Corona-Pandemie Damit keine Impfdosis verfällt

Eine neue App vermittelt kurzfristig überzählige Dosen im Impfzentrum in Wildeshausen. Der Landkreis Oldenburg ist damit Testgebiet in Niedersachsen.
03.06.2021, 14:05
Lesedauer: 3 Min
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Damit keine Impfdosis verfällt
Von Kerstin Bendix-Karsten

Impfstoff gegen das Coronavirus ist nach wie vor ein knappes Gut. Im Landkreis Oldenburg warten noch immer viele Menschen auf einen Termin. Manchmal kommt es jedoch vor, dass im Impfzentrum in Wildeshausen Dosen übrig bleiben, weil Termine nicht in Anspruch genommen wurden. Damit diese Dosen auch in Zukunft nicht im Müll landen, sondern in den Armen Impfwilliger, nutzt der Landkreis ab sofort die App „nowee“ mit der impfee-Kampagne. Diese bringt Impflinge und Impfzentren kurzfristig zusammen – kostenfrei, wie die Kreisverwaltung mitteilt. Dieses Konzept wird niedersachsenweit erstmalig im Landkreis Oldenburg getestet. 

Die Funktionsweise ist relativ einfach. Auf der digitalen Plattform registrieren sich Bewerber als "Impfdosisretter" für ein ausgewähltes Impfzentrum, das sie innerhalb von 60 Minuten erreichen können. Die Impfzentren wiederum melden der App kurzfristig freigewordene Impftermine. Diese werden nach dem Prinzip „First come – first serve“ an den vergeben, der sich zuerst meldet. Wer über die App einen Termin bestätigt bekommt, verpflichtet sich, das ausgewählte Impfzentrum innerhalb von 60 Minuten aufzusuchen. Dort erfolgt die Erstimpfung, und der Impfling erhält den Termin für die Folgeimpfung.

Nachrückerliste neigt sich dem Ende

Immer wieder kommt es vor, dass vereinbarte Impftermine in Impfzentren teilweise kurzfristig nicht wahrgenommen werden. Die bereits vorbereitete Impfdosis droht zu verfallen. Impfzentren seien deshalb gezwungen, freie Termine schnellstmöglich neu zu besetzen – zum Beispiel mit Nachrückern aus lokalen Organisationen. Dies sei auch im Landkreis Oldenburg bisher sehr gut gelungen, wo die Malteser das Impfzentrum am Westring in Wildeshausen betreiben und eine eigene Backup-Liste führen. Doch diese ist endlich. „Wir haben auf unserer Liste derzeit noch etwa 100 bis 200 Leuten stehen“, erklärt Frank Flake, Bezirksleiter der Malteser.

Bis zu 1200 Impfungen könnte das Impfzentrum am Westring pro Tag bewältigen. Diese Kapazitätsgrenze wird jedoch längst nicht ausgeschöpft. Pro Tag werden derzeit zwischen 600 und 900 Personen geimpft. "Das sind alles Zweitimpfungen", erklärt Flake. Derzeit erhalte das Wildeshauser Impfzentrum keine Vakzine für Erstimpfungen. Der Bezirksleiter der Malteser hofft, dass mit dem Wegfall der Impfpriorisierung ab Montag, 7. Juni, demnächst auch wieder mehr Impfstoff nach Wildeshausen geliefert wird. Konkretes weiß Flake derzeit allerdings noch nicht.

Bis zu zehn Dosen täglich

Sobald die Impfpriorisierung aufgehoben ist und mehr Impfstoff zur Verfügung steht, erwartet der Bezirksleiter der Malteser einen "Run" auf das Impfzentrum. Mit einer steigenden Zahl an Impfterminen werde auch die Zahl der Ausfälle zunehmen. Flakes Einschätzung nach könnten täglich bis zu zehn Personen von überzähligen Impfdosen profitieren. Damit sein Team potenziellen Nachrückern nicht mehr hinterhertelefonieren muss, wurde eine andere Lösung gesucht, um übrig gebliebene Impfdosen zeitnah zu verimpfen. "Denn wir müssen auch mit unseren personellen Ressourcen schonend umgehen", erklärt Flake. Fündig wurde die Leitung des Wildeshauser Impfzentrums bei den Schweizer App-Entwickler Urs Bischof und Roman Lickel, die die App "nowee" laut eigenen Angaben als Non-Profit-Organisation entwickelt haben. „Diese App gibt uns die Möglichkeit, wirklich jeden Impfstoff effektiv, unbürokratisch und unter Einhaltung der Corona-Verordnung unter die Bevölkerung zu bringen, sodass die Pandemie schnell zu einem Ende findet“, erklärt Peter Günther, Ärztlicher Leiter des Wildeshauser Impfzentrums.

Mit der impfee-Kampagne wollen die App-Entwickler und die Leitung des Wildeshauser Impfzentrums keinesfalls die vom Bund festgelegte Impfreihenfolge unterlaufen, im Gegenteil. „Wir respektieren den Impfplan von Gesundheitsminister Spahn, der Ständigen Impfkommission und des Landes Niedersachsen", erklärt App-Entwickler Urs Bischof. Deren Einhaltung habe absoluten Vorrang. "Andererseits darf keine einzige Impfdosis ungenutzt bleiben. Unser gemeinsames Ziel ist die Rettung von Impfdosen“, fügt er hinzu. 

Vorbild der Impf-Initiative ist die App „Too good to go“, die Lebensmittel vor der Vernichtung rettet. Die App verbindet in europäischen Großstädten Kunden mit Restaurants und Geschäften, die Lebensmittel nicht verkauft oder überschüssig haben. Auch die impfee- Kampagne führt Angebot und Nachfrage zusammen.

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