mit Steinen aus der Klosterkirche wieder aufzubauen. „Die Klosterruine wurde damals als Steinbruch genutzt“, erklärt Greta von Witzleben. Als Graf Anton I. 1547 die Grafschaften Delmenhorst und Oldenburg vereinigte, wurde daraus eine Herrschaftsmühle. Als Zwangsmühle sicherten sich die Grundherren das alleinige Recht zum Bau und Betreiben einer Mühle. Dieses Monopol ging schließlich an Kurt Veit von Witzleben, der 1683 Herr auf Hude und Elmeloh und 1687 offizieller Eigentümer der Mühle wurde.

Das heute noch stehende Gebäude ist jedoch jüngeren Datums. Dendrochronologische Untersuchungen von 2010 belegten, dass es um 1800 errichtet wurde. Der letzte Mühlenpächter legte den Betrieb 1956 nieder. Weil die Mühle 1966 in desolatem Zustand war, wurde kurzzeitig über einen Abriss nachgedacht. Doch so weit kam es nicht. Stattdessen begann 1967 die Restaurierung. Zu großen Teilen wurde das Mauer- und Ständerwerk erneuert und das Backhaus entfernt, das direkt an das Mühlengebäude anschloss. Heute erinnert die Terrasse der Klostermühle noch daran. Deren Boden besteht aus dem ehemaligen Fundament des Backhauses. Auch ein neues Holzrad wurde 1967 angebracht. Dieses ist inzwischen im Mühlenmuseum in Hasbergen. Bis Anfang der 1990er Jahre klapperte es aber in Hude am rauschenden Bach.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+