Kippenfreies Wildeshausen 2500 Kippen in einer Stunde

Milliarden Zigarettenkippen verschmutzen unsere Umwelt. In Wildeshausen sammelten am Sonnabend Bürger mehreren tausend Kippen. Spezielle Sammelbehälter sollen künftig die Vermüllung reduzieren.
21.09.2020, 09:28
Lesedauer: 3 Min
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Von Martin Siemer

Die Vermüllung von Städten und Landschaft schreitet immer weiter fort. Einen Anteil daran haben Zigarettenkippen, die von den Rauchern achtlos weggeworfen werden. Weltweit fallen jährlich 4300 Milliarden Zigarettenkippen an.

Auch in Wildeshausen finden sich auf den Straßen und Plätzen zahlreiche dieser Hinterlassenschaften. Am vergangenen Sonnabend waren zahlreiche Menschen in der Wildeshauser Innenstadt unterwegs, um Zigarettenkippen einzusammeln. Die Aktion fand anlässlich des dritten „World Cleanup Days“ statt, bei dem weltweit Menschen ihre Umwelt von Müll und Unrat säubern.

Mit Eimer und Greifzange

Die Kippensammelaktion in Wildeshausen wurde von Jens Fröhlke, Majken Hjortskov, Bastian Lahrmann, Christian Suhr und Matthias Kluck initiiert. Und überraschend viele Wildeshauser beteiligten sich daran. Mit Eimern, Greifzangen und Handschuhen ausgestattet sammelten sie unter anderem auf Wester- und Huntestraße, auf der Bahnhofsstraße und im Burgbergpark weggeworfene Zigarettenkippen auf. Ein Sammeltrupp hatte bei 2500 Kippen aufgehört zu zählen.

Der Wildeshauser Buchhändler Jens Fröhlke hat seit mehreren Monaten dieser Kippenflut den Kampf angesagt. In den vergangenen zwölf Wochen hat er in der Wildeshauser Innenstadt bereits mehrfach das Umfeld seines Buchladens am Markt abgesammelt. „Ich schätze mal, dass alleine das rund 20 000 Kippen waren“, sagte Fröhlke am Ende der Sammelaktion. Er habe das Gefühl, seine Umwelt vermülle immer mehr. Deshalb müsse man handeln.

Für ihn ist Wildeshausen einer der schönsten Orte, den er kennt. „Wir müssen hier nicht im Müll leben.“ Von den Billionen Zigarettenfiltern landen nur etwa ein Drittel im Müll. Der Rest werde auf die Straße oder aus dem Fenster geworfen und vermülle nicht nur die Umwelt. Von ihnen gehen auch Gefahren für Natur und Menschen aus, denn die Zigarettenfilter bestehen aus dem Kunststoff Celluloseacetat und tragen dadurch unter anderem zur Plastikverschmutzung bei.

Die enthaltenen giftigen Stoffe wie Nikotin, Schwermetalle und andere Chemikalien gelangen in die Ökosysteme. Studien haben belegt, dass durch diese Stoffe zum Beispiel das Pflanzenwachstum gehemmt wird. Und die ausgewaschenen giftigen Stoffe gelangen in Bäche und Flüsse und schließlich ins Meer. Fische könnten die Zigarettenstummel als Futter erkennen und verschlucken. In einer Versuchsreihe der San Diego State University starb die Hälfte der Fische in einem Liter Wasser, dem ein einziger Zigarettenfilter hinzugefügt wurde.

„Ich war bis vor zehn Jahren selber Raucher und habe Kippen weggeschnippt, weil ich es einfach nicht anders wusste“, gestand Jens Fröhlke. Inzwischen hat sich sein Umweltbewusstsein in diesem Bereich völlig gewandelt.

Damit sich in Wildeshausen die Zahl der Zigarettenkippen in der Umwelt merklich reduziert, werden besondere Sammelbehälter installiert. Sie stammen vom gemeinnützigen Verein Toba-Cycle aus Köln, der sich für die Abfallvermeidung bei Zigarettenkippen einsetzt. Nach dem Sammeln in den Behältern werden die Zigarettenüberbleibsel restlos verwertet, inklusive Asche und Giftstoffen. Der Verein recycelt sie zu einem spritzfähigen Granulat und stellt daraus die Behälter für sein Sammelsystem her.

Erste Sammelbehälter

Der Verein versucht derzeit, regionale Recyclingfirmen in das Konzept einzubinden, um auch die Transportwege für die Abfälle kurz zu halten, berichtete Bastian Lahrmann. Der erste Sammelbehälter wurde an der Buchhandlung Bökers direkt am Markt installiert.

„Die übrigen, zunächst vier, werden in der Stadt installiert“, kündigte Bürgermeister Jens Kuraschinski an, der sich begeistert zeigte von der Aktion. Damit würden auch die jahrelangen Bemühungen des Stadtmarketings um die Sauberkeit in der Stadt unterstützt.

Die Kippensammelaktion sollte ein erster Startpunkt sein. Bastian Lahrmann und seine Mitstreiter sehen sich angesichts der gute Resonanz ermutigt, weitere Aktionen zu planen und durchzuführen, damit Wildeshausen irgendwann kippenfrei ist.

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