„Integration läuft“

„Integration läuft“ 24 Stunden lang

Was haben Laufsportler aus China, Syrien, Afghanistan und Deutschland gemeinsam? Sie rennen beim 16. Burginsellauf in Delmenhorst. 24 Stunden lang für eine gute Sache.
18.06.2019, 17:31
Lesedauer: 2 Min
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Von Ilias Subjanto
„Integration läuft“ 24 Stunden lang

Haben Spaß beim Warm-up des Projekts "Integration läuft": Hussein Rahimi, Ishaq Haideri, Amiri Mokhtar, Martin Klinger, Xie Chunyan, Ali Alomar, Frishta Soroush, Julia Gunder und Omari Qaisidin (von links, in den Lauftriktots). Bürgermeister Jens Kuraschinski und die Leiterin des Polizeikommissariats Wildeshausen Gerke Stüven (ganz links) spenden schon einmal Applaus.

Janina Rahn

„Ja, wo laufen Sie denn?“, lautet die Frage in einem bekannten Zeichentrickfilm von Loriot. Im Falle von Polizeioberkommissar Martin Klinger und seinem Projekt „Integration läuft“ ist die Antwort recht einfach: beim 24-Stunden-Burginsellauf in Delmenhorst.

Die fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Chemnitz hatten den Wildeshauser Präventionsbeauftragten Klinger im vergangenen Jahr aufgewühlt. Das ist nicht das Deutschland, das ich sehen möchte, habe er damals gedacht. Er stellte sich die Frage, wie man eine Botschaft von Vielfalt, Respekt und Toleranz senden könnte.

Im Wildeshauser Präventionsrat kam man schließlich auf die Idee, diese Botschaften auf sportlichem Wege zu vermitteln – konkret: Durch eine Teilnahme bei der 16. Auflage des Burginsellaufs mit einem internationalem Team. Bei der Diakonie und in den Integrationskursen der Volkshochschule machte sich Klinger auf die Suche nach Läufern für sein Projekt. So stellte er schließlich ein „Mixed Team“ zusammen: Drei Frauen und sieben Männer im Alter von 18 bis 44 Jahren aus China, Syrien, Afghanistan und Deutschland.

„Die zehn Teilnehmer kannten sich vorher nicht, und sie haben alle einen Wildeshauser Bezug“, berichtet der Präventionsbeauftragte, der auch die Bemühungen des Teams würdigt, sich in die Gesellschaft einzugliedern: „Alle sind toll integriert: Sie machen Deutschkurse, absolvieren eine Berufsausbildung oder arbeiten hier.“ Einfach zu sagen „Integriert euch!“ funktioniere so nicht, betont Klinger. Man müsse auch die Chance zur Integration geben. Hier stelle dieses Projekt, das für den Präventionsrat das erste seiner Art sei, nur einen Tropfen auf den heißen Stein dar. „Aber wenn jeder mitmacht, wird Chemnitz sich nicht wiederholen“, ist Klinger sich sicher.

Am Montag bekamen die Teilnehmer von „Integration läuft“ ihr offizielles Equipment ausgehändigt: Lauftrikot, Sportschuhe und Namensschild. Dies geschah mit aktiver Unterstützung von Beverley Sasse. Die Inhaberin von BS Sportartikel & Textildruck stellte die Ausrüstung zu einem fairen Preis zur Verfügung. Der Präventionsrat kommt für das Startgeld auf. Hilfe kam auch vom Kreissportbund: Mareike Appel stellte Förderanträge beim Landessportbund, so dass die Laufgemeinschaft sich über Zuschüsse in Höhe von 1250 Euro freuen durfte. Dieser Betrag deckt sämtliche entstandenen Kosten, der Rest kommt einem gemeinnützigen Zweck zugute.

„Spaß haben und Leute kennenlernen“, beschreibt der Syrer Ali Alomar die Beweggründe für seine Teilnahme. Auch sein älterer Bruder Ahmad wird beim Burginsellauf dabei sein. Bei der Übergabe der Ausrüstung fehlt er, da er als Auszubildender Unterricht an der Berufsschule hat. Für beide ist es die erste große Laufveranstaltung, Oberkommissar Klinger hingegen ist schon ein „alter Hase“. Es ist sein vierter Burginsellauf, sonst war er immer mit der Polizeigruppe am Start.

Am 22. Juni um 12 Uhr fällt der Startschuss für die Mannschaft von „Integration läuft“ und die anderen insgesamt 56 Teams in der Kategorie „Mix“, bei der 30 Prozent der Teammitglieder Frauen sein müssen. In einer festgelegten Reihenfolge ist immer jeweils ein Läufer mit dem Staffelstab auf der Strecke um die Burginsel unterwegs, und das 24 Stunden lang. Kein Zuckerschlecken für die Teilnehmer, von denen viele an ihr Limit gehen müssen.

Bürgermeister Jens Kuraschinski, der zugleich Vorsitzender des Präventionsrates ist, weist darauf hin, dass die Organisation und die Vorbereitung für das Team um Martin Klinger ebenfalls viel Arbeit bedeutet hat. „Das ist nicht mit einem Fingerschnippen getan“, sagt er und bedankt sich herzlich bei allen Beteiligten.

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