Historisches Wildeshausen

Ein Fehler mit Folgen

Von 1915 bis 1922 existierte in Wildeshausen ein Luftschiffhafen, Warum dieser nicht von Dauer war, erläuterte der Heimatforscher Peter Hahn am Dienstag in der Reihe „Geschichte im Rathaus.“
23.10.2019, 14:43
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Von Alexandra Wolff
Ein Fehler mit Folgen

Der Luftschiffhafen Strahlmann in Wildeshausen von 1915 bis 1922.

Bürger- und Geschichtsverein Wildeshausen

„Wildeshausen! Luftschiffhafen! – Ei, wer hätte das gedacht!“ Nach diesem Zitat des Wildeshauser Autors Fritz Strahlmann benannte der Heimatforscher Peter Hahn seinen Vortrag über den Luftschiffhafen, den es von 1915 bis 1922 in Wildeshausen gab. Alles war gut durchdacht, doch Hahn machte in seinem Vortrag im Rahmen der Reihe „Geschichte im Rathaus“ am Dienstag auch deutlich, dass es einen entscheidenden Baufehler gab.

Doch zunächst zeigte Hahn Luftbilder von Wildeshausen, die teilweise noch aus den 60er Jahren stammten und Gebäude zeigten, die es so nicht mehr gibt. Der Luftschiffhafen, der sich auf der Bargloyer Straße und bis an die Visbeker Straße heranführte, sollte die erste Garnison in Wildeshausen werden. „Die ersten Soldaten kamen schon vor dem 30-Jährigen Krieg nach Wildeshausen“, erläuterte Hahn. „Aber zum ersten Mal sollten militärische Einheiten untergebracht werden.“ Und so wurde gleich ein Luftschiffhafen gebaut. „Bei der Marine ist alles, was fährt, ein Schiff“, fuhr der gebürtige Hamburger fort. „Deswegen heißt ein Luftschiff so, weil es in der Luft schwimmt.“ Der Volksmund nannte sie ob ihrer Form auch mal „fliegende Zigarren“. Die drei verschiedenen Luftschifftypen hießen Zeppelin (nach ihrem Erfinder Ferdinand Adolf Heinrich August Graf von Zeppelin), Schütte-Lanz (nach dem gleichnamigen Luftschiffbauunternehmen, beziehungsweise dessen Leitern Karl Lanz und Johann Schütte) und Parseval (nach ihrem Erbauer August von Parseval).

An den Seiten hingen ungefähr 50 Meter lange Haltetaue herab, an denen gut 50 Männer das Luftschiff beim Landen nach unten und in die Halle ziehen konnten. „Ein Luftschiff muss immer in einer Halle untergebracht werden“, wusste Hahn zu berichten. „Sonst kann es bei Sturm wegwehen.“

Dass in Wildeshausen ein Luftschiffhafen entstehen sollte, lag daran, dass es weit genug weg von der Küste war und es dort dennoch häufig neblig ist. „Sonst hätten die Engländer alles ausspionieren können“, sagte der Wildeshauser während seines Vortrags. „Außerdem war es ein freies, trockenes Gelände mit Anbindung an die Bahn und Elektrizität.“ 1915 wurde dann der Vertrag zum Bau eine Halle unterzeichnet. "Allein die Stahlträgerkonstruktion wog 1300 Tonnen. Dazu kamen noch die Betonplatten für die Abdeckung“, fügte Hahn hinzu. 60 000 Kubikmeter Erde mussten geräumt werden – alles mit Muskelkraft, denn Bagger gab es damals noch nicht. Also alles gut durchdacht? „Am 18. Juli 1916 wurde das erste Luftschiff erwartet. Das Bodenpersonal stand bereit und es rächte sich, dass die Halle nicht in die vorherrschende Windrichtung gebaut wurde. Erst beim zweiten Anflug gelang es den Männern, das Luftschiff in die Halle zu ziehen.“ An einen regelmäßigen Flugverkehr war also nicht zu denken. Auch bei Kriegseinsätzen passierte es immer wieder, sodass die Kapitäne sich teilweise gegen Wildeshausen entschieden. Zum Glück für sie gab es in Ahlhorn ebenfalls eine solche Halle, in die sie ausweichen konnten. Nach Ende des Krieges wurde der Luftschiffhafen schließlich verkauft. Geblieben sind nur das alte Kommandogebäude und der Pferdestall.

Und ein paar Straßennamen im Nordwesten der Stadt erinnern sogar noch heute an den Luftschiffhafen. „Niemand erwartet auf der Geest maritime Straßennamen“, sagte er und zeigte dazu Fotos von Straßenschildern der Kapitän-Lehmann-Straße, der Kapitän-Strasser-Straße oder auch der Marinestraße. „Einige der Straßen dort wurden nach den bedeutendsten Luftschifffahrtskapitänen benannt.“

Sein Interesse für die Luftschifffahrt entwickelte Peter Hahn als er 1961 von Hamburg nach Wildeshausen zog. „Ich habe mich dann früh für die Geschichte der Stadt interessiert“, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. „Ich bin als Fallschirmjäger hierhergekommen.“ Aber auch Referate über Kirchenbau und die Landschaftsentwicklung der Wildeshauser Geest gehören zu seinem Repertoire.

Den Vortrag über die Luftschifffahrt hat das aktive Mitglied im Heimatverein Düngstrup und in Wildeshausen bereits vor zwölf und vor 15 Jahren schon einmal gehalten – und mit der Zeit immer etwas ergänzt. Deswegen hatte er auch am Ende seines Vortrags dazu aufgerufen, sich beim Veranstalter des Abends, dem Bürger- und Geschichtsverein Wildeshausen zu melden, wenn sich auf dem Dachboden, im Keller oder irgendwo anders noch etwas findet, was an den Luftschiffhafen erinnert.

Der nächste Vortrag aus der Reihe „Geschichte im Rathaus“ findet am Dienstag, 12. November, wieder im alten Rathaus in Wildeshausen statt. Der Vortrag „Die Entwicklung der Laienchöre in Nordwestdeutschland – Problematik der Männerchöre und Lösungsansätze für die Zukunft“ beginnt um 20 Uhr. Es spricht Carl-Mathias Wilke, der ehemalige Präsident des Chorverbandes Niedersachsen-Bremen.

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