Kommunalwahl 2021

Bundestrend bestätigt sich nicht bei Kreistagswahl

Dass Kommunal- und Bundestagswahl zwei verschiedene Paar Schuhe sind, zeigte sich im Landkreis Oldenburg. Während die CDU einen Sitz mehr holte, musste die SPD abgeben. Neun Parteien sitzen im neuen Kreistag.
13.09.2021, 14:20
Lesedauer: 3 Min
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Bundestrend bestätigt sich nicht bei Kreistagswahl
Von Kerstin Bendix-Karsten
Bundestrend bestätigt sich nicht bei Kreistagswahl

Im neuen Kreistag sitzen neun Parteien.

INGO MöLLERS

Sie ist die mit Abstand stärkste Fraktion im neu gewählten Kreistag des Landkreises Oldenburg: Die CDU hat am Sonntag 30,86 Prozent der Stimmen geholt und liegt damit deutlich vor der SPD, die als zweitstärkste Fraktion nach Auszählung aller Wahllokale und Briefwahlstimmen auf 25,56 Prozent kam. Die Christdemokraten konnten letztlich 16 der insgesamt 50 zu vergebenden Sitze im Kreistag erringen. Das ist ein Sitz mehr als sie vor fünf Jahren holten. Kein Wunder, dass sich der CDU-Fraktionschef Dirk Vorlauf mit dem Ergebnis äußerst zufrieden zeigt: "Trotz des Bundestrends konnten wir unsere Sitzanzahl ausbauen. Da zeigt sich, Kommunalwahl ist Personenwahl." 

Enttäuscht über den Ausgang der Kreistagswahl ist unterdessen Stephan Bosak, Unterbezirksvorsitzender der SPD. "Wir hätten uns gewünscht, dass das Ergebnis besser ausfällt. Wir wollten uns zumindest nicht verschlechtern", sagte er am Morgen nach dem Wahlabend. Doch das ist nicht gelungen. Die Sozialdemokraten haben zwei Sitze verloren. Sie sind im neuen Kreistag nun noch mit 13 Sitzen vertreten. "Das tut uns in der Seele weh", gestand Bosak. Er hatte gehofft, etwas vom Bundestrend mitnehmen zu können – zumal seine Fraktion in den vergangenen Jahren auf Kreisebene gute Politik gemacht habe, wie der Unterbezirksvorsitzender betonte. Woran es letztlich genau lag, dass die SPD bei der Kreistagswahl so deutlich verloren hat, konnte Bosak noch nicht sagen. "Das werden wir noch mal genau analysieren", erklärte er. Eines konnte der SPD-Unterbezirksvorsitzender aber bereits versprechen: "Trotz des enttäuschenden Ergebnisses werden wir uns weiter an die Arbeit machen. Denn nach der Wahl ist vor der Wahl."

Grüne legen zu, aber weniger als erhofft

Als deutlicher Gewinner gehen die Grünen aus der diesjährigen Kreistagswahl hervor. Sie sind mit 18,27 Prozent die drittstärkste Fraktion und haben gegenüber 2016 deutlich zugelegt, und zwar um 6,26 Prozent. Dass Eduard Hüsers, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag, mit dem Ergebnis dennoch nur im "Großen und Ganzen zufrieden" ist, hat einen Grund. Denn die Grünen haben neun der 50 Sitze im Kreistag errungen und damit ihr eigentliches Ziel verfehlt. "Wir wollten eigentlich Zehn-Plus-Sitze, das haben wir nicht erreicht", erklärte Hüsers. Dennoch sind es drei Sitze mehr als vor fünf Jahren. Dieses Mehr an personeller Kapazität wollen die Grünen nutzen. "Wir haben in den vergangenen Jahren schon viel auf den Weg gebracht. Das werden wir weiter so handhaben. Wir wollen weiter Impulse setzen, gerade beim Klimawandel und der Mobilität", blickte der Großenkneter schon einmal voraus. Für Eduard Hüsers gab es neben seinem erneuten Einzug in den Kreistag am Sonntag noch einen weiteren Grund zum Feiern. Denn in Großenkneten haben es die Grünen erstmals in den Gemeinderat geschafft. "Wir haben uns erst vor knapp zwei Jahren gegründet und auf Anhieb fünf Sitze gewonnen", erklärte Hüsers.

AfD verliert an Zuspruch

Einen Sitz im Kreistag hinzugewonnen hat auch die FDP, die nunmehr auf sechs Sitze kommt. Gegenüber 2016 konnten die Liberalen um 1,36 auf 11,17 Prozent leicht zulegen. Eingebüßt hat unterdessen die AfD. Nachdem sie 2016 erstmals in den Kreistag einzog und dort mit vier von 50 Sitzen vertreten war, kommt die AfD nun nur noch auf zwei Sitze. In Prozentzahlen ausgedrückt lag die Alternative für Deutschland am Ende der Auszählungen bei 4,66 Prozent.

Verloren hat auch die UWG. Bei der diesjährigen Kreiswahl kam die unabhängige Wählergemeinschaft auf 2,36 Prozent, was 1,6 Prozentpunkte weniger sind als 2016. Die UWG ist damit nicht mehr mit zwei, sondern nur noch mit einem Sitz im Kreistag vertreten. Ebenfalls einen Sitz im Kreistag haben die Freien Wähler, die Linke sowie die CDW, die sich im Laufe der zurückliegenden Wahlperiode von der CDU abgespalten hatte und nun erstmals bei der Kreistagswahl mit einer eigenen Kandidatenliste an den Start ging.

Zur Sache

Der neue Kreistag im Landkreis Oldenburg

CDU: Ralf Wessel (3423, D), Heinke Wübbenhorst (1173, D), Günter Westermann (1056, D), Gerd Hanken (611, L), Hartmut Post (2440, D); Ralf Spille (1799, D), Ditte Höfel (1478, D), Wolfgang Sasse (1242, L), Dirk Vorlauf (1486, D), Arne Wachtendorf (1133, D), Jürgen Lueken (1059, D), André Klümpen (610, L), Astrid Grotelüschen (2923, D), Hajo Suhr (1980, D), Hendrik Knief (1704, D), Sophia Möller (617, L). SPD: Christel Zießler (3329, D), Rainer Lange (1067, D), Kimberly Knaupe (730, L), Thore Güldner (2543, D), Wolde Schilberg (1619, D), Saskia Kamp (854, L), Axel Brammer (2016, D), Bernd Stolle (1326, D), Anke Paradies (1171, D), Heike Burghardt (578, L), Heike Frommhold (987, D), Werner Wulf (811, D), Andrea Oefler (521, L). Grüne: Anika Hoffmann (1579, D),  Reinhold Schütte (585, L), Majken Hjortskov (1267, D), Götz Rohde, (837, L), Elke Szepanski (1131, D), Hilko Finke (385, L), Begüm Langefeld (377, L), Eduard Hüsers (885, D), Jörg Wolfgang Buddenberg (694, L). FDP: Marion Daniel (515, D), Marko Bahr (1119, D),  Thomas Leppin (616, L), Marlies Pape (958, D), Stephan Möller (667, L), Dirk Wintermann (1147, D). AfD: Patrick Scheelje (607, L), Harm Rykena (702, D). UWG: Matthias Kück (622, L). Linke: Hilke Hochheiden (536, L). Freie Wähler: Arnold Hansen (465, D). CDW: Christin Rollié (828, D). / Stimmzahl in Klammen, D = Direktwahl, L = Listenwahl

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