VfL Wildeshausen

Der Bomber hört auf

Nach zwölf Jahren gibt Wolfgang Sasse den Vorsitz beim VfL Wittekind Wildeshausen ab.
08.10.2020, 16:09
Lesedauer: 2 Min
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Von Martin Siemer
Der Bomber hört auf

Wolfgang Sasse wirkte zwölf Jahre lang als Vorsitzender des VfL Wildeshausen. Er ist seit Jahrzehnten im Sportbereich der Stadt aktiv, will sich künftig aber mehr auf seine politische Arbeit konzentrieren.

Martin Siemer

Zwölf Jahre stand Wolfgang Sasse an der Spitze des VfL Wittekind. Bei der Mitgliederversammlung an diesem Freitag wird der 74-Jährige nicht mehr für dieses Amt kandidieren. „Ich möchte mich mehr auf meine politische Arbeit konzentrieren“, erklärt Sasse im Gespräch mit unserer Zeitung. Als der pensionierte Bundeswehrsoldat am 18. April 2008 zum 1. Vorsitzenden des größten Sportvereins in Wildeshausen gewählt wurde, lag der VfL finanziell am Boden. Vier Jahre später hatte es Sasse mit seinem Vorstandsteam geschafft, den Verein zu entschulden. Darlehen wurden vorzeitig abgelöst, eine Bürgschaft, die die Stadt Wildeshausen gegeben hatte, gab der Verein zurück.

Bereits ein Jahr vor dem Vorstandsvorsitz war Wolfgang Sasse vom Verein zum Verwalter der Krandelsportanlage berufen worden. Das Stadion und die Sportplätze werden im Auftrag der Stadt Wildeshausen gepflegt und betreut. Die Krandelverwaltung erhält dafür von der Stadt einen jährlichen Kostenzuschuss, der seit 2020 insgesamt 105 000 Euro im Jahr beträgt. Krandelverwaltung und Sportverein sind dabei strikt nach wirtschaftlichem und ideellem Bereich getrennt.

Wolfgang Sasse kam am 1. Juli 1965 als Fallschirmjäger der Bundeswehr nach Wildeshausen. Schon damals war er aktiver Handballer und hörte auf den Spitznamen „Bomber“. Nur ein Jahr später gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des SC Wildeshausen, wo er auch Abteilungsleiter war. 1974 trat er dem VfL Wittekind bei. Von 1978 bis 1992 verantwortete er die Handballabteilung mit damals 21 Mannschaften. Die erste Damen-Mannschaft führte er in die Oberliga Nordsee. Seine Qualitäten als Trainer und Funktionär wurden schnell auch über die Grenzen Wildeshausens hinaus bekannt. Zwischen 1977 und 1983 war er unter anderem Co-Trainer der britischen Handball-Nationalmannschaft und vier Jahre Trainer des britischen Frauen-Nationalteams. 1983 wurde Sasse zum Ehrenmitglied der British Handball Association (BHA) auf Lebenszeit ernannt.

Wolfgang Sasse war über Jahrzehnte im Handballkreis Delmenhorst/Oldenburg-Land in verschiedenen Bereichen aktiv, ebenso im Handballbezirk Weser-Ems, dessen Vorsitzender er seit 2007 ist. Viel Energie investierte er auch in den Aufbau des Beachhandballs. Sasse ist seit 2004 Referent für diesen Sportbereich beim Deutschen Handball-Bund. Die von ihm trainierten „Waterboys Neerstedt“ wurden 2008 Deutscher Meister im Beachhandball. In den vergangenen sechs Jahren steckte der 74-Jährige viel Arbeit in den Aufbau und die Ausgestaltung der Kinder- und Beachsportanlage, die an die Trainingsplätze im Krandel angrenzt. Neben Sportlern des VfL wird die Anlage mit ihren Sandplätzen und einer großen Rasenfläche seit 2015 auch von anderen Sportgruppen genutzt. „Die Anlage ist in diesem Jahr mit mehr als 8000 ‚Corona-bedingt‘ nachgewiesenen Nutzern aller Altersgruppen der soziale Treffpunkt für die Bürger unserer Stadt gewesen“, sagt Wolfgang Sasse nicht ohne Stolz.

Künftig will er sich auf die politische Arbeit konzentrieren. Für die CDU sitzt er seit 2011 im Rat der Stadt Wildeshausen, dem er bereits von 1981 bis 1986 angehörte. Für die Christdemokraten ist er als Abgeordneter im Kreistag des Landkreises vertreten. „Meine politischen Aktivitäten als Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion und im Kreistag, verbunden mit dem Mitwirkungsverbot bei Belangen des VfL Wittekind, sind anspruchsvoll und fordern mich“, teilte er mit.

Die Gesellschaft und Aufgabenstellungen hätten sich im Sport und in der Politik stark verändert. „Die Akzeptanz des Ehrenamtes und der Respekt haben deutlich nachgelassen“, berichtet er aus eigener Erfahrung. Die Entscheidung, das Vorstandsamt aufzugeben, ist da nur eine logische Konsequenz, die Sasse nun zieht.

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