Schaffermahl in Wildeshausen

Gilde will Brexit verhindern

Rund 130 Gäste feierten am Mittwochabend das Wildeshauser Schaffermahl. Als Ehrengast vertrat der Landtagsabgeordnete Karl-Heinz Bley den Minister Björn Thümler. Anders als in Bremen waren auch Frauen geladen.
21.03.2019, 15:07
Lesedauer: 3 Min
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Von Martin Siemer
Gilde will Brexit verhindern

Als Ehrengast beim Schaffermahl begrüßte Jens Kuraschinski (2.v.r.) den Landtagsabgeordneten Karl-Heinz Bley (3.v.l.).

MöLLERS

Es sind nur noch wenige Tage bis zum Brexit. Und während die Politiker in Großbritannien und der EU schwer um eine einvernehmliche Lösung ringen, scheint aus Wildeshausen ein neuer Hoffnungsschimmer aufzuziehen. Beim 42. Schaffermahl der Wildeshauser Schützengilde und der Stadt Wildeshausen am Mittwochabend regte Gildegeneral und Bürgermeister Jens Kuraschinski an, das Unterhaus im britischen Parlament durch das Unterhaus des Offizierskorps zu ersetzen. Damit sollte in letzter Minute der Brexit abgewendet werden. Während die Idee mit dem Unterhaustausch als Ulk zu verstehen war, schlug Kuraschinski in seiner Rede aber auch ernste Töne an: „Das was Europa die letzten Jahre ausgezeichnet hat, waren doch Verlässlichkeit, Wachstum, Stabilität sowie Sicherheit.“

Insgesamt begrüßte der Gildegeneral im Rathaussaal am Mittwochabend etwa 130 geladene Gäste aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und dem gesellschaftlichen Leben. Unter ihnen als Ehrengast der niedersächsische Landtagsabgeordnete Karl-Heinz Bley, der für den verhinderten Wissenschafts- und Kulturminister Björn Thümler eingesprungen war. Landrat Carsten Harings und sein Allgemeiner Stellvertreter Christian Wolf waren ebenfalls der Einladung gefolgt.

Für die Gilde-EU-Rettungsmission hatte Kuraschinski bereits einen exakten Aktionsplan ausgearbeitet. Das Unterhaus des Offizierskorps sollte sofort unter der Leitung von Leutnant Thomas Seyffart zu einer Dienstreise nach London oder Brüssel aufbrechen. Seyffart wurde auserkoren, weil er als Kommissar bei der Polizei Bremen entsprechende Erfahrungen mitbringt und die Verhandlungen in Brüssel führen sollte. Detlef Hohn, seines Zeichens Hauptmann der Wachkompanie der Gilde, übernimmt den Vorsitz im britischen Unterhaus. „Bis zum 28. März sollte der Exkurs reichen, den Brexit ein für alle Mal abzuwenden oder ein neues Referendum einzuleiten“, hoffte Kuraschinski.

Damit die britischen Unterhausabgeordneten nicht gänzlich untätig bleiben, würden sie sich im Wildeshauser Rathaussaal um die Ausgestaltung des kommenden Gildefestes kümmern. „Ich freue mich schon auf die Diskussionen zwischen dem Oberhaus der Gilde und dem britischen Unterhaus", meinte Wildeshausens Bürgermeister.

Mit Blick auf die bisherigen Verhandlungen zum Brexit und den vorhandenen Unwägbarkeiten zog es Kuraschinski letztlich dann doch vor, das Unterhaus des Offizierskorps in der Kreisstadt zu behalten: „Ich möchte mein geliebtes Gildefest in althergebrachter Weise mit klassischen Strukturen und Abläufen feiern. Diese feste Strukturen und Abläufe zeichnen die Gilde gerade in unserer heutigen unruhigen Zeit immer wieder aus." Auch Gildeoberst Willi Meyer meldete sich zu Wort. Er hatte zwei bemerkenswerte Feststellungen in seine Rede verpackt. „De besten Tieten sünd Mahltieten“, betonte er. Und dass Wasser nicht zum Trinken da sei. Sonst hätte der liebe Gott nicht so viel davon gesalzen.

Anschließend unternahm der niedersächsische Landtagsabgeordnete Karl-Heinz Bley in seinem Festvortrag einen Ausflug durch die Kultur im ländlichen Bereich. Nicht ohne eine spitze Bemerkung in Richtung Gleichstellung. Das Bremer Schaffermahl war vor wenigen Wochen aufgrund des geringen Frauenanteils in die Schlagzeilen geraten. Beim Wildeshauser Schaffermahl sind Frauen seit jeher eingeladen. Auch wenn die Gilde selbst keine weiblichen Mitglieder aufnimmt und es damit auch keine weiblichen Schaffer geben kann. „Selbstverständlich werde ich heute nicht darauf drängen, an den Jahrhunderte alten Statuten der Wildeshauser Gilde zu rütteln und Schafferinnen auch offiziell zuzulassen. Alles hat seine Zeit. Das Jahrtausend ist ja noch jung“, sagte Bley. Außerdem war er persönlich der Meinung, dass das Gildefest auch hervorragend funktioniere, ohne dass Frauen Schafferinnen werden.

Einige unterhaltsame Anekdoten aus dem Gildeleben steuerte Friedrich Ahlers, Gilde-Offizier und Plattdeutschbeauftragter der Stadt, bei. So schilderte er, wie ihm 1985 als frisch gewähltem Schaffer sein Zylinder mit Mooskranz abhanden kam. Er konnte das gute Stück am darauf folgenden Tag auf der Polizeiwache abholen. Einige Wildeshauser Deerns hatten die Gaudi eingefädelt und dazu eigens die Polizeibeamten mit ins Boot geholt.

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