Erweiterung von Agrarfrost

Industrie hat Vorrang vor Windenergie

Repowering von Windkraftanlagen oder Erweiterung von Agrarfrost in Aldrup bei Wildeshausen. Vor dieser Entscheidung stand der Stadtrat während seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause.
16.07.2020, 19:03
Lesedauer: 2 Min
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Von Martin Siemer
Industrie hat Vorrang vor Windenergie

In der Frage, ob Agrarfrost erweitern darf oder die Windenergieanlagen erneuert werden, votierte die Wildeshauser Politik pro Kartoffelverarbeiter Agrarfrost.

INGO MöLLERS

Wildeshausen. Der Lebensmittelproduzent Agrarfrost in Aldrup kann seine Produktionsstätten erweitern. Der Rat der Stadt Wildeshausen stimmte auf seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause mehrheitlich für die Satzung des entsprechenden Bebauungsplanes und für einen städtebaulichen Vertrag, den die Stadt mit Agrarfrost geschlossen hatte. Drei Abgeordnete stimmten gegen den Beschluss, neun enthielten sich der Stimme.

Über die Aufstellung des Bebauungsplanes hatte es im Vorfeld, wie berichtet, lange kontroverse Diskussionen in der Politik gegeben. Grund ist das bereits 2015 beantragte Repowering zweier Windenergieanlagen in unmittelbarer Nähe von Agrarfrost.

Hatte die Politik im Fachausschuss 2015 noch einstimmig für die Aufnahme der Repowering-Planungen gestimmt, wurden diese in der Folge mehrfach im nicht öffentlichen Verwaltungsausschuss gestoppt. Auch der letzte Antrag von Hermann Hitz (UWG), die Planungen für die Windenergieanlagen wieder aufzunehmen, scheiterte. Hitz hatte zudem beantragt, die endgültige Entscheidung darüber im Rat zu fällen. Auch diese wurde vom Verwaltungsausschuss abgelehnt. Wolfgang Sasse, Fraktionsvorsitzender der CDU im Wildeshauser Stadtrat, wies im Gespräch mit unserer Zeitung darauf hin, dass der Verwaltungsausschuss keine andere Möglichkeit hatte, so zu entscheiden, da der Rat für diese Planungen nicht zuständig sei. Im Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetz wird aber ausgeführt, dass der Verwaltungsausschuss durchaus entscheiden kann, Beschlüsse durch den Rat fällen zu lassen.

2017 hatte es aus dem Hause Agrarfrost eine Parteispende in Höhe von 16 000 Euro an die CDU gegeben. Sasse hatte während der Ratssitzung bestritten, dass der CDU-Stadtverband dieses Geld erhalten habe. Eine Nachfrage bei der CDU-Bundesgeschäftsstelle wurde mit dem Verweis auf die öffentlich einsehbaren Rechenschaftsberichte beantwortet. Dort ist die Agrarfrost-Parteispende ausgewiesen. Eine erneute Anfrage mit der Bitte um Angabe des Zahlungsempfängers der Parteispende blieb bis zur Drucklegung dieser Ausgabe unbeantwortet.

In einem Facebook-Eintrag hatte Sasse zudem betont, immer gegen die Windkraftanlage gestimmt zu haben. Dies stimmt jedoch nicht. 2015 hatte Sasse ebenfalls für das Repowering gestimmt.

Dass beide Vorhaben, Windkraft und Agrarfrost-Erweiterung, nicht zusammen realisiert werden können, liegt offenkundig an den Bedenken des Kartoffelproduzenten. Man befürchtet durch die Windenergieanlagen Einschränkungen bei der Entwicklung des Unternehmens. Dieses ist bei den bestehenden Planungen jedoch nicht der Fall. Das ist auch den Gutachten zu entnehmen, die beim Antrag zum Repowering erstellt wurden. Erst wenn Agrarfrost über die jetzt geplanten Flächen hinaus erweitern würde, könnte es Konflikte geben. Dazu müsste Agrarfrost jedoch zusätzliche Flächen erwerben, die derzeit zum Teil im Eigentum der Betreiber der Windenergieanlagen stehen. Allerdings hatte das Aldruper Unternehmen auch einen angebotenen Flächentausch abgelehnt.

Agrarfrost plant aktuell eine Erweiterung des Lagervolumens und der Kühlkapazitäten. Der Wildeshauser Kartoffelproduzent beschäftigt an den Standorten Aldrup und Oschersleben rund 800 Mitarbeiter. In den Jahren 2017 und 2018 hatte das Unternehmen bei den eigenproduzierten Kartoffelprodukten mit Umsatzrückgängen zu kämpfen. 2018 lag der Absatz im Inland 3,3 Prozent unter dem des Vorjahres, der Inlandsumsatz ging um 16 Prozent zurück. Der Auslandsumsatz ist im Vergleich zum Jahr 2017 um 4,9 Prozent gesunken. Einzig der Vertriebsbereich Snacks legte 2018 um 13 Prozent zu, der Umsatz stieg in diesem Segment um 8,4 Prozent.

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