Portrait Eyk Franz Vorreiter für zeitgemäßes Lernen

Eyk Franz unterstützt als Leiter des Kreismedienzentrums Schüler und Lehrer im Landkreis Oldenburg beim Umgang mit digitalen Medien im Unterricht. Von Smartphone-Verboten hält der Lehrer nichts.
03.10.2018, 18:16
Lesedauer: 4 Min
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Von Kerstin Bendix-Karsten

Digitales Lernen – diesen Begriff verabscheut Eyk Franz. „Man lernt mit dem Körper, es ist etwas Biochemisches“, sagt er. Seine Worte sollte man jedoch nicht missverstehen. Franz ist kein Lehrer alten Schlags, der sich an alten Lehrmethoden und -mitteln festklammert. Im Gegenteil: Er gilt als Vorreiter in Sachen digitaler Pädagogik. Er nennt es „zeitgemäßes Lernen“. Als Leiter des Kreismedienzentrums in Wildeshausen will er genau das an den Schulen des Landkreises Oldenburg vorantreiben. Die Politik traut ihm dies offenbar zu. Ende Juni dieses Jahres hat der Kreistag den 52-jährigen Lehrer einstimmig erneut auf den Posten als Leiter des Kreismedienzentrums in Wildeshausen berufen. Dieses Mal sogar unbefristet.

Eyk Franz hat eine klare Vision, wohin sich das Kreismedienzentrum entwickeln soll. „Die Idee ist, daraus ein wirkliches Kompetenzzentrum zu machen“, sagt er. Dort soll es sämtliche Technik geben, sodass sich Schulträger diese vor Ort anschauen können, um herauszufinden, was sich für ihre Schule lohnt. „Wir beraten dann natürlich auch“, ergänzt Franz. Bis es damit losgehen kann, muss sich der Leiter des Kreismedienzentrums noch gedulden, was ihm sichtlich schwerfällt. Um mehr Platz zu bekommen, soll das Kreismedienzentrum an die BBS in Wildeshausen umziehen, wo es drei Räume bekommen soll. Der Umzug ist aber erst für 2020 geplant.

Tatenlos muss Eyk Franz bis dahin aber nicht herumsitzen. Denn der Beratungsbedarf für Schulen und Schulträger ist bereits heute schon groß. Der Leiter des Kreismedienzentrums weiß, dass die Schulträger unter dem Druck stehen, an Gelder heranzukommen, um digitale Medien zu beschaffen. Das sei nicht ganz einfach. Dank des Digitalpakts Schule von Bund und Ländern sollen ab 2019 zwar Mittel bereitgestellt werden, doch diese seien projektgebunden. „Es braucht ein Konzept. Schulen müssen sagen, wieso und wofür sie die Medien nutzen wollen“, erläutert Franz. „Es reicht nicht, zu sagen, dass man zehn Computer braucht. Das sagt nichts über die Nutzung“, fügt er hinzu. Das Kreismedienzentrum will hierbei Hilfestellung geben.

Hat eine Schule bereits mobile Medien für den Unterricht angeschafft, wird damit die Hilfe des Kreismedienzentrums noch nicht überflüssig. Denn eine wichtige Kernaufgabe ist die Beratung von Lehrkräften im Umgang mit den angeschafften Medien. Und die sei nötig. „Analoger Unterricht mit digitalen Medien geht in die Hose. Es ist ein anderer Unterricht“, erklärt Eyk Franz. Aus seiner bisherigen Erfahrung weiß er, dass viele Lehrer eine innere Hürde haben und sich vor den neuen Möglichkeiten fürchten. „Sie haben Angst, dass die Schüler ihnen weit voraus sind“, erzählt Franz. Diese Angst will er ihnen mittels Schulungen nehmen.

Auch Eyk Franz ist kein „Digital Native“. Als er von 1988 bis 1993 Sport und Geschichte auf Lehramt studierte, ging es mit Computern gerade erst los. Was Techniker und Informatiker können, kann er nicht. „Aber ich sehe, was möglich ist. Und ich habe mich selbst einfach immer für neue Entwicklungen interessiert“, erzählt der Leiter des Kreismedienzentrums. Als ihn 2012 der Auftrag ereilte, an der Waldschule in Hatten Klassenlehrer zu werden, stimmte Eyk Franz zu. Allerdings unter einer Bedingung: Jeder seiner Schüler sollte ein eigenes Tablet bekommen. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das durchbekomme“, erinnert sich der Lehrer. Aber er hat es durchbekommen, sodass sein Klasse damals eine der ersten 1:1-Tablet-Klassen in Deutschland war.

Danach ging für Eyk Franz der eigentliche Kampf erst richtig los. Der damalige Schulleiter war ein Lehrer alten Schlags, bei dem Franz keinen leichten Stand hatte. Doch er gab nicht auf. Mit der heutigen Rektorin Silke Müller als Mitstreiterin kämpfte er dafür, dass an der Waldschule systematisch Tablets im Unterricht eingesetzt werden. Mit Erfolg. Inzwischen gibt es an der Hatter Oberschule ab der siebten Klassenstufe nur noch 1:1-Tablet-Klassen. „Jeder Schüler hat ein eigenes Gerät, das die Eltern kaufen“, erläutert Franz. Das sei Beschlusslage. Wer sein Kind an der Waldschule anmelde, werde darüber informiert. Um mehr müssen sich die Eltern nicht kümmern. „Am zweiten Schultag kommen die Geräte für die neuen siebten Klassen an der Schule an und werden verteilt“, führt der Leiter des Kreismedienzentrums aus.

Alle Geräte sind zentral vom Kreismedienzentrum einsatzbereit gemacht worden. „Das entlastet die Lehrkräfte“, fügt Franz hinzu. Auch später müssen sich die Lehrkräfte nicht mit lästiger Admin befassen. Alle 400 genutzten Geräte an der Hatter Oberschule werden vom Kreismedienzentrum gemanagt. „Bei uns an der Waldschule wird nicht gezaubert, sondern gearbeitet“, sagt Franz, der mittlerweile nur noch einen Tag in der Woche an der Schule unterrichtet. Auch Tafeln gibt es an der Waldschule nach wie vor – und sie werden auch genutzt. „Die Kinder werden dazu erzogen, kompetent zu entscheiden, wie sie eine Aufgabe umsetzen – mit Stift und einem Blatt Papier oder über das Tablet“, sagt Franz.

Der technische Support für mobile Geräte ist ein Angebot, dass das Kreismedienzentrum nicht nur der Waldschule, sondern allen Schulen im Landkreis Oldenburg macht. Dieses nutzen derzeit sieben weitere Schulen. Insgesamt hat das Kreismedienzentrum 900 Tablets in der Betreuung. Die Privatsphäre sei dabei immer geschützt. „Wir können nicht in die Geräte, wie in Kontakte oder E-Mails, hineinschauen“, erklärt Franz. Auf dem Server des Kreismedienzentrums gibt es allerdings eine Blacklist, die den Zugriff auf bestimmte Internetseiten verhindern soll. Grundsätzlich hält Franz das für richtig, aber er weiß auch zu gut: „Wenn man etwas sperrt, werden Wege gefunden, um links oder rechts daran vorbei zu kommen.“ Deshalb sei es wichtig, mit den Schülern über die gesperrten Seiten zu sprechen. „Verteufeln bringt nichts“, fügt er hinzu. Das gelte auch für Smartphones.

Von der Debatte um Smartsphone-Verbote an Schule hält Eyk Franz nichts. „Das ist krank“, sagt er. Verbote führen seines Erachtens immer dazu, dass sich Kinder unkontrollierte Wege suchen, um diese zu umgehen. Wer genau hinschaue, stelle ohnehin fest, dass die Schüler auf ihren Geräten in erster Linie spielen. Und das haben sie schon immer gemacht. „Wir haben früher in der Pause Fußball oder Gummitwist gespielt. Das wurde auch nicht verboten“, sagt Franz.

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