Neue Beratungsstelle in Wildeshausen

Wenn Bürokratie das Ehrenamt verleidet

Im Landkreis Oldenburg gibt es ein neues Hilfsangebot für Ehrenamtliche. Die Beratungsstelle Ehrenamt soll eine bedarfsgerechte Unterstützung bieten. Sabine Düver ist die Ansprechpartnern vor Ort.
27.08.2020, 17:21
Lesedauer: 3 Min
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Von Martin Siemer
Wenn Bürokratie das Ehrenamt verleidet

Sabine Düver, Dieter Brüggmann, Thorben Kienert und Carsten Harings (von rechts) stellten die neuen Beratungsstelle Ehrenamt vor.

Ingo Möllers

Ehrenamtliche Arbeit wird immer mehr von Bürokratie begleitet. Das stellt viele Ehrenamtliche vor Probleme oder hindert sie sogar daran, sich weiter ehrenamtlich zu engagieren. Abhilfe soll jetzt die Beratungsstelle „Ehrenamt“ schaffen, die seit dem 1. Juli bei der Freiwilligenagentur „Misch-Mit“ in Wildeshausen am Mühlendamm 1 angesiedelt ist. Am Mittwoch stellten Misch-Mit-Vorsitzender Dieter Brüggmann und Thorben Kienert, Leiter der Freiwilligenagentur, gemeinsam mit der Ansprechpartnerin und Beraterin Sabine Düver und im Beisein von Landrat Carsten Harings das neue Angebot vor. Der Landkreis beteiligt sich an der Finanzierung mit einem jährlichen Zuschuss in Höhe von 50 000 Euro und einem einmaligen Sachmittelzuschuss in Höhe von 10 000 Euro. Für die Beratungsstelle ist zunächst eine dreijährige Pilotphase geplant.

Sabine Düver möchte eine ziel- und bedarfsgerechte Unterstützung für alle Ehrenamtlichen bieten. „Die Tradition, sich in einem Ort ehrenamtlich in Vereinen zu betätigen, hat sich geändert. Es ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Und die Anforderungen an Vereinsführungen sind gestiegen, denkt man nur an die Regelungen für die Datenschutz-Grundverordnung“, sagte Düver. Die ausgebildete Juristin und Mediatorin gibt deshalb Hilfestellung und Beratung zu Ehrenamts- und Vereinsrecht und zur Vereinsführung. Sie unterstützt in der ehrenamtlichen Arbeit. Und Düver plant Weiterbildungsangebote zu einzelnen Themenbereichen. Allerdings gibt es keine direkte Rechtsberatung, zum Beispiel zur Satzung oder bei Streitigkeiten. „Ich werde keine Satzung erstellen“, betonte sie.

Die Beratungen können in Einzelterminen oder auch mit einer Gruppe erfolgen. Dafür stehen im Beratungszentrum am Mühlendamm ein eigenes Büro, aber auch ein Gruppenraum zur Verfügung. Bei Bedarf und nach Absprache kommt Sabine Düver aber auch in die Vereine und Organisationen vor Ort. Zudem gibt es montags, mittwochs und donnerstags jeweils von 10 bis 12 Uhr und dienstags von 16 bis 18 Uhr feste telefonische oder persönliche Beratungszeiten. Die Beratungen sind kostenfrei.

Die Themen, die die Ehrenamtlichen betreffen, sind vielfältig. Haftungsfragen im Verein, Spenden, Datenschutz, Vereinsgründung oder -auflösung, Öffentlichkeitsarbeit oder die Gewinnung ehrenamtlicher Vorstände sind nur einige Bereiche, in denen es oftmals Beratungsbedarf gibt. „Ich möchte die Bürger ermutigen uns aufzusuchen, damit diese Beratungsstelle so wird, wie die Ehrenamtlichen sie brauchen“, wirbt Düver.

Dass die Beratungsstelle Ehrenamt bei der Freiwilligenagentur angesiedelt ist, liegt auch an der erfolgreichen Ehrenamtsarbeit von Misch-Mit. Seit 2012 vermittelt die Agentur Ehrenamtliche in Institutionen, Vereine und Organisationen, zunächst nur in Wildeshausen und Dötlingen. Mittlerweile gibt es auch Angebote in den Gemeinden Großenkneten, Hatten und der Samtgemeinde Harpstedt.

Zwar hat der Verein Ehrenamtlichen schon immer beratend zur Seite gestanden, doch 2016 gab es aus dem Kreis-Landfrauenverein die Anregung für eine feste Beratungsstelle. Auch dort hatte man die immer größer werdende Bürokratie bemerkt und um Hilfe gebeten. „Den Faden habe ich gerne aufgenommen“, sagte Carsten Harings. In den politischen Gremien des Kreistags gab es dabei durchaus auch kritische Stimmen. So wurde zum Beispiel eine Doppelstruktur gesehen, weil unter anderem die Sportverbände schon über ähnliche Angebote verfügen. „Viele Ehrenamtliche finden sich aber außerhalb dieser Strukturen. Auch die müssen wir erreichen“, sagte Harings.

Für Thorben Kienert ist die neue Beratungsstelle eine sinnvolle Ergänzung zur Arbeit der Freiwilligenagentur. „Hier kann man viel mehr in die Tiefe gehen. Wir stoßen in unserer normalen Arbeit da oftmals an Grenzen.“ Sabine Düver ist selbst im Vorstand eines größeren Vereins tätig und nimmt zudem in ihrer Heimatgemeinde Barnstorf die Aufgaben einer Schiedsfrau wahr. Dass sie nicht im Landkreis Oldenburg lebt, sieht sie als Vorteil. „Ich bin nicht in irgendwelche Seilschaften eingebunden, sondern komme von außen dazu.“

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