Landtagswahl "In der AfD kann man sich keine Stimmen kaufen"

Harm Rykena war 2017 auf Platz neun seiner AfD-Landesliste ins Parlament gerückt. 2022 kandidiert er erneut von Platz neun aus und ist zugleich Direktkandidat seiner Partei im Wahlkreis 64.
05.10.2022, 21:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Gerwin Möller

Harm Rykena gehört dem Parlament schon seit 2017 an. "Die ersten drei Jahre im niedersächsischen Landtag waren sehr intensiv", sagt der 59-Jährige. "In so mancher Plenarwoche haben wir die Themen bestimmt und die Regierungsparteien gehörig unter Druck gesetzt", sagt der Vater von drei erwachsenen Kindern. "Gerade bei den Gesprächen auf den Gängen konnte man gut merken, wie sehr sie das geärgert hat." Rykena bedauert, dass sich die AfD-Fraktion im Laufe der laufenden Legislaturperiode aufgelöst hatte: "Als Einzelabgeordneter hat man nur noch begrenzte Einflussmöglichkeiten. So etwas wird uns aber nicht wieder passieren."

Rykena war 2017 auf Platz neun seiner AfD-Landesliste ins Parlament gerückt. 2022 kandidiert er erneut von Platz neun aus und ist zugleich Direktkandidat seiner Partei im Wahlkreis 64. Jüngste Umfragen trauen der AfD landesweit ein zweistelliges Ergebnis zu. Dieses Wählervertrauen rechnet Rykena auch seiner Arbeit mit zu: "Ich habe im Landtag immer unsere bildungspolitischen Positionen deutlich gemacht und dabei manch Thema angeschnitten, das den etablierten Parteien sichtlich unangenehm war. Und nun im Wahlkampf übernimmt die FDP Positionen, die während der vergangenen Jahre so deutlich nur von mir so vertreten wurden."

Den anderen im Landtag vertretenen Parteien wirft er vor, dass diese jeweils den Beschluss gefasst hätten, niemals einem AfD-Antrag zuzustimmen, "egal wie sinnvoll er auch sei". Das habe dann öfter zu der kuriosen Situation geführt, "dass unser Antrag wortreich abgelehnt wurde - um dann wenige Monate später von einer der anderen Parteien fast identisch eingebracht zu werden".

Die AfD-Politiker hätten aber immer wieder Themen setzen können. Im Rahmen der aktuellen Stunde von Landtagssitzungen sei dafür gesorgt worden, "dass bestimmte für die Regierung unangenehme Sachen nicht einfach unter den Teppich gekehrt werden konnten".

In diesen Tagen tauchten Vorwürfe gegen die Landes-AfD auf, es seien Zahlungen geleistet worden, damit AfD-Mitglieder einen Listenplatz zur Landtagswahl zu erhalten. Solche Vorwürfe sind natürlich bekannt, "die Presse hat sie ja begierig aufgegriffen", wehrt Rykena ab. Die Medien würden sich dabei auf Aussagen eines enttäuschten Bewerbers beziehen, "der es nicht auf die Landesliste geschafft hat". Dieser habe die Partei daraufhin verlassen und versuche nun, "seinen ehemaligen Parteikollegen zu schaden, indem er Schmutz herbei fabuliert." Das sei sehr durchsichtig und das hätten vor ihm schon andere versucht. "In der AfD werden Listenplätze auf der Aufstellungsversammlung in geheimer Wahl vergeben. Da kann man sich keine Stimmen kaufen", erwidert Rykena.

Dass die aktuelle Diskussion seiner Partei am kommenden Sonntag in der Wählergunst zurückwerfen könnte, sieht er nicht. "Das Manöver ist doch zu offensichtlich. Das wird auf die Wahlentscheidung keinen Einfluss haben, zumal die Sorgen der Menschen einfach zu groß sind." Das Land befände sich inmitten einer riesigen Krise – "und die ist von unserer Regierung durch ihre Politik selbst herbeigeführt, und alle etablierten Parteien sind in irgendeiner Weise daran beteiligt".

Die Wähler wollten, dass mit der AfD wenigstens eine Partei in den Landtag einzieht, die sich "diesen verhängnisvollen Entwicklungen" entgegenstemmt.

Rykena ist 2013 in die AfD eingetreten, "weil mir die Entwicklung der Schulpolitik in unserem Land nicht gefiel", so der gelernte Grundschullehrer. Seit damals sei es noch viel schlimmer geworden. "Dagegen versuche ich etwas zu unternehmen." Rykena möchte die bis 2020 erfolgreiche Arbeit als bildungspolitischer Sprecher seiner Fraktion fortsetzen und sich beispielsweise "für den Erhalt des weltweit einzigartigen und hervorragenden deutschen Systems der Förderschulen einsetzen", und zwar ohne Wenn und Aber, wie es die Konkurrenz gerne täte.

Zur Sache

Direktkandidaten im Wahlkreis 64

Bei der niedersächsischen Landtagswahl am 9. Oktober treten im Wahlkreis 64, zu dem die Gemeinden Ganderkesee, Dötlingen, Hatten, Hude, Wardenburg sowie die Samtgemeinde Harpstedt gehören, insgesamt sieben Parteien mit einen Direktkandidaten an. Auf dem Stimmzettel werden folgende Bewerber zur Wahl stehen: Thore Güldner (SPD), Nadja Lampe (CDU), Anika Hoffmann (Grüne), Lara-Christin Groen (FDP), Hilke Hochheiden (Linke), Arnold Hansen (Freie Wähler) und Harm Rykena (AfD).

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