Rochssare Neromand-Soma und Morten Hübbe reisten per Anhalter und „Couchsurfing“ durch Südamerika / Buch über Erlebnisse geschrieben

246 Mitfahrgelegenheiten und 80 Gastgeber

Zur Person: Rochssare Neromand-Soma (28), geboren in Hamburg, Abitur in Osterholz-Scharmbeck 2005. Freie Mitarbeit beim OSTERHOLZER KREISBLATT.
19.03.2015, 00:00
Lesedauer: 6 Min
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Von KARIN KöSTER
246 Mitfahrgelegenheiten und 80 Gastgeber

Ihre Reise führte Rochssare Neromand-Soma und Morten Hübbe unter anderem zum Gletscher Perito Moreno in Argentinien.

Rochssare Neromand-Soma

Zur Person: Rochssare Neromand-Soma (28), geboren in Hamburg, Abitur in Osterholz-Scharmbeck 2005. Freie Mitarbeit beim OSTERHOLZER KREISBLATT. Bachelor in Politikwissenschaft und Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Master in Literatur und Medienpraxis an der Universität Duisburg-Essen. Erste Rucksackreise: Thailand 2008.

Morten Hübbe (30), geboren in Bergen auf Rügen. Bachelor in Germanistik und Philosophie an der Universität Rostock. Ebenfalls Master in Literatur und Medienpraxis an der Universität Duisburg-Essen. Erste Rucksackreise: Schweden 2008.

(KKÖ)

Zwei Jahre, 56000 Kilometer, ein Kontinent – das sind die Eckdaten der Südamerika-Reise der früheren Kreisstädterin Rochssare Neromand-Soma und Morten Hübbe. Per Anhalter und mit „Couchsurfing“ haben die beiden jungen Journalisten den kompletten Kontinent bereist. Von 246 Mitfahrgelegenheiten und 80 Gastgebern lernten sie aus erster Hand über das Leben am anderen Ende der Welt. Nach ihrer Rückkehr haben sie ihre Erlebnisse und Erfahrungen im Buch „Per Anhalter durch Südamerika“ aufgeschrieben. Karin Köster hat mit beiden Autoren über ihre ungewöhnliche Reise gesprochen.

Wie entstand die Idee für Ihre Reise? Und warum führte sie nach Südamerika?

Morten Hübbe:

Bevor wir unsere Reise angetreten haben, haben wir unzählige Reiseberichte über Südamerika verschlungen. Die Erlebnisse der frühen Entdecker wie Magellan, Humboldt und Darwin waren für uns Quellen der Inspiration. Südamerika war für uns stets ein Inbegriff von Ferne und Abenteuer, aber auch von Lebensfreude, Enthusiasmus und Genuss. Daneben gibt es auch einen ganz praktischen Grund: Südamerika ist einer der wenigen Orte dieser Welt, wo wir sehr große Distanzen in ein und derselben Sprache zurücklegen können. Überall (mit Ausnahme Brasiliens und der Guyanas) sprechen die Menschen Spanisch. Und nach einem kurzen Sprachkursus in Argentinien haben wir unsere Kenntnisse problemlos mit den Einheimischen vor Ort verbessern können. Insbesondere die stundenlangen Fahrten mit südamerikanischen LKW-Fahrern und der dauerhafte Kontakt mit Einheimischen haben dazu beigetragen, dass wir uns nach kurzer Zeit problemlos auf Spanisch verständigen konnten.

Haben Sie die Reise geplant, oder haben Sie sich vielmehr „treiben lassen“?

Morten Hübbe:

Wir haben die Reise so gut wie nicht geplant. Wir wussten zu Beginn nicht einmal, dass wir so lange unterwegs sein würden. Wir wollten lediglich für sechs Monate in Südamerika bleiben und dort auch nur in Argentinien und Chile. Doch erst einmal angekommen, haben wir viele freundliche und hilfsbereite Menschen aus allen Ecken des Kontinentes kennengelernt. Schnell war uns dann klar, dass wir mehr sehen wollen.

Hatten Sie schon zu Beginn der Reise vorgehabt, ein Buch darüber zu schreiben?

Rochssare Neromand-Soma:

Nein, wir hatten nie geplant, ein Buch über die Reise zu schreiben. Stattdessen haben wir auf unserem Blog von unseren Erlebnissen berichtet. Dieser Blog war zunächst nur für Familie und Freunde gedacht. Aber mit der Zeit hatten wir immer mehr Besucher und bekamen so viel positive Rückmeldung, dass wir uns dazu entschlossen haben, ein Buch zu veröffentlichen.

Wie hat die Reise Sie persönlich verändert? Welche Einsichten haben Sie gewonnen?

Rochssare Neromand-Soma:

Mit der Zeit haben wir eine recht hohe Toleranz gegenüber allem entwickelt, was wir nicht verändern können. Dazu gehören simple Dinge wie unregelmäßige Abfahrtszeiten im öffentlichen Verkehr, Wetterumschwünge oder auch allgemeine Lebensbedingungen. Mittlerweile fühlen wir uns beinahe überall sehr schnell zuhause und adoptieren regionale Gestik und Körpersprache. Wenn es aber eine Veränderung gibt, die nach dieser Reise bleibt, dann ist es das fest zementierte Vertrauen in die Menschlichkeit. Wir haben gesehen, dass die Welt kein schlechter Ort ist. Es hängt nur davon ab, wie man sich in ihr bewegt.

Welche Erlebnisse haben Sie besonders berührt?

Morten Hübbe:

Die Gastfreundschaft und Freundlichkeit der Menschen ist beeindruckend und rührend. Es ist uns häufiger passiert, dass wir in Gegenden unterwegs waren, die uns als gefährlich und unbedingt zu vermeiden beschrieben wurden. Man würde uns überfallen, ausrauben und vielleicht noch Schlimmeres. Doch in diesen Gegenden waren die Menschen oft am freundlichsten, ehrlich bemüht, uns bestmöglich zu helfen.

Trampen ist ja nicht ganz ungefährlich. Fühlten Sie sich immer sicher?

Rochssare Neromand-Soma:

Wir haben keine Situation erlebt, in der man uns etwas Schlechtes wollte. Im Gegenteil: Wir wurden beim Trampen oft von unseren Fahrern zum Essen eingeladen und regelmäßig wurde uns angeboten, die Familie kennenzulernen und über Nacht zu bleiben. Nichtsdestotrotz sollte man sich nicht blind auf das Glück verlassen. Es ist wichtig, auf die eigenen Instinkte zu achten. Man merkt oft bereits nach wenigen Sekunden, ob der Gegenüber vertrauenswürdig ist. Im Zweifel haben wir stets ein Gespräch über die Familie angefangen. Wenn der Fahrer anfängt von seinen Kindern zu erzählen und Fotos zeigt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass er uns ausraubt.

Was empfehlen Sie Menschen, die nach Südamerika reisen wollen? Was darf man auf keinen Fall „verpassen“?

Morten Hübbe:

Südamerika ist ein Kontinent der Naturschönheiten und Superlative. Hier befindet sich der Salto Angel, der höchste Wasserfall der Welt in Venezuela, die tiefste Schlucht der Welt in Peru, der Amazonas, der wasserreichste Fluss der Welt, Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt (Argentinien), und Potosí, die höchstgelegene Stadt der Welt (Bolivien). Aber auch abseits davon bietet der Kontinent an jeder Ecke etwas zu bestaunen. Sei es der Quilotoa-Loop in Ecuador, der uns zu den Schönheiten abgelegener andiner Dörfer führte oder die sechstägige Wanderung durch den Dschungel zur Ciudad Perdida, der verlorenen Stadt in Kolumbien. Unbedingt zu empfehlen ist auch ein Besuch des Titikaka Sees zwischen Peru und Bolivien. Gerade die Inseln im höchstgelegenen schiffbaren See der Welt (3810 Meter) sind hervorragend dazu geeignet, die Seele baumeln zu lassen. Was man auf keinen Fall verpassen darf, ist der Kontakt zu den Menschen. Die Gastfreundschaft und Herzlichkeit sind phänomenal. Ein paar Spanischkenntnisse sind dann natürlich von Vorteil.

Per Anhalter zu fahren kostet nichts und fürs Couchsurfing (kostenlose Übernachtung in Gastfamilien) muss man auch nichts bezahlen.

Aber trotzdem haben Sie Ausgaben, zum Beispiel fürs Essen. Haben Sie Ihre Ersparnisse verzehrt?

Rochssare Neromand-Soma:

Ja, schon. Wir haben vor der Reise viel gearbeitet, aber auch alles Materielle in Deutschland abgestoßen. Wir haben unsere Wohnung aufgegeben, Möbel, Kleidung und sonstige Dinge verkauft oder verschenkt. Wir haben unsere Versicherungen aufgelöst und das Auto verkauft. Mit allem, was wir so zusammenkratzen konnten, haben wir uns auf den Weg gemacht. In Südamerika haben wir dann von Zeit zu Zeit für Kost und Logis gearbeitet. Wir waren Tellerwäscher und Kellner, Holzfäller und Gärtner oder haben in Hostels gearbeitet.

Ihr Buch enthält 70 Geschichten aus 14 Ländern, außerdem 50 Farbbilder. Ihre Erlebnisse könnten sicherlich mehrere Bände füllen. Welche Geschichten haben den Weg ins Buch gefunden?

Rochssare Neromand-Soma:

Tatsächlich enthält das Buch etwa nur ein Drittel von allem, was wir in zwei Jahren erlebt haben. Die Geschichten im Buch sind unsere absoluten Highlights. Wir berichten vom Tauchen mit Hammerhaien vor Galapagos, von unserer Zeit in den Favelas Rio de Janeiros und unserem Aufstieg auf den Vulkan Villarrica in Chile. Aber auch unsere Erlebnisse während des Trampens und im Kontakt mit den Einheimischen kommen nicht zu kurz.

Sie sind schon wieder auf Reisen. Wohin hat es Sie diesmal verschlagen?

Morten Hübbe:

Seit September vergangenen Jahres sind wir wieder unterwegs. Diesmal auf dem Landweg von Deutschland nach Indien. Über Osteuropa und den Balkan haben wir die Türkei erreicht, sind weiter durch den Iran gereist und befinden uns nun in Pakistan. Natürlich reisen wieder per Anhalter und mit Couchsurfing. Auf unserem Internet-Blog http://nuestra-america.de und über die sozialen Netzwerke kann man unsere Reise verfolgen. Wir haben inzwischen mehr als 15 000 Kilometer hinter uns gebracht und stehen nur noch wenige hundert Kilometer vor Indien. Weil unser Reiseblog sehr beliebt ist, haben wir mittlerweile die Möglichkeit, mit verschiedenen Reiseveranstaltern und Agenturen zusammenzuarbeiten. Wir schreiben Berichte über beliebte Destinationen und liefern Fotos dazu. Wir freuen uns sehr, dass wir mit unserer Leidenschaft etwas Geld verdienen können und so die Möglichkeit haben, weiterzureisen. Natürlich hoffen wir, dass unser Buch zahlreiche Leser findet und uns hilft, die aktuelle Reise mitzufinanzieren.

Das Buch: „Per Anhalter durch Südamerika“ ist als Paperback mit 312 Seiten erschienen im Traveldiarry.de-Verlag, ISBN 9783944365657.

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