Kläranlage Wildeshausen

Investition für sauberes Abwasser

Die Kläranlage der Stadt Wildeshausen nimmt einen neuen Ablauffilter in Betrieb. 460 000 Euro investierte die Stadt in die technische Aufrüstung, an der sich auch Dötlingen finanziell beteiligt hat.
02.11.2020, 16:38
Lesedauer: 2 Min
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Von MArtin Siemer
Investition für sauberes Abwasser

Mit dem neuen Ablauffilter in der Kläranlage Wildeshausen wird das Abwasser künftig noch sauberer.

Fotos: INGO MÖLLERS

Bis zu 1,3 Millionen Kubikmeter Abwasser fließen jedes Jahr durch die Kläranlage Wildeshausen. Abwässer, die aus den Haushalten und Betrieben der Kreisstadt und aus der Gemeinde Dötlingen stammen. Um das gereinigte Abwasser weiter von Schadstoffen zu befreien, hat die Kläranlage jetzt einen neuen Ablauffilter in Betrieb genommen. „Wir sind immer bestrebt, die Abwassertechnik voranzutreiben“, sagte Wildeshausens Bürgermeister Jens Kuraschinski. Gemeinsam mit Uwe Kläner, Leiter des Bauamtes der Gemeinde Dötlingen, öffnete er den Schieber, der das Abwasser durch die neue Filteranlage laufen lässt. „Wir haben auch ohne diesen neuen Filter schon die gesetzlichen Vorgaben der Abwasserwerte eingehalten“, erklärte Jörg Dohrmann, im Bauamt der Stadt Wildeshausen für die Kläranlage verantwortlich.

Die Kläranlage wurde in wesentlichen Teilen 1977/1978 gebaut und im Laufe der Jahre immer wieder erweitert und modernisiert. Erst 2016 entstand ein Nachklärbecken. Doch besonders bei starken Regenfällen strömen erhebliche Abwassermengen in die Kläranlage. Dadurch verschlechtert sich die Ablaufqualität des Abwassers. Durch die neue Tuchfilteranlage soll diese Qualitätsminderung verhindert werden.

Im Frühjahr 2018 hatte das Schweizer Unternehmen Mecana eine Versuchsanlage mit einem Tuchfilter in der Wildeshauser Kläranlage aufgebaut. Mecana ist der führende Anbieter solcher Filteranlagen in Deutschland. Im Normalbetrieb zeigte sich, dass es bei den gelösten Stickstoffverbindungen im Abwasser nur eine geringe Verbesserung gab. Doch beim Phosphor ließ sich bereits eine Minderung um rund 30 Prozent erkennen. Beim simulierten Schlammabtrieb, wie er bei heftigen Regengüssen auftritt, gab es sowohl beim Phosphor als auch beim Chemischen Sauerstoffbedarf (CSB) deutliche Reduzierungen von weit über 300 Prozent. CSB fasst alle im Wasser vorhandenen, unter bestimmten Bedingungen oxidierbaren Stoffe zusammen. Sichtbar wurde dies im Rahmen der Inbetriebnahme der neuen Anlage durch zwei Wasserproben, die Mitarbeiter der Kläranlage zogen. In der ersten Probe, die vor Einschalten des Filters entnommen wurde, waren deutlich Schwebstoffe im Wasser zu erkennen. Nachdem der Filter lief, gab es kaum noch Stoffe im Wasser. Der jetzt installierte Tuchfilter ermöglicht es zudem, auch Mikroplastikpartikel herauszufiltern. Diese finden sich unter anderem in Kosmetik, in Zahnpasta oder aus dem Waschabrieb moderner Textilien.

Kläranlage

Was die neue Anlage leistet, zeigen zwei Wasserproben: In der ersten, die vor Einschalten des Filters entnommen wurde, sind deutlich Schwebstoffe im Wasser zu erkennen.

Foto: INGO MÖLLERS

Die neue Filteranlage befindet sich in einem Schachtbauwerk. Die zwölf Filterscheiben mit einem Mikrofasertuch sitzen auf einem Zentralrohr und werden automatisch, je nach Grad der Verschmutzung, gedreht und von den Fremdstoffen gereinigt. Der Filterprozess wird dabei nicht unterbrochen. Das abgesaugte Schlammwasser wird wieder dem Zulauf der Kläranlage zugeführt. Das gereinigte Abwasser selbst fließt dann in die Hunte.

460 000 Euro investierte die Stadt Wildeshausen in die technische Aufrüstung ihrer Kläranlage. Der städtische Eigenanteil beträgt 254 200 Euro. Die Gemeinde Dötlingen beteiligte sich mit 55 800 Euro. Einen direkten Zuschuss aus Landesmitteln gab es nicht. Die Stadt Wildeshausen kann jedoch in den kommenden drei Jahren insgesamt 150 000 Euro weniger Abwasserabgabe an das Land abführen, weil die Investitionskosten verrechnet werden.

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