Windmühle in Harpstedt

Harpstedter Wahrzeichen im Fokus

Die Windmühle in Harpstedt könnte bald ihren Besitzer wechseln: Am 28. Januar gibt es einen Termin zur Zwangsversteigerung. Zuvor berät der Gemeinderat über eine Änderung des Bebauungsplans.
07.01.2020, 17:35
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Von Jacqueline Schultz
Harpstedter Wahrzeichen im Fokus

Die Harpstedter Windmühle prägt seit knapp 150 Jahren das Ortsbild. Am 28. Januar könnte sie zwangsversteigert werden.

INGO MöLLERS

Die Windmühle an der Freistraße, eines der Wahrzeichen des Fleckens Harpstedt, rückt im Januar gleich zweifach in den Fokus. Zum einen steht das Objekt am Dienstag, 28. Januar, um 10.30 Uhr im Amtsgericht Wildeshausen vor einer Zwangsversteigerung. Zum anderen entscheidet der Gemeinderat des Fleckens Harpstedt bereits am Dienstag, 14. Januar, über die Änderung des Bebauungsplanes „Bei der Windmühle“.

Aktuell wird das Objekt auf diversen Immobilienportalen im Internet als „Wohn-/Wirtschaftsgebäude mit Mühlengebäude und weiteren Nebengebäuden“ mit einer Grundstücksfläche von knapp 5300 Quadratmetern zum Preis von 220 000 Euro angeboten. Diesen Verkehrswert hat das Gericht aufgrund des Gutachtens eines Sachverständigen festgesetzt. Ein Zuschlag ist gegebenenfalls schon ab 50 Prozent des Verkehrswerts möglich, vorbehaltlich allerdings einer Zustimmung durch den oder die Gläubiger. Viel mehr erfahren Interessenten auf den Portalen allerdings nicht. Selbst bei dem angehängten Foto handelt es sich lediglich um ein Musterfoto – ohne Mühle. Ob sich angesichts geltender Denkmalschutzauflagen überhaupt interessierte Bieter finden, bleibt abzuwarten. Zur Option, ob der Flecken Harpstedt als Bieter auftreten werde, wollte sich Gemeindedirektor Ingo Fichter auf Nachfrage unserer Zeitung nicht äußern.

Eine zusätzliche Hürde für mögliche Investoren könnte sich durch die vom Flecken Harpstedt geplante Änderung des Bebauungsplans Nr. 19 „Bei der Windmühle“ ergeben. Ziel dieser Planung ist es, das vorhandene Ortsbild baukulturell zu erhalten und den Bereich um die ortsbildprägende Windmühle städtebaulich verträglich zu entwickeln, wie es in der Beschlussempfehlung heißt. Mit anderen Worten: Die Vorgaben für bauliche Veränderungsmöglichkeiten werden nochmals verschärft.

Aus Sicht der Gemeinde ein durchaus nachvollziehbarer Schritt, wie sie in der Begründung ausführlich darlegt: „Die unter Denkmalschutz stehende Windmühle ist im Flecken Harpstedt ein herausragendes Baudenkmal mit ortsbildprägendem Charakter. Neben dem eigentlichen denkmalgeschützten Bauwerk ist der näheren Umgebung besondere Bedeutung beizumessen. Durch zusätzliche bauliche Anlagen im unmittelbaren Umfeld kann die Gesamtwirkung der Windmühle negativ beeinträchtigt werden. Bei der optischen Wahrnehmung sind die Sichtbeziehungen zum denkmalgeschützten Objekt maßgeblich“, heißt es dort. Von besonders schützenswerter Bedeutung sei die Sicht von der Freistraße auf die Windmühle. Der Verwaltung zufolge sollten daher zum Erhalt des ortsbildprägenden Charakters etwaige Sichtbehinderungen zwischen der Windmühle und der Freistraße vermieden werden.

Im derzeit wirksamen Bebauungsplan Nr. 19 „Bei der Windmühle“ wird nach Ausführungen der Verwaltung der Ensembleschutz nur zum Teil durch eingeschossige Bebauung und nicht überbaubare Grundstücksflächen berücksichtigt. Insbesondere parallel zur Freistraße wären nach den aktuellen Vorgaben weitere Gebäude zulässig, welche die Hauptsichtachse zur Mühle erheblich beeinträchtigen würden. Um diese Planungsziele abzusichern, will der Flecken Harpstedt zusätzlich eine Veränderungssperre beschließen. Diese ist zunächst für zwei Jahre wirksam. Ist die Änderung des Bebauungsplans erfolgt, tritt die Veränderungssperre außer Kraft.

Der dreistöckige Galerieholländer wurde 1871 vom Lohgerber Johann Conrad Menke erbaut. Seit 1912 ist die Windmühle im Besitz der Familie Nienaber. Zahlreiche Renovierungen trugen dazu bei, dass sie noch lange in Betrieb war. Im Jahr 2009 begann mit Unterstützung von kommunalen wie EU-Mitteln eine Totalsanierung, die 2011 abgeschlossen wurde. Im selben Jahr gründete sich der Harpstedter Mühlenverein, der dazu beitragen sollte, das denkmalgeschützte Gebäude weiter zu erhalten.


Der Gemeinderat des Fleckens Harpstedt tagt am Dienstag, 14. Januar, um 19 Uhr öffentlich im Hotel „Zur Wasserburg“.

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