Prozess im Amtsgericht Wildeshausen

Auseinandersetzung eskaliert

Ein junger Mann aus Wildeshausen hat nach einer Auseinandersetzung zunächst auf einen 16-Jährigen geschossen und ihn dann mit einem Messer angegriffen. Das Gericht hat ihn nun verurteilt.
10.01.2019, 13:09
Lesedauer: 2 Min
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Von Martin Siemer

Völlig aus dem Ruder gelaufen ist am Abend des 19. November 2017 eine Auseinandersetzung am Kornweg in Wildeshausen. Ein damals 20-Jähriger schoss dabei mit einer Softairpistole auf einen 16-Jährigen und traf ihn mit zwei 4,5 Millimeter Stahlkugeln im Gesicht. Außerdem attackierte er das Opfer mit einem Messer, dessen Spitze allerdings abgebrochen war. Das Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Wildeshausen verurteilte den heute 21-Jährigen nun zu einer fünfmonatigen Betreuungsweisung.

Detailreich schilderte der Angeklagte dem Gericht das Geschehen am Abend des Vorfalls. Er fühlte sich damals bereits von der allgemeinen Situation in Deutschland bedroht und hatte sich nach eigener Aussage selbst sehr zurückgezogen. „Ich habe nur einen Freund“, sagte er. Im Internet besorgte er sich die Softairwaffe.

Dabei verlief sein bisheriges Leben in geordneten Bahnen. Er absolvierte eine Ausbildung zum Wirtschaftsassistenten und besucht derzeit die Fachoberschule. Mit der Situation am Tattag war er jedoch offenkundig vollkommen überfordert. Seine 15-jährige Schwester hatte an dem Abend eine Freundin und drei junge Männer mit nach Haus gebracht, man wollte Fernsehen. „Mit war das nicht recht, auch weil mein Vater nicht zuhause war“, erzählt der Angeklagte. Letztlich habe er sich dann doch überreden lassen. Im Verlaufe des Abends konsumierten die drei männlichen Gäste dann allerdings Alkohol und rauchten. Auch wurde die Stimmung immer ausgelassener und lauter. Der Angeklagte mahnte zur Ruhe. Er hatte sich in sein Zimmer zurückgezogen.

Gegen Mitternacht forderte er die drei jungen Männer auf zu gehen. Sie nahmen das aber offenbar nicht ernst und entgegneten, dass sie noch mindestens eine Stunde bleiben würden. Da fühlte sich der Angeklagte durch das forsche Auftreten der Gäste unter Druck gesetzt: „Ich sah keine andere Möglichkeit und nahm die Softairwaffe aus dem Schrank.“ Auch das Messer steckte er ein. Als der Angeklagte dann bemerkte, dass die drei männlichen Gäste Bierflasche mit aus der Wohnung nahmen, folgte er ihnen und forderte sie auf, die Flaschen zurückzugeben. Daraus entwickelte sich zunächst eine verbale Auseinandersetzung, die jedoch schnell kippte. Als einer der Gäste auf ihn zukam, schoss der Angeklagte mehrfach mit der Softairpistole.

In Vernehmungsprotokollen der Polizei stand zu lesen, dass er wohl zunächst in die Luft geschossen hätte. Nach eigenen Angaben zielte er dann auf die Beine des vermeintlichen Angreifers. Dieser sagte jedoch als Zeuge aus, dass er hinter einem Kumpel gestanden hätte und telefonierte, als plötzlich eine Kugel sein Smartphone traf. Zwei weitere Kugeln trafen ihn am Kiefer und an der linken Wange. Beide Projektile mussten operativ entfernt werden. Der Zeuge packte daraufhin den Angeklagten, brachte ihn zu Boden und schlug auf ihn ein. Das weitere Geschehen wird vom Zeugen anders geschildert als vom Angeklagten und zwei weiteren Zeugen. Diese sagten aus, dass der Angeklagte erst erneut geschossen hatte, als er attackiert wurde. Zudem war er dem Angreifer gefolgt und hatte ihm von hinten das Messer in den Rücken gerammt. Durch die abgebrochene Klinge gab es zum Glück jedoch nur oberflächliche Hautverletzungen.

Auch wenn sich der junge Angeklagte von der gesamten Situation bedroht fühlte, das Gericht sah keinen Fall der Notwehr gegeben. Vor allem der Angriff mit dem Messer erfolgte zu einem Zeitpunkt, als der Angriff gegen den Angeklagten bereits abgeschlossen war. Die fünfmonatige Betreuungsweisung wird der heute 21-Jährige bei dem Verein „Brücke“ absolvieren. Der Verein bietet ambulante Angebote nach dem Jugendgerichtsgesetz und betreut in diesem Rahmen junge Straftäter und Straftäterinnen von 14 bis 21 Jahren.

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