Waldschäden auf der Großen Höhe

10 000 Borkenkäfer auf einer Fichte

Cajus Julius Caesar, Waldbeauftragter der Bundesregierung, informierte sich bei einem Ortstermin auf der Großen Höhe über aktuelle Waldschäden. Insbesondere Fichten und Buchen haben in diesem Sommer zu leiden.
27.08.2019, 18:11
Lesedauer: 3 Min
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10 000 Borkenkäfer auf einer Fichte
Von Jochen Brünner
10 000 Borkenkäfer auf einer Fichte

Bezirksförster Hubert Brüning erläutert Günter Westermann, Cajus Caesar und Astrid Grotelüschen (von links), welche Schäden der Borkenkäfer bereits an den Fichten auf der Großen Höhe angerichtet hat.

Janina Rahn

Prinzhöfte. „Die Fichten, die jetzt noch grün sind, sind in ein bis zwei Wochen braun“, weiß Bezirksförster Hubert Brüning, der sich im Auftrag der Forstbetriebsgemeinschaft Oldenburg-Delmenhorst um den Wald auf der Großen Höhe kümmert, was auf ihn zukommt. Denn aufgrund des zweiten trockenen Sommers in Folge macht der Borkenkäfer den Bäumen gerade schwer zu schaffen. Bis zu 10 000 Käfer hat Brüning auf einer einzigen Fichte ausgemacht, gut zu erkennen an den kleinen Löchern, die die Schädlinge in die Rinde bohren. Bei einem Ortstermin am Dienstag erläuterte der Förster dem Waldbeauftragten der Bundesregierung, der tatsächlich auf den Namen Cajus Julius Caesar (kein Witz) hört, die Situation. Vermittelt hatte das Treffen die CDU-Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen.

„Nach dem erneuten Dürre-Sommer sind bundesweit rund 120 000 Hektar Wald bereits abgestorben – und täglich kommen neue dazu“, erklärte Caesar die Gesamtsituation. Neben den Fichten habe es in diesem Jahr auch die Buchen schlimm erwischt. „Bei der Fichte sieht man sofort, wenn sie vom Borkenkäfer befallen ist. Die Buche stirbt langsamer. Sie trocknet von oben aus, und wenn das letzte Blatt runter ist, kann man auch das Holz nicht mehr verkaufen“, erläuterte der Wald-Experte. Und Caesar fürchtet, dass viele Bäume so geschwächt seien, dass im Herbst selbst kleinere Stürme große Schäden anrichten könnten. Allein um die aktuellen Schäden zu reparieren, werde es drei bis vier Jahre dauern, wobei auch das erforderliche Saatgut erst beschafft werden müsse.

Auf der Großen Höhe sind nach den Worten Brünings von 200 Hektar Wald etwa fünf bis sieben Hektar betroffen. „Bei uns sind die Probleme nicht ganz so groß, weil wir keine großflächigen Bestände haben, sondern immer nur kleinere Inseln einer einzigen Art“, verdeutlichte er. So fliege der Borkenkäfer nicht weiter als 200 Meter. Und wenn er dann keine neue Fichte fände, richte er auch keinen weiteren Schaden an.

„Man kann den Wald nicht einfach sich selbst überlassen, denn unsere Enkelkinder benötigen ja auch noch Bauholz“, sagte Brüning. Aber auch das Aufforsten um jeden Preis lehnt der Förster ab – vielmehr gelte es, einen gesunden Mittelweg zu finden: So hält er es für eine gute Quote, auf etwa 75 Prozent der Fläche Wirtschaftsbaumarten zu pflanzen. Die restlichen 25 Prozent soll die Natur regeln.

„Jammern hilft nichts, wir brauchen gute Konzepte, um die Situation zu verbessern“, meinte Brüning. Ein Weg könnte sein, weniger wasserhungrige Bäume und mehr klimaresistente Arten wie Küstentanne, Douglasie, Esskastanie oder Roteiche zu pflanzen. Insbesondere die Douglasie verfüge über ein „enormes Leistungspotenzial“ von 15 bis 17 Festmetern Holz pro Jahr und Hektar und sei für die privaten Waldbesitzer auch wirrtschaftlich sehr interessant. Zudem komme es in den Wäldern auf eine gute Mischung an: So würden sich etwa Küstentannen eignen, um sie mit Buchen zu mischen.

Caesar ergänzte, dass es geboten sei, stärker als bisher auf den Standort zu achten: "Die Bäume brauchen jetzt den für sich optimalen Platz, um sich möglichst gut zu entwickeln. Er forderte, nicht nur den finanziell relativ schmalen Waldklimafonds, sondern den gesamten Klimafonds für Maßnahmen in den Wäldern in Anspruch zu nehmen. Schließlich könne man mit Wald dem Klimawandel am besten und am kosteneffektivsten begegnen. 127 Millionen Tonnen Kohlendioxid binde der deutsche Wald jedes Jahr, das entspreche etwa 14 Prozent des jährlichen Ausstoßes, nannte Astrid Grotelüschen konkrete Zahlen.

Günter Westermann, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Oldenburg-Delmenhorst, kann es nach wie vor nicht verstehen, warum die Waldbesitzer Abgaben an die Wasserverbände zahlen müssten, wie es im Landeswassergesetz geregelt ist. „Das ist in den elf Jahren, seit ich Vorsitzender bin, immer Thema gewesen. Aber wir kommen an diesem Punkt einfach nicht weiter“, gab er dem Waldbeauftragten mit auf den Weg. Die entsprechende Gesetzgebung ist in den Bundesländern völlig uneinheitlich geregelt.

Zuvor hatten Grotelüschen und Caesar das Waldpädagogikzentrum Ahlhorn besucht, in dem sich jährlich rund 18 000 Schüler in verschiedenen Angeboten über den „Lebensraum Wald“ informieren.

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