Post in Wildeshausen

Neue Heimat für Briefe und Pakete

Im kommenden Jahr will die Post in Wildeshausen ein neues Verteilzentrum im Bereich Böttcherstraße/Gerberstraße beziehen. Gebaut wird das Gebäude vom Projektentwickler Real Estate.
05.03.2020, 14:53
Lesedauer: 3 Min
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Von Martin Siemer
Neue Heimat für Briefe und Pakete

Läuft alles nach Plan, eröffnet die Deutsche Post in Wildeshausen im kommenden Jahr ein neues Zustellzentrum im Bereich Böttcherstraße/Gerberstraße. Derzeit nutzt die Post dafür einen Standort an der Visbeker Straße.

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Wenn alles klappt, dann wird die Deutsche Post in der zweiten Jahreshälfte 2021 einen neuen Zustellstützpunkt im Westen der Kreisstadt Wildeshausen beziehen. „Derzeit wird der Bauantrag vorbereitet“, erklärte Stefan Laetsch, Pressesprecher der Deutsche Post DHL Group auf Nachfrage unserer Zeitung. Das neue Verteilzentrum soll im Bereich Böttcherstraße/Gerberstraße auf einem knapp 5000 Quadratmeter großen Grundstück entstehen. Gebaut wird das Gebäude von dem Bremer Immobilien und Projektentwickler 1980 Real Estate. Die Post wird das Objekt dann anmieten.

Zurzeit nutzt die Post einen Zustellstützpunkt an der Visbeker Straße. Von dort aus werden in die Stadt Wildeshausen und die Gemeinde Dötlingen Briefe und Pakete zugestellt. Auch das dortige Gebäude wurde von einem Investor errichtet und an die Post vermietet. Der neue Standort wird notwendig, weil die Post künftig die Zustellung mit bis zu 45 Elektrofahrzeugen, den „Street Scooter“ bewerkstelligen will. Dazu bedarf es einer leistungsstarken Infrastruktur für die Stromversorgung, um die E-Fahrzeuge zu laden. Am derzeitigen Standort ist das offenbar nicht möglich. Zudem ist dort das Platzangebot beschränkt, sodass die Elektrofahrzeuge nicht alle untergebracht werden können. Auch die Privatfahrzeuge der Postmitarbeiter werden schon jetzt auf den Parkflächen umliegender Einkaufsmärkte abgestellt.

Vom neuen Zustellstützpunkt aus wird dann auch die Samtgemeinde Harpstedt versorgt. 50 bis 55 Mitarbeiter werden eingesetzt, ähnlich viele wie bislang. „Der neue Zustellstützpunkt in Wildeshausen trägt dazu bei, dass wir weiterhin unsere Zustellung von Briefen und Paketen an sechs Tagen in der Woche sicherstellen können“, schreibt Stefan Laetsch.

Das neue Verteilzentrum wird ein klassischer Industriebau. „Integriert sind selbstverständlich auch noch Büro- und Sozialflächen“, beantwortet Christian Schlemm, Geschäftsführer von 1980 Real Estate, eine Anfrage unserer Zeitung. Insgesamt stehen etwa 1100 Quadratmeter zur Verfügung. Rund 2,5 Millionen Euro investiert der Bremer Projektentwickler in das Vorhaben. Nach Fertigstellung mietet es die Deutsche Post AG für einen Zeitraum von zehn Jahren an. „Mit Option auf weitere Verlängerungen“, erklärt Schlemm.

Neben Wildeshausen plant und realisiert Schlemm für die Post auch ein neues Postverteilzentrum im Gewerbegebiet Kreuzkrug in Bruchhausen-Vilsen. Der Bau direkt an der Bundesstraße 6 soll noch in diesem Jahr bezogen werden. Auch bei diesem Projekt ist 1980 Real Estate als Entwickler und Bauherr tätig. Inwieweit sich die Planungen der Deutschen Post für den Einsatz von E-Fahrzeugen auf die Standorte auswirken, ist zurzeit offen. Wie der Spiegel berichtete, will die Post die Produktion ihrer Street-Scooter Elektrofahrzeuge noch in diesem Jahr einstellen. Gegenüber der Deutschen Presseagentur sagte ein Postsprecher, dass es keine Neubestellungen mehr geben wird.

Im Dezember 2014 hatte die Deutsche Post die im Jahr 2010 gegründete Street Scooter GmbH übernommen. Das Unternehmen war zunächst eine Forschungsinitiative der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH), die zusammen mit mehreren mittelständischen Unternehmen das Elektrolieferfahrzeug entwickelte. Mit der Übernahme sicherte sich die Deutsche Post die Möglichkeit, die Lieferfahrzeugflotte auf Elektromobilität umzustellen. Versuche, einen der angestammten Automobilhersteller für dieses Konzept zu gewinnen, waren zuvor gescheitert. Neben der Post setzt unter anderem die Deutsche See den Street Scooter in der Logistik ein.

Trotz des Erfolgs der Elektromodelle fuhr die Produktion der Street Scooter nie in die Gewinnzone. Die Post hatte immer betont, dass sie kein Automobilhersteller sein wolle. In den vergangenen Monaten hatte die Post intensiv einen Käufer für die Street Scooter Tochtergesellschaft gesucht, ohne Erfolg. Nun die Ankündigung der Produktionseinstellung. Bereits bestellte Fahrzeuge sollen noch bis 2021 ausgeliefert werden. Wie es dann weiter geht, bleibt zunächst unklar. Für die Planungen in Wildeshausen hat diese Entscheidung zunächst wohl keine Auswirkungen.

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