Gelbe-Sack-Challenge

„Abfall zu vermeiden ist gar nicht schwer“

Die erste Gelbe-Sack-Challenge im Landkreis Oldenburg war nach Meinung der Initiatoren ein voller Erfolg. Die Teilnehmer präsentierten sich ausgesprochen kreativ in Sachen Müllvermeidung.
10.12.2019, 15:12
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Von Martin Siemer
„Abfall zu vermeiden ist gar nicht schwer“

Die Preisträger der ersten "Gelben-Sack-Challenge" im Landkreis Oldenburg zeigten sich bei der Müllvermeidung ausgesprochen kreativ.

INGO MöLLERS

Wildeshausen. „Möchten Sie gelbe Säcke mitnehmen?“ Die Kundin vor mir in einem Einkaufmarkt am Westring in Wildeshausen nimmt das Angebot der Mitarbeiterin dankend an. Verständlich, denn in ihrem Einkaufswagen liegen unter anderem jede Menge Obst und Gemüse, fein säuberlich in Plastikfolien verpackt.

Dass es auch anders geht, zeigten jetzt 20 Familien aus dem gesamten Landkreis. Sie beteiligten sich an der ersten „Gelbe-Sack-Challenge“, zu der die Kreisverwaltung aufgerufen hatte. Einen Monat, vom 30. Oktober bis zum 30. November, hatten sie versucht, das Abfallaufkommen in der Familie zu reduzieren. Mit dabei auch drei erste Klassen der Grundschule Hundsmühlen. Die Jungen und Mädchen hatten sich im Unterricht intensiv mit dem Thema Müll beschäftigt. Und auch die Ländliche Erwachsenenbildung Ganderkesee (LEB) beteiligte sich an der Challenge.

Am Montagabend fand im Kreishaus jetzt die Abschlussveranstaltung der „Gelbe-Sack-Challenge“ statt. Christian Wolf, Erster Kreisrat des Landkreises Oldenburg, würdigte das Engagement aller Teilnehmer zur Müllvermeidung. „Sie sind Multiplikatoren. Ich bin überwältigt von Ihrer Einsatzbereitschaft.“ Gewonnen haben die Challenge die beiden Familien Meyer aus Wildeshausen und Hude. Beide Familien sind nicht miteinander verwandt, zeigten sich aber ausgesprochen kreativ in Sachen Abfallvermeidung.

Die Meyers aus Hude, das sind Vater Jörg (39), Mutter Stephanie (35) und die beiden Kinder Janne (14) und Leni (12). Als aktive Feuerwehrleute hatten sie angeregt, beim Laternenlauf auf Einweggeschirr zu verzichten. Was dann auch tatsächlich umgesetzt wurde. Bei Janin Meyer (35) aus Wildeshausen und ihrer Familie hat die Challenge ein Umdenken ausgelöst. Zusammen mit Ehemann Jörn (35) und Tochter Jantje (2) reduzierte sie den Abfall im Familienhaushalt deutlich. „In den vier Wochen der Challenge ist das eigentlich in Fleisch und Blut übergegangen. Bei vielen Sachen muss man gar nicht mehr nachdenken“, erklärte Janin Meyer.

So gebe es jetzt einige Dinge, die in der Familie so nicht mehr gemacht werden. Dazu gehört zum Beispiel, dass sich Jörn Meyer morgens auf dem Weg zu Arbeit keinen „Coffee to go“ mehr holt. „Mein Mann kocht sich den Kaffee jetzt immer zuhause und nimmt ihn im Thermobecher mit.“ Das spart nicht nur Abfall, sondern schont vermutlich auch noch die Haushaltskasse. Dabei stand Jörn Meyer der Challenge eigentlich eher kritisch gegenüber. Schließlich ist der Ingenieur in der Kunststoffindustrie tätig. „Als wir Sonntagmorgens keine Eier zum Frühstück hatten, ist er zur Tankstelle gefahren und hat eine Eierpappe mitgenommen“, erzählte Janin Meyer. Dass man die Eier dort einzeln kaufen konnte, war ihr zuvor nicht bewusst.

Die beiden Siegerfamilien konnten sich über ein Preisgeld von jeweils 500 Euro freuen. Der zweite Platz war mit 300 Euro dotiert und ging an Familie Dobrin-Stein aus Bookholzberg. Unter der Überschrift „Mom goes NO Plastic“ berichteten sie über ihre Erfahrungen bei der Müllvermeidung. Den vierten Platz teilen sich Marie Fels aus Annen (Groß Ippener) und Familie Sperling aus Wildeshausen. Die vier Sperlings führten akribisch Tagebuch und notierten unter anderem, welche umweltschonenden Alternativen es zum Beispiel zu herkömmlichem Shampoo gibt. Marie Fels dokumentierte auf Instagram, wie sie Plastik einspart.

Die Teilnehmer reduzierten jedoch nicht nur die Abfallmenge. Sie zeigten sich auch ausgesprochen kreativ, bastelten aus den alten Materialien neue Dinge oder auch Weihnachtsdeko wie Adventskalender. Und sie stellten viele Sachen des täglichen Lebens selbst her. Dazu zählten Zahnpasta oder Badekugeln. Aber auch Wasch- und Spülmittel wurden zusammengemischt.

Sabrina Grensemann vom Amt für Bodenschutz und Abfallwirtschaft und Rebecca Remke vom Klimaschutzteam des Landkreises freuten sich über die gute Resonanz auf den Challengeaufruf. Vor allem auch, dass sich die Akteure untereinander gut verstanden. Beide berichteten, dass über die Sozialen Medien Kontakte entstanden seien. So wurde etwa gemeinsam Müll gesammelt sowie Brunchpartys mit Foodsharingprodukten und Tauschpartys abgehalten, ganz nach dem Motto „Ich brauche es nicht mehr – aber andere vielleicht schon?“

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