Migrationssozialarbeit im Landkreis

Integration bleibt Mammutaufgabe

Aktuelle Daten zeigen, dass die Zahl der Arbeitsmigranten neben den Asyl- und Schutzsuchenden kontinuierlich zunimmt. Damit steht auch die Integrationsarbeit im Landkreis vor neuen Herausforderungen.
21.11.2019, 15:33
Lesedauer: 3 Min
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Von Martin Siemer
Integration bleibt Mammutaufgabe

Neben der Sprache gibt es noch weitere Barrieren, die auf dem Weg zur Integration abgebaut werden müssen (Symbolfoto).

Bernd Wüstneck/DPA

Im Landkreis Oldenburg lebten am Stichtag 31. Dezember 2018 insgesamt 11 589 Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit, darunter 2512 Asyl- und Schutzsuchende und 5111 Arbeitsmigranten. Allein die letzte Zahl, immerhin ein Anteil von 43 Prozent, macht deutlich, dass sich der Schwerpunkt der Integrationsarbeit weiter verlagern wird. Dies war auch Thema während der Sitzung des Integrations- und Gleichstellungsausschusses des Landkreises Oldenburg in dieser Woche.

Saskia Kamp, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Delmenhorst/Oldenburg-Land, und Kirchenkreis-Sozialarbeiterin Anastasia Warkentin berichteten im Ausschuss über die Migrationssozialarbeit. Der Ausschuss hatte im Juni des vergangenen Jahres die weitere Fortführung der Kooperation mit dem Diakonischen Werk bei der Flüchtlingssozialarbeit beschlossen. Damit verbunden war die Ausweitung der Arbeit auf die zugewanderten Menschen aus den osteuropäischen EU-Beitrittsländern. Viele von ihnen, vor allem Bulgaren und Rumänen, sind etwa bei Schlachthöfen in Großenkneten und Wildeshausen beschäftigt. Warkentin schilderte, dass der Zugang zu diesen Menschen sehr schwierig sei. Mittlerweile gibt es unter den acht Flüchtlingssozialarbeitern, die landkreisweit im Einsatz sind, mehrere, die Bulgarisch oder Rumänisch sprechen. „Dadurch werden die Kontakte jetzt immer mehr“, zeigte sich Warkentin erfreut.

„Das Problem liegt im Zugang dieser Menschen zum Arbeitsmarkt“, ergänzte Saskia Kamp. Die meisten würden in prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt. „Wenn einer drei Tage krank ist, dann wird ihm gekündigt“, nannte sie als Beispiel. Viele dieser Menschen versuchten dann, möglichst geräuschlos eine neue Beschäftigung zu finden. Ein großes Problem sieht die Diakonie-Geschäftsführerin auch darin, dass die Arbeitsmigranten erst nach einer fünfjährigen Tätigkeit in Deutschland Anspruch auf Sozialleistungen haben.

Eine weitere Herausforderung ist die Entwicklung der Wohnsituation der Arbeitsmigranten. Ute Frankenfeld, Integrationsbeauftragte des Landkreises Oldenburg, berichtete, dass sich diese Probleme aufgrund der angespannten Wohnungsmärkte in Wildeshausen und Großenkneten auch auf andere Landkreisgemeinden ausdehne. In der Gemeinde Dötlingen wird zurzeit ein ehemaliges Hotel und Gasthaus zu einer Wohnunterkunft für bis zu 65 Rumänen umgebaut. In Brettorf sind aktuell 20 Rumänen untergebracht. Im Fokus stehen die privat vermieteten Unterkünfte. Hier sind oftmals mehrere Erwachsene auf engstem Raum untergebracht, teilweise zu überhöhten Mietpreisen.

Frankenfeld berichtete, dass einheitliche Standards für die Wohnungen und regelmäßige Kontrollen Abhilfe schaffen könnten. Kreszentia Flauger (Die Linke) wollte wissen, wie dies rechtlich bei Privatwohnungen möglich sein soll. „Das Baurecht ist ein scharfes Schwert“, antwortete Christian Wolf, Erster Kreisrat und Rechtsdezernent des Landkreises. So könne der Landkreis Brandschutzvorgaben überprüfen und die Anzahl der in der Wohnung lebenden Menschen. Allerdings ist die Kreisverwaltung auf Informationen aus der Bevölkerung angewiesen.

Die Integrationsbemühungen laufen aber nicht nur über die amtlichen Strukturen, sondern auch in anderer Richtung. In Wildeshausen gibt es zum Beispiel eine privat initiierte bulgarische Schule, in der bulgarische Kinder ihre Muttersprache lernen. Unterrichtet werden auch bulgarische Geschichte, Literatur und Geografie. Auf den ersten Blick mag das unverständlich erscheinen, ergibt aber langfristig einen Sinn. „Die Kinder, die freiwillig Sonnabend und Sonntag in die Schule kommen, müssen ihre Wurzeln behalten. Wir legen die Grundlagen, wenn die Familien nach drei oder fünf Jahren in ihre Heimat zurückkehren“, berichtet Elica Cheng. Die gebürtige Bulgarin, die seit 20 Jahren in Deutschland lebt und hier studiert hat, ist Vorsitzende des Trägervereins der Schule. Gebe es das Schulangebot nicht, hätten die Kinder und Jugendlichen aller Voraussicht nach Probleme, sich in der Heimat wieder zurechtzufinden.

Insgesamt werden zurzeit in Bremen, Bremerhaven und Wildeshausen 95 bulgarische Kinder von neun Lehrkräften unterrichtet. Der bulgarische Staat trägt einen Teil der Kosten. In Wildeshausen hat die Volkshochschule Räume kostenlos zur Verfügung gestellt.

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