Naturpark Die Wilde Geest zu Fuß entdecken

Bei Wanderfreunden ist der Naturpark Wildeshauser Geest bislang eher nicht auf dem Radar. Das wollen der Zweckverband und die zugehörigen Gemeinden ändern und haben 20 neue Rundwanderwegen konzipiert.
09.09.2021, 14:11
Lesedauer: 5 Min
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Die Wilde Geest zu Fuß entdecken
Von Kerstin Bendix-Karsten

Das Wandern ist der Deutschen Lust. Seit Ausbruch der Corona-Krise haben viele diese alte Trendsportart für sich entdeckt. Auch Herwig Wöbse gehört dazu. Im vergangenen Sommer hat sich der Bürgermeister der Samtgemeinde Harpstedt extra ein paar neue Wanderschuhe zugelegt. Weit in die Ferne muss er nicht schweifen, um diese zum Einsatz zu bringen. "Das Gute liegt so nah", weiß Wöbse. Denn direkt neben dem Amtshof startet ein 15,6 Kilometer langer Rundwanderweg. Der sogenannte Delmepfad ist eine von insgesamt 20 Strecken im neuen Tourenheft "Wilde Geest zu Fuß – 20 Wandertipps", das der Zweckverband Naturpark Wildeshauser Geest aufgelegt hat. Bei einer kleinen Einweihungsfeier am Startpunkt des Delmepfads stellte die Geschäftsstelle dieses Heft nun erstmals öffentlich vor.

Für Radfahrer ist die Wildeshauser Geest mit ihrem Knotenpunktsystem schon seit Längerem ein beliebtes Ausflugsziel – für Wanderer gilt dies bisher noch nicht. "Wir haben zwar viele Wanderwege bei uns im Naturpark, diese waren aber teilweise zugewuchert und entsprachen nicht dem Standard des deutschen Wanderverbands", berichtete Rolf Eilers, Geschäftsführer des Zweckverbandes. Das wollte der Zweckverband ändern. Gemeinsam mit 13 Mitgliedsgemeinden – Bassum, Dötlingen, Ganderkesee, Goldenstedt, Großenkneten, Harpstedt, Hatten, Hude, Syke, Twistringen, Visbek, Wardenburg und Wildeshausen – machte sich die Geschäftsstelle des Naturparks daran, ein neues Angebot für Wanderfreunde im Naturpark zu schaffen. Insgesamt beliefen sich die Kosten für das Projekt auf circa 90.000 Euro, die zu 45 Prozent aus dem Programm "Zuwendung zur integrierten ländlichen Entwicklung" gefördert wurden. Jede Gemeinde beteiligte sich mit 5000 Euro. 

"Das Projekt hatte nichts mit Corona zu tun", erklärte Alissa Rottmann, Mitarbeiterin des Naturparks. Denn schon vor Ausbruch der Pandemie fiel der Startschuss. "Wir haben 2017 eine Infoveranstaltung organisiert, um zu schauen, wie groß das Interesse überhaupt ist", erinnerte Rottmann. Weil dieses groß war, begann die Geschäftsstelle des Naturparks in Zusammenarbeit mit den Gemeinden, Gästeführern, Touristikern und weiteren Ehrenamtlichen damit, von 2018 bis 2021 ein neues, einheitlichen und übersichtliches Wanderwegeangebot zu erarbeiten. "Das war ein langwieriges Projekt. Denn es war nicht damit getan, vom Schreibtisch aus ein paar Wanderwege aufzuschreiben", erklärte Rottmann, die das Projekt seitens des Zweckverbands koordiniert hat.

Mit Punktesystem bewertet

Am Anfang des Projekts brachte zunächst jede Gemeinde Vorschläge ein, welche bestehenden Wege sich aus ihrer Sicht als Rundwanderwege in einem Tourenheft eignen könnten. "Etwa 50 Vorschläge sind bei uns eingegangen", berichtete Rottmann. Diese sind dann sogenannte Bestandserfasserinnen, die der deutsche Wanderverband zuvor ausgebildet hatte, abgelaufen. Anhand eines engen Punktesystems bewerteten sie jeden der vorgeschlagenen Wege. "Ein wichtiges Kriterium ist zum Beispiel die Beschaffenheit des Weges. Für einen Waldboden gibt es mehr Punkte als für einen asphaltierten Belag", erläuterte Iris Gallmeister, stellvertretende Geschäftsführerin des Zweckverbands. Auch Gerüche – positive wie negative – spielten in der Beurteilung eine Rolle. "Wenn es irgendwo stinkt, ist das natürlich nicht so schön", ergänzte Gallmeister. Wie viel Sehenswertes es am Wegesrand gibt, floss ebenfalls in die Bewertung mit ein.

"Wir wollten eine hohe Qualität und Vielseitigkeit bei den Wegen", erklärte die Projektkoordinatorin. Deshalb habe der Zweckverband nur die besten Wege in das Heft aufgenommen. Am Ende blieben 20 Rundwanderwege übrig, die mit Ausnahme des Huntepadds meist an noch eher unbekannten Strecken verlaufen. "Jeder Weg für sich ist individuell und setzt andere Schwerpunkte", führt Alissa Rottmann aus. Die Wege führen durch historische Dorfkerne oder Naturschutzgebiete, vorbei an Museen und Ausstellungen sowie an Rastplätzen und Einkehrmöglichkeiten. Für jeden sei etwas dabei, egal ob Einheimischer oder Gast. Die Auswahl reiche von kurzen Spaziergängen, wie etwa die 5,2 Kilometer lange Strecke an den Ahlhorner Fischteichen oder die 6,8 Kilometer lange Tour um die Siebenhäuser in Syke, bis hin zu Tagestouren, wie etwa der 14 Kilometer lange Huder Weg zum Moor. 

Dem rot-gelben Logo folgen

Allen Wegen gemeinsam ist, dass die Wanderungen überall begonnen und in beide Richtungen abgelaufen werden können. In seinem Tourenheft empfiehlt der Zweckverband jedoch jeweils einen Parkplatz als Start- und Zielort. Beschildert sind sämtliche Wege mit dem rot-gelben Logo "Wilde Geest zu Fuß". Der Name der jeweiligen Route ist im Logo integriert. "Wenn man dieses Logo sieht, ist man richtig", erklärte Rottmann. Neben einer zentralen Beschilderung am Start gibt es entlang der Strecke zur Orientierung außerdem Aufkleber sowie Plaketten auf kleinen Holzpfeilern. Den Aufbau der Hinweisschilder hatten die lokalen Bauhöfe sowie Gemeindemitarbeiter übernommen.

Damit Wanderer auch in Zukunft auf den Wegen durch die Wildeshauser Geest nicht die Orientierung verlieren, kontrollieren ehrenamtliche Wegepaten regelmäßig die Strecken. Sie sollen schauen, ob noch alle Schilder und Aufkleber vorhanden sind und dass die Wege nicht zuwachsen. "Einmal im Jahr schauen, reicht nicht. Dann entstehen Lücken in der Beschilderung", erläuterte die Projektkoordinatorin. Für einige der Wege sucht der Naturpark noch Paten. Interessenten könnten sich beim Naturpark (Telefon: 04331/85351; E-Mail: info@wildegeest.de) oder bei den Gemeinden melden.

Zur Sache

Fotowettbewerb gestartet

Zum Auftakt des neuen Wanderangebots "Wilde Geest zu Fuß" ruft der Zweckverband des Naturparks Wildeshauser Geest zu einem Fotowettbewerb auf. Gesucht werden die schönsten Wandererlebnisse und -momente während einer Tour zu Fuß auf einem der 20 neuen Rundwanderwege. Es können tolle Lichtstimmungen auf einsamen Pfaden, kuriose Entdeckungen am Wegesrand, Detailaufnahmen aus der Tier- und Pflanzenwelt oder unerwartete Erlebnisse sein, die fotografisch festgehalten werden. Teilnahmeschluss ist Sonntag, 10. Oktober.

Die interessantesten Motive werden von einer Jury prämiert. "Es gibt tolle Preise, die bei der nächsten Wanderung eingelöst werden können", erklärt Alissa Rottmann aus der Geschäftsstelle des Naturparks. Als Beispiel nennt sie Gutscheine für Restaurants und Cafés sowie Eintrittskarten.

Weitere Informationen gibt es unter www.wildegeest.de/fotowettbewerb

Info

Das kostenfreie Tourenheft gibt es in den Rathäusern der Naturparkgemeinden, den Tourist-Infos  sowie im Online-Shop des Naturparks unter www.wildegeest.de. Auf der Homepage werden außerdem Karten und Informationsmaterial sowie GPX-Daten zum Download zur Verfügung gestellt. 

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