World Cleanup Day in Wildeshausen

3000 Zigarettenstummel in einer Stunde

Noch immer prägen Zigarettenstummel das Ortsbild. Zum World Cleanup Day haben die Initiativen Kippenfreies Wildeshausen und Kippenfreier Landkreis Oldenburg nun eine Stunde lang Müll gesammelt.
19.09.2021, 17:23
Lesedauer: 3 Min
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Von Niklas Golitschek

3000 Zigarettenstummel in einer Stunde – zum World Cleanup Day haben zehn Freiwillige um die Initiativen Kippenfreies Wildeshausen und Kippenfreier Landkreis Oldenburg am Sonnabend wieder eine Stunde lang die giftigen Filter im Wildeshauser Innenstadtbereich gesammelt. Obwohl zur zweiten Aktion dieser Art deutlich weniger Helfer kamen als noch vor einem, war das Ergebnis dennoch beachtlich: Zum Auftakt 2020 kamen die 20 Sammler auf rund 4500 Stummel.

Auf dem Marktplatz präsentieren die zehn Helfer das Ergebnis dann mit gemischten Gefühlen. Zum einen Stolz über die Leistung, so viel Müll in so kurzer Zeit gesammelt zu haben. „Das war Frühsport“, sagte etwa Beate Brems. Ausgerüstet mit einer Greifzange habe sie sich doch immer wieder Bücken müssen, um die Filter aufzusammeln. Neben den Stummeln waren auch etliche OP-Masken und Plastikmüll darunter – beides wurde getrennt von den Zigarettenstummeln gesammelt. Doch auf der anderen Seite zeigte die Aktion wieder einmal, wie achtlos viele Raucher noch immer mit den Folgen ihrer Last umgehen.

Toxischer Sondermüll

Fast 74 Milliarden Zigaretten wurden allein im vergangenen Jahr in Deutschland abgesetzt. „Ein Drittel davon landet auf dem Boden“, merkt Mitorganisatorin Majken Hjortskov an. Dieser toxische Sondermüll werde dann in Flüsse, Seen und Meer geschwemmt und vergifte dann die Lebensräume der Tiere. „Das geht über die Nahrungsmittel zu uns zurück“, merkte Hjortskov an. Eine Zigarette reiche bereits aus, um 1000 Liter Wasser zu verunreinigen.

Zusätzlich zu den Giften bestehe noch das Problem des Mikroplastiks: Wenn die in Zigarettenstummeln enthaltenen Kunststoffe zersetzt werden, entstehe das. Hinzu kommt: „Manche Vögel bauen mit den Stummeln ihre Nester.“ Angesichts der genannten Probleme ist das ebenfalls keine gute Entwicklung.

Mit der Sammelaktion zum World Cleanup Day hat die Gruppe einen Beitrag dazu geleistet, diese negativen Folgen für Natur und Umwelt zumindest etwas zu reduzieren. Und noch mehr: Denn die Zigarettenstummel landen nicht einfach im Müll. Der gesammelte Müll wird an den Kölner Verein Tobacycle geschickt und dann recycelt. Mit Kunststoff beigesetzt wird aus ihnen ein Granulat hergestellt, das anschließend im Spritzgussverfahren oder im 3D-Druck weiterverarbeitet werden kann, wie der Verein auf seiner Internetseite erklärt. Daraus stellt er wiederum die Auffangbehälter und Taschenaschenbecher her, um weiter die Zigarettenreste zu sammeln und sie aus der Natur fernzuhalten. „Es ist schön, wenn man weiß, das kommt in einen Kreislauf“, sah Hjortskov dann auch einen doppelten Mehrwehrt der Aktion.

Verein verkauft Aschenbecher

Inzwischen ist aus der Idee sogar etwas Größeres in Wildeshausen entstanden. Nachdem die Initiative über die Buchhandlung Bökers erste Aschenbecher des Vereins gekauft hatte, hat sich die Stadt der Idee angeschlossen und fünf Behälter aufgestellt. Daraufhin haben Bahnhof und ein Supermarkt mitgemacht. „Wir sprechen auch Gastronomen und Gewerbetreibende darauf an“, erzählte Hjortskov über die nun größer angelegte Initiative. Statt im Restmüll landen die Zigarettenstummel so ganzjährig bei dem Kölner Verein zur Wiederverwertung.

Mit ihrer Sammelaktion zum World Cleanup Day haben die Freiwilligen außerdem Passanten in Wildeshausen für das Thema sensibilisiert. Beate Brems erzählte später von einem Gespräch mit einem Raucher am Bahnhof. Der habe zwar ohne Filter geraucht und gedacht, er dünge die Bäume: „Den Taschenaschenbecher hat er dann aber genommen.“

Mitorganisatorin Hjortskov hoffte, dass die Idee der Initiativen Kippenfreies Wildeshausen und Kippenfreier Landkreis Oldenburg künftig noch größere Kreise zieht. „Wir wollen gerne zweimal im Jahr sammeln“, sagte sie, doch dafür hätten bisher die Helfer gefehlt. Wegen der Coronavirus-Pandemie seien die Aktionen bislang auch nur sehr eingeschränkt möglich gewesen. Die 3000 gesammelten Stummel zeigten, wie wertvoll das Engagement ist.

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